Bauhaus, E-Werk, Köln, 1998
Peter Murphy, Christuskirche, Bochum, 2016
Peter Murphy, David J, Christuskirche, Bochum, 2018


Bauhaus, 02.11.1998, E-Werk, Köln

Was soll ich sagen? Ich war beeindruckt. Ein Freund meinte: "Wenn Götter auf Erden wandeln". Mir etwas zu hoch gegriffen, aber zu einem "Wenn Legenden auf Erden wandeln" würde ich mich auch hinreißen lassen. Wow.

Von vorn. Bauhaus haben sich nach ihrem Wahnsinnserfolg in Amerika doch noch zu einer Europa-Tour hinreißen lassen und waren im Rahmen selbiger hier in Deutschland in Berlin, Hamburg, Köln und München. Ich hab dann halt mal Köln genommen, bot sich auch aus dem Grunde an, weil ich zur Zeit grade hier wohne und zu etwas muß das ja gut sein ;-)

Das E-Werk war relativ schnell gefunden, Leute auch. Viele kannte ich vom Sehen, einige hatten schon am Wochenende und weit davor angekündigt, daß sie auch da sein würden, daß man sie aber trotz der Menschenmenge so gut finden würde, hatte ich nun doch nicht gedacht. Auch eine verloren geglaubte Schulfreundin, die Mitte der 80er Jahre von Dortmund nach Köln gezogen war und von der ich telefonisch das letzte Mal etwa 91 was gehört hatte, tauchte ausgerechnet auf diesem Konzert wieder auf. War schon irre ;-) Das Reinkommen in diese Halle übrigens auch. Sie haben zwar relativ pünktlich um 19:00 h ihre Tore geöffnet, aber diese Tore waren eher Törchen, jedenfalls dauerte es ewig, bis wir drin waren und wir standen schon relativ günstig, als es losging. Egal. Los ging's etwa um 20.00 h mit Musik vom Band, die mir persönlich sehr gut gefiel, hatte ziemlich viel von Dead Can Dance. Nach Aussage derjenigen, die sich Bauhaus am Freitag schon in Hamburg angesehen hatten, war die Musik im übrigen dieselbe. Ich bin dann irgendwann mit zwei Bekannten auf die Empore verschwunden, um sie wenigstens mal zu sehen, die Herren von Bauhaus, die lebenden Legenden, sozusagen. Den oben erwähnten Freund habe ich direkt vor der Bühne bei seinen Göttern zurückgelassen ;-) Im Gewühl hab ich da immer eher schlechte Karten. Und ich muß sagen, ich stand echt optimal, direkt frontal vor der Bühne, so daß ich sie alle sehen konnte, ebenso die Show die sie - oder viel mehr - die Peter Murphy abzog(en).

Das Konzert startete um 20:45 h mit einem Intro, der Vorhang vor der Bühne öffnete sich, und da war die Band, gruppiert um einen Videomonitor, der auf einer schwarzen Säule in der Mitte der Bühne stand. Beleuchtet wurde die ganze Bühne - in schwarz gehalten - nur sehr indirekt, höchstens erhellt durch weißes Scheinwerfergewitter, das auch das Publikum mit einschloß. Auf dem Monitor, von unten beleuchtet, das Gesicht von Peter Murphy, der aus einem Nebenraum das erste Lied sang. Sah absolut irre aus, gespenstisch. Generell wurde die Bühne die ganze Zeit meist nur durch kurze Lichtblitze erhellt oder die Herren wurden von unten indirekt beleuchtet. Die Farben der Scheinwerfer waren meist weiß, ab und an nur blau, rot oder grün.

