Hier gibt es tatsächlich mehrere Berichte zur Auswahl:

Dead Can Dance, Amphitheater Gelsenkirchen, 2013

The Mystery of the Bulgarian Voices feat. Lisa Gerrard, Bochum, 2018

Dead Can Dance, Bochum, 2019 (coming soon)


Dead Can Dance, Ansicht gesamte Band

Dead Can Dance, Amphitheater (Nordsterpark), Gelsenkirchen, 21.06.2013 

Das Wetter sah nicht wirklich so aus, als sei ein open air mit Dead Can Dance eine wirklich gute Idee - aber egal. Auf zum Amphitheater im Nordsternpark in Gelsenkirchen. Bühne direkt am Kanal, sehr schick. Die Bühne selber überdacht mit einem großen, weißen Zeltdach und wir - Reihe 6, Block 2, direkt vor der Bühne, waren auch noch drunter. Auch wenn es angefangen hätte zu regnen, hätten wir vermutlich noch Glück gehabt. Das Wetter hat sich aber benommen, es hat erst ganze 5 Minuten nach Ende der Show angefangen zu regnen - zu schütten, wäre der bessere Begriff...Foto von David Kuckhermann

Die Vorband hab ich leider verquatscht, wir haben nur ab und an "Dankeschön" oder sowas gehört. War wohl der Percussionist, der auch schon auf der Tour 2012 die Vorband gegeben hat und im Anschluss das Dead Can Dance Konzert bereichert hat: David Kuckhermann, wirklich klasse Auftritt. Gerne hätte ich ihn als Vorband gesehen, hat wohl interessante Klanginstrumente dabei gehabt. Aber man kann nicht alles haben, so werde ich mich wohl gedulden müssen bis zum nächsten Mal oder bis er mal solo unterwegs ist.

Das Ambiente war schon toll, allerdings muss ich auch hier wieder feststellen, dass für diese Art von Musik (wie auch für Estampie oder Al Andaluz Project, die übrigens sehr passend als Pausenfüller im Hintergrund gespielt wurden) einfach eine dunkle Halle oder eine Philharmonie - wie auf meinem letzten DCD-Konzert 1996 (!) - besser passt. Will sagen: es war zu hell und es war irgendwie zu viel Gerenne. Klar wollte jeder mal ein Foto machen, ich ja auch, aber dadurch war im Mittelgang halt viel Gewusel, was der arme Mann von der Security immer wieder auflösen musste. Die Leute waren aber nett und haben auf ihn gehört - aber auch nur auf ihn. Seine Helferlein, die wirklich ihr bestes gegeben haben, waren nicht ganz so erfolgreich. Vielleicht, weil sie etwa ein viertel so alt und auch ein viertel so groß und breit waren.. ;-). Die Stühle waren auch nicht soo bequem, wäre die Musik nicht so berauschend gewesen, hätte mein Rücken sich lauter beschwert.

Start um 20:17 h. Lisa Gerrard, mit Hochsteckfrisur, dunkelblauem Samtkleid und aufwändigem, mittelalterlich anmutenden Umhang, und Brendan Perry (graue Cargo-Hose und schwarzes Hemd) hatten sich Verstärkung mitgebracht: Jules Maxwell (Belfast, heute London) am Keyboard, Astrid Williamson (Shetland Inseln) - ebenfalls Keyboard und Gesang (ebenfalls schlichtes, langes, dunkelblaues Samtkleid), David an den Percussions, Dan Gresson (Nottingham) am Drumkit sowie Richard Yale (heute in Brighton zu finden, arbeitet wie auch Dan Gresson zusammen mit Astrid Williamson, keine Homepage) der sowohl Gitarre als auch Bass, Percussions oder Keyboard gespielt hat, je nachdem, was grade nötig war. Lisa Foto von Astrid Williamsonspielte neben dem Hackbrett (Dulcimer) auch Zimbeln, Tambourin und Keyboard, Brendan spielte Hackbrett (ein Song), Percussion sowie meist ein gitarrenähnliches Instrument (etwas kleiner als eine Gitarre, aber eine Mandoline war's auch nicht). Schon beeindruckend. Die Band wurde tatsächlich gegen Ende auch vorgestellt, ich hab die Namen allerdings nochmal im offiziellen Tourprogramm auf der Dead-Can-Dance-Homepage nachgelesen.

Während die anderen Musiker auf die Bühne kamen, war es bei Lisa Gerrard mehr ein ... Schweben. Auch als sie zwischendrin die Bühne verließ und dann zurückkam hatte ich jedes Mal das Gefühl: "jetzt hebt sie gleich ab", Wahnsinn, eine echt überirdische Ausstrahlung.

Die Songs waren größtenteils neueren Datums, die Setlist identisch mit denjenigen der anderen Konzerte (siehe setlist.fm). Start also mit dem opener des neuen, wirklich großartigen Albums Anastasis Children of the sun, Gesang Brendan Perry. Das Album ist das erste seit 16 (!) Jahren und auch die erste Zusammenarbeit überhaupt, seit sich die Band, gegründet 1981, 1998 aufgelöst hat und nur 2005 für eine Tour kurz wieder zusammen kam.

Danach ein eher orientalisch anmutendes Klangerlebnis, ebenfalls vom neuen Album, diesmal mit Gesang durch Lisa Gerrard: Agape. Der Start war ja schon gut, jetzt aber Begeisterungsstürme direkt bei den ersten paar Tönen, das geniale, von Brendan gesungene und von Lisa im Hintergrund traumhaft untermalte Rakim (Towards the Within). Die nächsten zwei waren wieder Songs vom neuen Album: Kiko (gesungen von Lisa) und Amnesia (gesungen von Brendan); Lisa ist während dieses Lieds nach hinten zum aktuell leeren Keyboard gewechselt; Richard hatte zusätzliche Percussion-Aufgaben. Danach verschwand die Hälfte der Musiker, Brendan eingeschlossen, nur Jules blieb am Keyboard und Lisa packte ihre Altstimme aus: Sanvean (I am your shadow), Gänsehaut garantiert, wow. Auch zu finden auf der Towards the within, ebenso wie auf der Solo-Platte von Lisa Gerrard, The mirror pool. Die Band kam zurück und es wurde wieder Percussion-lastiger mit einem Song gesungen von Brendan, auch wieder etwas älter: Black sun (Aion). Danach Nierika von der Spiritchaser, der einzigen Platte, die ich bewusst nicht habe. Live hat mir dieses trommellastige Stück mit Gesang von Lisa und Brendan aber doch sehr gut gefallen. Dann wieder eines vom letzten Album: Opium (wieder gesungen von Brendan). Danach redete Brendan tatsächlich und widmete den nächsten Song dem leider kürzlich verstorbenen Sam Foster: Host of Seraphim, beide haben gesungen, fast ohne Instrumente, nur mit Keyboard unterlegt. Wirklich... ergreifend. Ein Gänsehautsong. Im Publikum: Stille, angehaltener Atem. Wahnsinn. Danach schien sich Brendan daran gewöhnen zu wollen, auch mal ein bisschen mehr zu reden. Er erzählte, dass der nächste Song ein griechischer sei, übersetzt so etwas wie "I am a junkie". Erklärbar aus der Zeit, aus der er stamme. Ursprünglich aus den 1930ern von Roza Eskenazi war der Text des Songs darauf bezogen, dass dies damals quasi die einzige Möglichkeit war, sich vom schweren Leben in den wirtschaftlich schlechten Zeiten abzulenken. Für Griechenland ist dieser Song damit wohl fast wieder aktuell. Ime Prezakias. Danach griff Lisa zu den Zimbeln (Glöckchen eben, siehe auch Foto): Cantara, ebenfalls älterBrendan Perry mit David und Dan im Hintergrund und sehr bejubelt; nicht dass die anderen songs weniger Applaus geerntet hätten, aber sie wurden nicht so schnell erkannt ;-). Nach diesem gemeinschaftlichen Sangeswerk von Brendan und Lisa wieder eines nur von Brendan. Lisa verließ währenddessen bereits die Bühne: All in good time. Und damit wollten sie sich um 21:35 h verabschieden.

Was natürlich die standing ovations und die Pfiffe und Zugaben-Rufe nicht zuließen. Rückkehr mit Brandons The Ubiquitous Mr. Lovegrove, gefolgt von einem song, den ich nicht kannte, performed von

Lisa mit Brendan am Hackbrett: dreams made flesh sagen meine Recherchen, wohl ein cover von This Mortal Coil. Lisa verließ wieder die Bühne und Brendan spielte, wild umjubelt, Song to the siren und stellte im Anschluss - Lisa war wieder da - die Band vor. Wirklich großartige Musiker, die größtenteils auch schon mit Brendan solo unterwegs gewesen sind.

Zum Schluss dann nochmal mit Gesang von allen: Brendan, Lisa, David, Astrid, Jules: The Return of the She-King vom neuen Album. Großartig, mittelalterlich, nochmal Gänsehaut zum Abschluss. Und es lag wirklich nicht daran, dass es kalt geworden war und die Regenwolken drohten, sich nun doch endlich zu entleeren. Wirklich Wahnsinn!! Leider war das dann auch das letzte Stück, das Konzert endete um 22:00 h, kurz vor den ersten Regentropfen.

Wirklich toll, allerdings noch lieber im Dunklen. Dennoch: sehr zu empfehlen und wer auf dieser Tour noch das Vergnügen hat: viel Spaß dabei, genießt es!

Bild von Lisa Gerrard beim Zimbelspiel zu Cantara

hier ist das offizielle Tourprogramm, zu finden auf der DeadCanDance-Homepage:

hier gibt's ein bisschen Hintergrundgeschichte zu Dead Can Dance

Und hier schöne Fotos und einen weiteren Konzertbericht.

(c) bat, 06/2013


The Mystery of The Bulgarian voices feat. Lisa Gerrard, Christuskirche Bochum, 13.10.2018 

Es war ein Experiment. Lisa Gerrard wollte ich gerne mal wieder sehen, das Konzert von Dead Can Dance im Amphitheater in Gelsenkirchen ist schon wieder ewig her – und der Kartenverkauf für dieses Konzert startete, bevor ich wusste, dass sie als Dead Can Dance im Juni 2019 auch nochmal auf Tour gehen.

Aber es hat sich gelohnt – und wie. Gerne immer wieder, zur Not auch ohne Lisa.

Vielleicht erstmal was zum Chor, der wohl ein recht berühmter ist und dessen Vorläufer in den 50er Jahren als Staatschor gegründet wurde (The Bulgarian State Radio and TV Femal Vocal Choir) und der sich 1990 in Mystery of the Bulgarian Voices umbenannt hat (eigentlich der Name einer Serie von Aufnahmen). Die derzeitige Dirigentin ist Dora Hristova und das jetzige Programm BooCheeMish (erste Platte seit 20 Jahren, veröffentlicht 2018) zusammengestellt hat, enthält teilweise traditionelle Stücke, arrangiert von Petar Dundakov, teilweise wurden Stücke beigesteuert, die von Lisa Gerrard, Jules Maxwell (war auch bei der letzten DeadCanDance-Tour mit dabei) und Gergana Dimitrova gemeinsam geschrieben wurden. Wie ihr in den 80ern berühmtestes Album ist auch dieses wieder beim Plattenlabel 4AD erschienen. Im Buch zum Programm habe ich gelesen, dass ausgerechnet Peter Murphy (den ich grade im November 2018 mit einem Bauhaus-Revival in der gleichen Christuskirche gesehen habe) eine Kassette dieses Chors als Entspannung bei der Aufnahme seiner ersten Solo-Platte dabei hatte und das dann letztendlich dzau führte, dass die erste Platte auf 4AD überhaupt zustande kam. Zusammenhänge gibt's! Ich muss zugeben, ich hab von diesem Chor noch nie gehört, bin aber auch nicht bewandert in Weltmusik oder Chormusik oder klassischer Musik.

Hat mich hier aber überhaupt nicht gestört, sehr, sehr schöne Stimmen, die sehr schön gewirkt haben, zusammen aber auch einzeln. Ich war beeindruckt, insbesondere auch von der Idee, dieses doch eher sehr klassische und traditionelle Liedgut zusammenzubringen mit klassischen Instrumenten aus dem Balkan, aber auch moderneren Elementen wie einer Handpan oder einer Beatbox.

Hier noch eine Beschreibung der Gesangstechnik der Damen, zitiert von laut.de:

"Nach wie vor wenden sie in den Stücken eine besondere Kehlkopf-Technik an, die beim Singen eine Menge Atemdruck erfordert. Durch die Überlagerung der einzelnen Stimmen, entsteht ein besonders kraftvoller, heller Klang, der seit jeher als Markenzeichen von The Mystery Of The Bulgarian Voices gilt."

Start um 20:05 Uhr mit ein paar Musikern, die auf die Bühne kamen, leider setzten sich sie – vom Publikum gesehen – links in eine Ecke, genau da, wo auch wir saßen, so dass ich sie nur durch Stäbe sehen konnte (es gab diesmal tatsächlich so was wie einen Bühnenaufbau, nicht nur Mikros und Instrumente. Eine Gitarre, gespielt von Petar Milanov, ein geigenähliches Instrument (Gadulka) gespielt von Hristina Beleva, einmal Drums (aber akustisch), dazu auch eine Handpan, gespielt von David Kuckhermann aus Münster, ganz großes Kino, war auch schon unterwegs mit Dead Can Dance und hat mich 2013 schon sehr beeindruckt. Und ein Typ mit Mikro ohne Instrumente. Beatboxing war seins. Und wie! Alexander Dejanow (SkillerR).

Die Musiker fingen aber erstmal harmlos an und machten ein bisschen Intro-Musik. Es folgte der Auftritt von vielen, vielen Frauen in bunten bulgarischen Trachten (sind alle direkt an uns vorbei gelaufen :-) ) und der Dirigentin in schwarzem Gewand.

Dann ein sehr, sehr eindrucksvoller Chorgesang, sehr außergewöhnlich, immer mal wieder Solistinnen, eine oder zwei bis drei, immer ganz andere Lieder. Irgendwann dann Auftritt Lisa Gerrard, die ebenfalls in einem Wallgewand und sehr ausgelatschten Ballerinas an uns vorbeischwebte. Ein bisschen nervig fand ich dieses gegenseitige Beklatschen wie toll doch die jeweils andere gesungen hat, aber das gehört vermutlich in Künstlerkreisen dazu ;-). Lisas Stimme hat das ganze nochmal sehr schön ergänzt, es gab aber auch Songs ohne sie oder einen oder zwei Songs, wo sie alleine mit einer weiteren Solistin aus dem Chor gesungen hat, mal mit, mal ohne Musikuntermalung. Da ich von dem, was der Chor gesungen hat, nichts verstanden habe, war es sehr passend, dass das, was Lisa singt, auch nicht zu "verstehen" ist im eigentlichen Sinne, da meist keine Sprache ;-). Außer zum Schluss, wo ich glaube, mal etwas verstanden zu haben – war die Titelmusik aus dem Gladiator-Film – zumindest daran angelehnt. Ich hab nach bestem Wissen und Gewissen mitgeschrieben, was es für Songs waren und wie sie auf mich gewirkt haben, aber die Namen weiß ich leider nicht – ich könnte diejenigen nennen, die auf dem im Nachgang zu erwerbenden Doppelalbum sind, aber das überlasse ich vielleicht einfach wissenderen Personen.

Es gab Lieder, bei denen nur der Chor gesungen hat oder einige Solosängerinnen aus dem Chor, die anderen Stimmen untermalten das Lied, es gab das Ganze mit musikalischer Begleitung, es gab die Kombination Lisa mit einer oder zwei Solistinnen aus dem Chor, es gab nur Lisa, in Summe einfach sehr, sehr beeindruckend.

Es gab dann nat

ürlich auch noch Auftritte der Solo-Künster. Die Beatbox hat mich echt umgehauen, schon bei den Liedern, aber der Solo-Auftritt war nochmal eine ganz andere Nummer. Wow. Ich frag mich immer noch, wann und wie der Mann Luft geholt hat. Nicht weniger beeindruckt war ich von David Kuckhermann, der mit seiner Handpan schon zwischendrin mit der Dame mit der Geige bzw. Gadulka ein sehr tolles Stück gespielt hat und dann solo nochmal mit so einer Handtrommel mit Glöckchen dran einen irren Auftritt hingelegt hat. Seinen Reiz hatte das Ganze natürlich auch als Kontrast: Beatbox mit Handpan und klassischem bulgarischen Chor, da muss man erstmal drauf kommen.

Knapp 2 Stunden haben die Herrschaften in Summe gespielt (bis 21:50 h), jede Minute davon hat sich gelohnt. Die Leute waren restlos begeistert.

Also, wenn Ihr die Gelegenheit habt: traut euch, ist kein verstaubter Chor sondern eine wirklich großartige, gelungene Inszenierung, die viele verschiedene Facetten doch zu einem tollen Ganzen zusammenbaut.

Und im Juni 2019 dann Dead Can Dance - hoffentlich wieder mit dem genialen Drummer!

(c) bat 12/18