Vorab: ich bin geneigt das, was ich letztes Jahr geschrieben habe, einfach stehen zu lassen. Das Festival war wieder eines mit Liebe, zeigte auch Tommys Dankesrede mitten im One-Eye-Open-Konzert. Es war wirklich rührend, zumal die Moderatorin auch dieses Jahr wieder vermelden musste, dass es noch nicht sicher ist, ob es im Sommer weitergeht (allerdings gibt es auf der acoustic-Seite mittlerweile ein Datum anfang September, das lässt hoffen). Es ist wirklich ein Festival mit Herzblut und mit einem sehr sehr angenehmen Publikum, das in den meisten Fällen auch sehr, sehr diszipliniert ist und zum quatschen nach draußen in den anderen großen Raum geht, das sich auf Neues einlässt und sich sogar bei seltsamen Klängen einer Deutsch-Österreichisch-Türkischen Band, die ein scheinbar türkisches Volkslied trällert, zum Tanzen in Kringeln überreden lässt ;-).

Die Bandauswahl fand ich letztes Mal fast ein bisschen gelungener, lässt sich aber natürlich insbesondere dadurch erklären, dass mein Justin von New Model Army nicht der Hauptact war. Aber es war auch so wieder schön. An der Reihenfolge hätte ich vielleicht ein bisschen was anders gemacht, eine der Bands hat mir tatsächlich nicht gefallen, alles in allem aber wieder eine sehr, sehr großartige Zusammenstellung.

Den Start machte einer der beiden Mitveranstalter, Chris von der Düssel, mit deutsch-Punkt á la Butterwegge, der uns im letzten Jahr ähnlich unterhalten hat, gleiche Kategorie Songs würde ich sagen. Den Anfang hab ich leider nicht ganz mitbekommen, bin erst bei ungefähr Lied Nr. 3 eingestiegen. Es waren noch nicht viele Leute da, aber die, die da waren, haben fleißig mitgesungen und natürlich auch beim Cover "Am schlimmsten ist wenn das Bier alle ist" der Kassierer sangeskräftig unterstützt. Das letzte Lied spielte Chris dann akustik nicht mitten in, sondern eher vor den Menschen, weil sich niemand außer der Herr, der die ganze Zeit enthusiastisch und barfuß vor der Bühne getanzt hat, so nah an ihn herangetraut hat. Hatte den Vorteil, dass man dann schon anfangen konnte, die Bühne umzubauen und so für den Umbau meist nur ca. 10 Minuten gebraucht hat. Das, was am aufwändigsten war, war der Aufbau für One Eye open und der war schon fertig, hat die anderen Bands nicht weiter gestört, die ohnehin in erster Linie nur mit Gitarren aufgetreten sind - acoustic halt ;-).

Er spielte ab 16:00 h bis 16:26 h, Songs:

1-2?
Immer wieder (?)
Post, cheers, nastrovje
Cover Kassierer: am schlimmsten ist wenn das Bier alle ist
Du bist so 1933

Weiter ging's mit Marie Rauschen ab 16:45 h bis 17:18 h. Sehr leise songs in deutsch, auch hier wieder vergleichbar mit der Kategorie singer/songwriter Luise Weidehaas vom letzten Mal. Sie hat ihre songs wirklich mit sehr viel Inbrunst gesungen, das Publikum, das schon da war, hat ihr auch den Raum gegeben und sie nicht mit Gequatsche abgelenkt, wurde später etwas mehr, als es voller wurde. Zumindest haben wir deshalb auch ein Lob bekommen: wir waren ein zauberhaftes Publikum - für eine zauberhafte Sängerin ;-). 8 songs gab's:

Hautnah
ein Rätsel
Gänsehaut
(ist ihr bei einem Festival in Australien eingefallen)
und dann bist da du (mit Mundharmonika)
Zweieck (fand ich sehr schön und nur ein bisschen kitschig)
People help the people (Cover Birdie)
Haben
Identitäten

Dann Pauly aus Düsseldorf, zwei Jungs mit Gitarre, einer der singt (Adrian Jokisch) und einer der es nicht tut (Chris Kreymborg). Gitarrenpop,Singer/Songwriterzeugs. War ok, auch deutsch, bisschen Matze Rossi, aber leider auch ein bisschen Revolverheld und das was sie alle singen: warum zum Teufel ist ausgerechnet Schweden das Allheilmittel gegen Depressionen?!? ;-)

Gespielt von 17:30 h bis 18:00 h:

Sie wollen Dich fallen sehen (?)
Moment
Alles auf Null
Land in Sicht
Was hältst Du von Schweden?
Wunderschönes Chaos
(oder so).