Peter Murphy betrat nach dem ersten Song die Bühne in einem schwarzen Anzug mit Weste und weißem Hemd - und beherrschte selbige vom ersten Augenblick an völlig. Irre. Er machte wilde Bewegungen, Verrenkungen, flatterte wie ein Vogel, stand einfach still und deutete mit einem Arm in die Luft, hopste wie ein Storch, tanzte, wirbelte seine Jacke.. wow. Während der ersten drei Lieder wurde zunächst die Jacke, dann die Weste abgelegt. Dann kamen zwei Jungs auf die Bühne mit einem großen schwarzen Tuch, sie spannten selbiges auf und Murphy zog sich dahinter um: ein silber/blaues Hemd aus Seide oder Samt, konnte ich von hinten nicht so gut erkennen und eine Hose, die ebenfalls wie das Hemd das Licht reflektierte. Dazu eine riesige Federboa, mit der er herumwirbelte und die auch Daniel Ash irgendwann um den Hals liegen hatte. Nach dem ersten Lied in diesem Outfit verschwand das Federungetüm aber wieder.

Bei einem weiteren song - der natürlich passenderweise von der Hölle handelte, war die ganze Bühne blutrot überzogen, Murphy saß erhöht neben den Drums auf einem Podest, von oben mit einem weißen Lichtstrahl angeleuchtet, dem er sich entgegenstreckte. Schon die Show war's wert. Er nahm häufiger kleinere Scheinwerfer in die Hand und beleuchtete sein Gesicht und das seiner Bandgenossen - ob die überhaupt noch miteinander reden?? - von unten, was eine wahrhaft gespenstische Wirkung hatte. Bei einem song, einer ganz langsamen Ballade, wurden Glühbirnen an Bindfäden vorn an der Bühne heruntergelassen. Die Bildfäden waren durch die nur leichte Beleuchtung der Bühne fast nicht zu sehen. Die Glühbirnen selber gingen eine nach der anderen an und wieder aus, Murphy nahm eine in die Hand, sie ging an, er ließ sie los, sie ging wieder aus. Hatte was von magischen Kugeln, wirklich absolut toll. Ash spielte zwischendurch Saxophon oder bearbeitete seine E-Gitarre mit einem Geigenbogen, Murphy spielte zwischendurch Harmonica, ansonsten turnte er auf der Bühne herum und zog alles in seinen Bann.

Um etwa 22:00 h, nach etwa 75 Minuten, war zunächst mal Schluß. Die Herren kamen nochmal zurück, wieder umgezogen, spielten zwei weitere Songs - jeder Song wurde übrigens schon nach den ersten Takten mit Jubelrufen empfangen, insbesondere natürlich She's in parties. Murphy diesmal in einen schwarz-weißen engen Pulli gezwängt. Sie verschwanden nochmal und kamen wieder, schwarz gewandet, mit einem Kerzenleuchter mit drei brennenden Kerzen, Murphy mit einem langen schwarzen Mantel. Und das Ende des Konzerts hieß natürlich Bela Lugosi's dead. Das Ende wurde symolisiert durch das Auspusten der Kerzen. Um etwa 22:15 h nach gut 90 Minuten war der Spuk vorbei, die Legenden wieder ins Reich selbiger verschwunden.

Ich fand's klasse, nur zu kurz, aber die Stimmung und die Show waren wirklich sehenswert - obwohl ich von Leuten, die in Berlin und Hamburg waren, gehört habe, daß sie dort länger gespielt haben. In Berlin waren es wohl etwa 120 Minuten, drei oder vier Lieder mehr als in Köln, in Hamburg waren es immerhin etwa 100 Minuten und ein Lied, nämlich Passenger, mehr als in Köln. Die Herren haben wohl schon keine Lust mehr zu touren... Naja, ich habe diese Vergleichsmöglichkeiten nicht und das ist vielleicht gar nicht schlecht, denn so kann ich sagen: genial, wenn auch zu kurz!

Die songs versuche ich noch nachzuliefern, da muß ich noch wild diskutieren, zur Zeit kann ich nur sagen, daß es etwa 15 waren, inklusive Zugaben.

© bat, 1998


Peter Murphy, Christuskirche, Bochum, 28.10.2016

18 Jahre ist es her, seit ich Herrn Murphy das letzte Mal gesehen habe, bisschen her, bisschen anderes Venue, aber im Fazit immer noch gleich: der Mann hat eine irre Bühnenpräsenz und das Konzert war zu kurz ;-).

Dieses Mal nicht mehr mit Bauhaus sondern schon seit langem solo unterwegs, sollte das Konzert ein halb-akustisches werden (Stripped-Tour, best of). Immerhin unterstützt von zwei sehr genialen Musikern, einer mit Gitarre und diversen anderen Saiteninstrumenten, einer mit Geige, wirklich genial. Leider hab ich nicht rausfinden können, wie sie denn hießen, Peter hat sie zwar vorgestellt, die Namen sind aber irgendwie nicht hängen geblieben, sorry dafür! Die Performance der beiden hat mich dafür umso mehr beeindruckt.

Start um 20:30 h. Peter Murphy im dunklen Anzug, Jacke doppelt geknöpft, ein bisschen wie eine Seemannsjacke, dunkle Hose. Nahm auf einem Stehhocker Platz. Links die Geige, rechts die Gitarre. Das Publikum - sehr gemischt, eher schwarz gekleidet - schwieg erwartungsvoll. Start mit einem eher ruhigen Song, eher Sprechgesang als Gesang, Cascade. Das ganze eher ruhig vorgetragen, ohne große Gesten. Oha?! Dachte mir, dass das eher schwierig werden könnte mit dem Konzert, wenn das so weitergeht. War aber bei Song zwei sofort beruhigt: er kann noch singen, die Stimme wird gefühlt mit zunehmendem Alter immer besser und besser, wirklich Wahnsinn: All night long. Danach Indigo eyes und Marlene Dietrich's favourite poem. Der Mann - der irgendwann seine Jacke auszog und ein komisch glänzendes, das Licht reflektierendes dunkel gemustertes Hemd darunter an hatte- ist immer noch schlank, androgyn irgendwie und macht immer noch diese irren Dinge und Gesten mit seinem ganzen Körper und seinen Armen und beherrscht einfach das Geschehen. Unglaublich. Wo ich doch am Anfang, als er saß und eher sprach als sang, dachte, ok, auch Herr Murphy ist älter und ruhiger und gesetzter geworden. Nein, er weiß immer noch songs zu inszenieren, sich in Szene zu setzen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Wow. Und da man ihn sowieso schon immer irgendwie mit Bowie verglichen hat, der leider im Januar dieses Jahres verstorben ist, hatte Murphy einen Tribute-Song im Gepäck: The Bewlay Brothers. Kannte ich nicht, hätte genausogut von ihm sein können. Wow. Weiter dann mit A Strange Kind of Love und einer wirklich richtig genialen Geige! Bin sehr traurig, dass ich mir nicht gemerkt habe, wie dieser tolle Musiker heißt. Dann gab's ein neues Musikinstrument, Schellen. Richtig, King Volcano (Bauhaus), irre! Gefolgt von Kingdom's coming, ebenfalls Bauhaus. Danach Never Fall out und Gaslit. Zum Schluss des Hauptsets noch "the title track from the last album": Lion. 21:27 h. Er kam zum Glück nochmal wieder und hat noch vier Songs gespielt: All we ever wanted was everything (Bauhaus), dann ein sehr, sehr schönes instrumentales Duo für Gitarren, den Titel weiß ich leider nicht. Murphy kramte dann eine Melodika raus, die Gitarre wurde kurzerhand zur Geige (wie vorher die Geige schonmal zur Gitarre wurde): Hollow Hills (Bauhaus). Zum Schluss wurde nochmal der Drumcomputer angeworfen: hatte was Magisches: shadows, pain, river: Your face. Schluss um 21:50 h. Viel zu kurz, auch vor dem Hintergrund des nicht grade niedrigen Ticketpreises, aber trotzdem war es jede Minute wert. Wahnsinn. Keine Ahnung, warum ich 18 Jahre gewartet habe, mir Herrn Murphy nochmal anzuschauen. Wird nicht wieder vorkommen ;-).

Hier noch ein paar Bilder - wie immer genial beleuchtet und in Szene gesetzt vom Christuskirchen-Team - auf deren Facebookseite übrigens auch noch einige richtig schicke Fotos:

(c) bat 12/2016


Peter Murphy, David J: 40 years of Bauhaus, Christuskirche, Bochum, 24.11.2018

Der Plan war - wie in letzter Zeit bei so vielen Künstlern, eine alte Platte wieder zum Leben zu erwecken, live und in Farbe sozusagen. Hier war es das Bauhaus-Debut-Album In the Flat Field, erschienen Ende 1980.

Bevor es aber soweit war (im übrigen war es ausverkauft) und wir uns Peter Murphy, David J und die beiden tollen Musiker Marc Slutsky an den Drums und Mark Gemini Thwaite (den man vielleicht von The Mission kennt oder doch noch von Gary Numan letztes Jahr? - Gary war übrigens gleichzeitig in Krefeld heute, nur scheinbar mit einem anderen Gitarristen...) an der Gitarre losgehen konnte, gab es tatsächlich eine Vorband: Desert Mountain Tribe

Start der drei Jungs aus London (Jonty Balls, Gitarre und Gesang, Philipp Jahn, Bass, Frank van der Ploeg, Drums) um 20:00 h mit einem leider eher schlechten Sound, der Gesang war deutlich zu leise, was auch erklärt, dass ich keine Ahnung habe, was denn wohl das erste der insgesamt 9 songs gewesen sein könnte, weil ich kein Wort verstanden habe, das darüber hätte Aufschluss geben können. Gespielt haben sie bis 20:46 h. Ich würde es als Hard-Rock mit leichten Goth-Einschlägen und viel Getrommel beschreiben wollen - man selber nennt noch Space Rock, was immer das genau auch sein mag. Die Sache mit der Setlist vergesse ich mal, ich hab nicht genug verstanden, um daraus sinnvoll Songtitel ableiten zu können - die Liste eines der ehemaligen Konzerte auf setlist.fm scheint zumindest nicht recht zu passen. Ich fand's anstrengend, den Leuten hat's aber gefallen, es gab sogar Standing Ovations.

Peter, David, Marc und Mark starteten dann um 21:15 h mit der Abarbeitung der ersten Bauhaus-Platte. David J mit Sonnenbrille und unbewegter Miene, Peter dieses mal mit schwarzem Glitzerjäckchen und Ziegenbart. Der Mann, der auf der Bühne die Show macht. Die Platte wurde entsprechend dem üblichen Vorgehen heutzutage in gleicher Reihenfolge zum Besten gebracht:

Double Dare
in the Flat Field
A God in an alcove
Dive
Spy in the cab
Small talk Stinks
. (Megaphon)
St. Vitus Dance
Stigmata Martyr
- Jacke weg, Mikroständer als "Kreuz" mit interessanten Lichteffekten mit dem Kreuz hinter der Bühne
Nerves

21:50 h.

Ich bin ehrlich, zu diesem Zeitpunkt hab ich mir so gedacht, dass mir das letzte Peter Murphy Konzert vor 2 Jahren deutlich besser gefallen hat und ich vielleicht doch den parallelen Veranstaltungsvorschlag Gary Numan in Krefeld hätte umsetzen sollen. Ja, es war beeindruckend, aber ich kenne ich die Platte nicht "von früher", sondern bin Bauhaus glaub ich erst begegnet, als sie sich schon aufgelöst hatten. Sie sagten mir eher was als Einfluss von Bands, die ich gut fand oder ich kannte die "Hits", weil sie in den gängigen Clubs rauf und runter gespielt wurden. