Attila the Stockbroker and Barnstormer, Zwischenfall, Bochum, 09.01.1998

Obige sollten im Fall spielen. Im Fall selbst hing ein Plakat, das sagte, sie würden Medieval Punk spielen. Hmmm. Der Coolibri berichtete von Folk-Punk (freitags) bzw. von 'Funk & Folk' (sonntags). Nun ja, man war sich einig. Ungefähr genauso einig war man sich über den Namen: Attila the Stockbrokers war im Angebot, ebenso wie Attila & the Stockbroker's Barnstormer. Nun ja. Die CD sagt jedenfalls obiges und Attila selbst erzählte uns, daß er 13 Jahre allein als Attila the Stockbroker unterwegs war und die Band, die jetzt mit ihm tourt und Platten aufnimmt, eben Barnstormer heißt, was irgendwas mit Fußball zu tun hat (wenn man ganz besonders toll stürmt, dann sagen die Engländer wohl irgendwas wie 'that was a real barnstormer' oder sowas - wenn jemand genaueres weiß, bitte melden ;-))) ). Jedenfalls erzählte Attila das jemandem während des Plattenverkaufens. Ein Freund meinte, die Band sei gut und so bin ich trotz gewisser Vorbehalte, weil ich mir eben unter diesen ganzen Bezeichnungen so gar nichts vorstellen konnte, mitgegangen.

Das erste, was ich zu sehen bekam, war eine ganze Horde Punks, die vor dem Zwischenfall der Dinge harrten. Hmm. Punkmusik ist nicht ganz so mein Ding, sollte ich dazu wohl erwähnen... Los ging's dann gegen halb 10 mit einer Punkband aus deutschen Landen. Ob sie auch deutsch gesungen haben, weiß ich nicht, war irgendwie ziemlich undeutlich. Nach drei Liedern, die sich alle gleich anhörten, sind wir dann wieder runtergegangen, haben uns neben Attila und seine Mannen gesetzt, die gemütlich Bier tranken und sich mit einem Punk mit grünen Haaren unterhielten, der bei ihnen am Tisch saß, total angetrunken und im Siebten Himmel schwebend, weil er sich mit seinen Idolen unterhalten durfte ;-) Na ja, dachten wir uns, solange die nicht hochgehen, können wir nichts verpassen. Es kam noch eine zweite Punkband - die sich im übrigen von unten gar nicht schlecht anhörte ;-) - und um 23:15 h ging's dann doch endlich mit Attila weiter.

Es waren so etwa 100 Leute da und Attila und seine Mannen waren echt gut, ich war angenehm überrascht! Die Ruhr-Nachrichten kündigte heute übrigens sein nächstes Konzert am Sonntag in Dortmund mit folky punk an und ich glaube, das trifft's auch am besten. Einige Stücke waren eher in die folk-Ecke zu packen, einige waren eine Mischung aus folk und punk, es gab auch Coverversionen, deren Ähnlichkeit mit dem Original sich allerdings wirklich nur auf den Text beschränkte ;-) Die Instrumentierung bestand neben den üblichen Gitarren, Bässen und Schlagzeugen (na ja, jeweils nur eins ;-))) ) aus einer Mandoline, einer Geige und verschiedenen Flöten und sonstigen Blasinstrumenten (ich meine ein Fagott erkannt zu haben, bin mir aber nicht sicher), die alle Attila spielte, unterstützt allerdings von Bandmitglied Nr. 5, der neben Background-Gesang auch allerlei Flöten zu spielen vermochte. Bei diesen Flöten war auch eine ganz alte, mittelalterliche, die eher an das gebogene Ende eines Spazierstocks denn an ein Musikinstrument erinnerte. Da kam dann auch das auf dem Zwischenfall-Plakat erwähnte mittelalterliche Element der Musik zum Tragen: es gab ein Stück aus dem 16. Jahrhundert mit ganz vielen verschiedenen Flöten, echt toll. Ein weiteres - das gegen Ende doch ein wenig punk-rockiger wurde - handelte von einem Bauernaufstand in England im Jahre 1361 (wenn ich mir die Zahl richtig gemerkt habe). Die Band selbst besteht aus Attila, klein, Bierbauch, etwa Ende 30 mit erzwungener Glatze, der supergutes Deutsch spricht und auch seine Songs entsprechend erläutert hat (was wir allerdings schlecht verstanden haben - entweder wir standen ungünstig oder die Zwischenfall-Akustik hat mal wieder zugeschlagen), und der außerdem auch noch - wie wir nachher beim Plattenverkauf festgestellt haben - fließend französisch spricht. Dann der Flötist, in Attilas Alter, sah ihm auch irgendwie ähnlich, nur etwas größer und absolut unbegabt was das Tanzen anging ;-))) Wenn er gar nichts zu tun hatte und nicht wußte, wie er denn nun im Takt wippen könnte, ist er gegangen, hat Wasser getrunken und sich erstmal an den Rand gesetzt. Der Typ war echt klasse, hatte was von verlaufenem Familienvater ;-) Er wurde auch am Ende von Attila gelobt als Flötist - und Tänzer ;-)) Dann gab's da noch den Drummer, den Gitarristen, etwas fülliger und scheinbar ziemlich betrunken, was man nicht unbedingt dem Spiel, aber den etwas unkoordinierten Bewegungsabläufen anmerkte ;-) sowie den Bassisten. Dieser schien so gar nicht zur Band zu passen: jünger, längere Löckchen mit blonden Strähnchen, karierte Hose, groß, schlank, irgendwie seltsam in Verbindung mit den anderen ;-) Klärte sich aber auf: der Gitarrist und der Bassist gehören eigentlich zu Fishbone.

In jedem Fall war die Musik klasse, nette Mischung. Hatte auch eher weniger mit den Punk-Vorbands zu tun. Leider war nach einer Stunde schon Schluss, nicht, dass Atilla das so geplant hätte, aber der Fall wollte seine Disco noch anfangen und die Vorbands hatten wohl schon zu lange gespielt oder zu spät angefangen. Wir waren noch ein bißchen da, aber von Leuten, die in die Disco gewollt hätten, keine Spur, wie immer freitags. Echt ärgerlich. Atilla mitsamt Barnstormer war auch nicht besonders begeistert, gab aber noch den Tipp mit dem Konzert im Kanal in Dortmund, wo wohl keine Vorbands auftreten werden. Schade, länger wäre schöner gewesen.

(c) bat, 01/98