Das letzte Lied auch wieder im Publikum zwecks Bühnenumbau. Das war praktisch, das ist an sich auch eine gute Idee, nur sind die Künstler für mich dann weg. Ich müsste wachsen. Wird aber nix mehr ;-).

Weiter mit Kent Coda, drei Herren aus Köln, ursprünglich aber aus Wien (Christoph, Bass), Izmir (Sercan, mit Darbuka, einer Art Handtrommel) und Köln (Öğünç, Trommel mit netter Beschriftung, siehe unten, und Gitarre), wobei die letzteren beiden gesungen haben und der Herr aus Köln uns die Texte und Lieder näher gebracht hat: "es geht bei uns immer um Freiheit, Ferne und Fische". Das ganze eine Indie-Folk-Mischung mit orientalischem Einschlag, türkischen Texten und sehr tanzbar, habe mittlerweile vom acoustic festival selber die Setlist abfotografiert gesehen, denn leider konnte ich das nicht wirklich mitschreiben:

Selam
Bir Balik Olsam
(ich wünschte ich wäre ein Fisch - zweite Platte)
Binlerce insan
Nazare
(Stadt in Portugal, Freiheit, Wellen)
Dalkavuk
Hussamanoli
Abgh
(vermutlich: Ah! bu güzel hayat - ach, was ist das Leben schön - erste Platte)
Yalan

Zugabe - Fadime'nin dügünü (von Ferdi Tayfur?)

Als Kind hat der Sänger den Zugabensong gehasst (in der Türkei), jetzt (in Köln) findet er ihn gut und ließ uns teilhaben - inkl. der Beschreibung, wie man dazu tanzt: macht mal lauter kleine Kreise und fasst Euch am kleinen Finger und tanzt im Kreis. Gesagt getan. Auf dem Foto unten sieht es leer aus, sie haben es aber geschafft, die Leute nah an die Bühne zu bringen und beim letzten Lied wirklich diese Kringel zu tanzen. War ein bisschen wie Uschti Baba damals, auch was mit orientalischem Touch und absolut tanzbar. Es war schon ein kleines Konzept erkennbar ;-).

Zwischen Lied 2 und 3 haben sie irgendwas erzählt über tausend Menschen (vielleicht heißt der Songtitel das in übersetzt) und haben, damit die Leute in Stimmung kommen, ti amo gesungen und den Leuten gesagt, sie sollen schunkeln. Wurde gemacht. Oh Mann! Der Sänger erzählte auch, dass es kein Problem sei, dass sie türkisch singen, obwohl sie nur in Deutschland auftreten und man sie da nicht unbedingt versteht. Aber sie erzählen worum es geht und sie bauen viel "nanana" ein, damit man trotzdem mitsingen kann. Stimmt ;-).

Die Herren haben Spaß gemacht und die Leute echt aufgetaut. Waren übrigens auch schon Vorband der österreichischen Band Wanda, falls das jemandem was sagt.

Gespielt haben sie von 18:12 h bis 18:55 h.

Danach dann wieder etwas ruhigeres - zumindest zu Beginn: Wieder eher Singer/Songwriter: Brigitte Handley aus Australien (wohnhaft in Köln) mit ihrem Solo-Projekt; sonst Sängerin der Band The Dark Shadows. Eher Indie, melancholisch, dunkel (mein Beuteschema ;-) ), sehr tiefe Stimme, beeindruckend. Die ersten beiden Songs fand ich etwas schwierig, vor allem das zweite, das eher Sprechgesang war, danach hat sie aber mächtig aufgedreht. Hat mir sehr gut gefallen - dennoch hätte ich von der Reihenfolge her die Dame hinter die andere Dame gesetzt und die Stimmungsmenschen lieber danach als Anheizer für One Eye Open, die im Anschluss aufspielten. Aber vielleicht hatte das ja auch einen Grund, Thema Spieldauer oder so. Aber gespielt hat sie von 19:04 h bis 19:40 h. Wäre also egal gewesen.

Naja, die Dame werde ich mir aber nochmal näher anhören. Insbesondere Emergency, The Boy from Berlin, Distant Mind und Blame (richtig gut, richtig laut) haben mir gut gefallen, auch ihre neue Single,deren Namen ich nicht weiß (constant voice inside, beating of your heart) fand ich sehr gelungen.

Songs:

gentle touch?
day meets night?
(Sprechgesang, leider etwas viel Gemurmeln, aber die Leute mussten wieder runterkommen)
Emergency
The Boy from Berlin
Distant Mind
Blame
neue single: Constant Voice..?

Wird im Februar mit Desperate Journalist unterwegs sein.

Weiter ging es dann mit der Haus- und Hofband One Eye Open aus Düsseldorf mit Mitveranstalter Tommy Kirchmann an den Drums/Percussion, Majo Gesang und Gitarre, Jules Booth an der Geige (und am Mini-Klavier), Heiko Wichelhaus, Gitarre/Mandoline, Melodika, Gesang . Von 19:57 h bis 20:50 h. Stilrichtung Indie-Folk. Und eigentlich immer Liebeslieder. Oder welche vom Tod oder so. Immer sehr unterhaltsam. Dieses Mal haben sie gem. Majo nur neue Songs gespielt, weil jetzt bald die neuen Platte kommt. Hmm. Das erste kam mir aber doch bekannt vor: she's coming from the sea. Doch, hat mir gut gefallen, war nicht so rappelvoll wie beim letzten Mal. Besonders schön fand ich zwischen Lied 8 und 9 den Dank von Tommy ans ganze Team, das dieses Festival erst möglich gemacht hat - sogar die Tochter hat am Merch unterstützt (leider dieses Jahr keine T-shirts, auch keine alten mehr, schnüff). Sehr rührend!!

Songs - soweit ich sie verstanden hab:

she's coming from the Sea
Beyond the shadow (?)
A funhouse Mirror
Blue wave against the ship (?)
Burning bridges
(das eine offiziell alte Lied) - mit Melodika und einer komischen Rohr-Trommel (siehe Bild)
Running through the rain / seven days?
into another world?
Believe the light in your eyes
One love.. dancing.. rooftop.. rain
way into the night
(mit Mandoline und im Publikum)

Sehr schön. Schade, dass es schon vorbei war, aber viele waren nun mal auch für den folgenden Gast da: Mike Peters aus Wales. Ich habe festgestellt, dass ich The Alarm zwar als Bandnamen kenne, aber keine Songs. Tommy hingegen war hin und weg, weil das eine der Bands war, denen er in seiner Jugend hinterher gereist ist und er war stolz und glücklich, Herrn Peters da zu haben ;-).

Nun, der Mann startete um 21:05 h. War optisch ein bisschen an den aktuellen Look von Mark Burgess (Chameleons) erinnert, er war sehr freundlich, hat sehr nett über eine Begegnung mit Freddy Mercury erzählt, wirklich witzig und unterhaltsam. Die songs waren gut, das einzige, das ich kannte, war eines von Big Country, denen er nach dem Tod des Sängers mal 4 Jahre als Sänger ausgeholfen hat. Tja. Aber ich bin zuversichtlich, die Songs zusammen zu bekommen, anders als bei one eye open wird man bei The Alarm doch hoffentlich auch mit Textfetzen weiterkommen? Naja, teilweise gelungen würde ich sagen. Und ja, er durfte tatsächlich eine Zugabe spielen ;-).

Also:

Marching on
it's alright/it's ok
thirteen dead reindeer
c'm down.. meet your miracle (?)
That's what I say (?)
spirit of '76
Rescue me
Strength
68guns
rain in the summertime
in a big country (Cover Big Country)
blaze of glory
One guitar
--
Heads down, hands up (?)

22:11 h.

Danach wurde es leer, was ein bisschen schade für die darauffolgenden Künstler ist, aber es ist dann auch schon verflixt spät, wenn der Star wirklich als allerletzter die Bühne betritt. So halt mal vorgezogen, aber wie gesagt,die Halle war danach vielleicht noch zu einem Viertel gefüllt.

Weiter mit Matthew and the Atlas aus UK ab 22:24 h bis 23:07 h. Puh, das zog runter. Sehr langsam, sehr getragen. Matt Hegarty, Gitarre und Gesang, zwei weitere Herren, Namen nicht wirklich herausfindbar. Folk, aber nicht so richtig Folk. Gitarre, großes rotes Cello oder Keyboard und ein Bass. drei Herren, Gesang immer irgendwie im Chor, zudem war der Sänger erkältet, was man aber nicht wirklich gehört hat. Es ging ihm nicht gut, aber er hat sich tapfer durchgekämpft. Das muss man ihnen lassen. Hätte ich nicht nachgeschaut, hätte ich sie eher nach Amerika verortet, ein bisschen americana, ein bisschen Jay Nash (der auch vor einer Weile mal da war), aber alles so deprimiert. Weiß nicht, lag vielleicht auch an dem gut gelaunten Mike Peters und den Stimmungsmachern von One Eye Open, dass das nicht so recht gepasst hat. War wirklich versucht nach Hause zu fahren, war aber neugierig auf Ezio - gut, dass ich noch gewartet hab. Aber das war irgendwie anstrengend, vielleicht auch, weil ich langsam ein bisschen platt war ;-).

Living in a dream (on a midnight street?)
help me turn the world around (?)
Palace
Elija
within the rose
When the light hits the water
(? es war was mit water)
out of the darkness
Old Master
Come out of the woods
(mit Banjo)
I will remain (oh, ein anderer Takt, immer noch Banjo)

Dann kamen die beiden Herren von Ezio, auch aus England, aber mal was ganz anderes, obwohl sie beide erstmal wirklich ernst geguckt haben. Ein kleiner italienisch aussehender Mann mit komischem Hemd und runder Brille und ein sehr, sehr großer Mann mit Jacket und Schal und kaputtem Fuß, der sich setzen musste. Hatte diverse Gitarren dabei und konnte damit auch sehr, sehr, sehr gut umgehen. Der Sänger ebenfalls mit Gitarre, aber eher so im Rhythmus-Geschäft. Ezio sind aus London (oder aus der Nähe): Ezio Lunedei und Mark Booga Fowell. Es gibt die beiden als Band schon seit 1990, erstaunlich, dass sie mir noch nicht begegnet sind. Sehr netter sound. Genau dieser war aber erstmal das Problem. Die Herren guckten streng, hatten gefühlt stundenlang Probleme mit der Lautstärke-Einstellung auf den Monitorboxen (was alle anderen hinbekommen haben, funktionierte scheinbar jetzt plötzlich nicht mehr - und wir waren müde! Geduld war nicht mehr so richtig viel vorhanden...). Und guckten grimmig. Und die Leute waren weg. Ohoh. Aber dann ging's los und es war super! Start dann endlich um 23:28 h. Super songs, super Gitarre, schwer beeindruckt. Die Band, die ich neben Frau Handley auf jeden Fall mal mitnehme aus diesem Festival. Die Witze waren trocken, zynisch und ab und an ein bisschen unter der Gürtellinie, hätt's jetzt nicht unbedingt gebraucht, war in Summe aber sehr ok, vor allen, weil Mr. Fowell dabei keine Miene verzogen hat ;-).

Also, ich versuche mich mit den Songs - es waren übrigens noch einige da, die die Texte konnten. Alle. Und die von der vorherigen Band auch ein bisschen genervt waren, weil sie dann auch langsam mal ungeduldig wurden. Nicht wirklich nett dieser Zwischenband gegenüber, aber was will man machen? Zum Glück sind die Geschmäcker unterschiedlich, was solche Festivals ja auch immer so spannend macht ;-). Und diese Band war wirklich klasse, das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Like a brandnew place (?)
30 and confused
can't let her go (?)
Indian

Hier gab es eine Einlage mit indischer Musik und nochmal klar zu machen, dass die anderen indians gemeint sind, die mit dem Pfeil und Bogen, nicht mit dem naja, Bollywood-Sound ;-) Und Ezio hat sich nochmal ausgelassen über den Genuss von Dönern, was in England gar nicht geht, bei uns aber ganz gut, allerdings nicht die aus Hähnchen, die sind für Feiglinge ;-) Man fragte sich manchmal, wie er von einem Teil der Geschichte in die nächste kam, schon witzig.

Das nächste sollte eigentlich ein Megahit werden, wurde es aber nicht. Sonst wären sie nicht hier und nicht zu der Zeit und überhaupt:. War übrigens ein Wunsch aus dem Publikum - und tanzen sollten wir auch noch, hier kam Herr Fowell als Vor"tänzer" zum Einsatz. Wurde tatsächlich umgesetzt. Ich glaube, ich war die einzige, die diese Band noch nicht gesehen hatte und trotzdem noch da war ;-).

further we stretch
We can't still be friends (?)
Back on the road again (?)
That's how she wants her lover (? Mermaid song?)
Shadow Boxers
Thin line
one day I'm gonna die (?)
- abwechselnd gesungen mit dem verbliebenen Publikum

Und das war's um 00:32 h. Keine Zugabe mehr - obwohl wir extra Kolrabi gerufen haben. Denn Ezio stellt sich unter einer Zugabe immer ein exotisches Gemüse vor und versteht Kohlrabi. Schade. Hat Spaß gemacht, war aber auch irgendwie ein langer Tag und mal wieder ein ganz ganz tolles Festival. Vielen Dank an Tommy, Chris und das ganze Team!!!

Hier noch die links auf die Seiten der aufgetretenen Bands:

Chris von der Düssel

Marie Rauschen

Pauly

Kent Coda

Brigitte Handley

One Eye Open

Mike Peters

Matthew and the Atlas

Ezio

Und hier noch ein paar Bildimpressionen:

Chris von der Düssel Marie Rauschen
Pauly Pauly
Kent Coda die Trommel von Kent Coda
Brigitte Handley Brigitte Handley
One Eye Open One Eye Open
One Eye Open Mike Peters
Matthew and the Atlas Ezio
Ezio

(c) bat 01/18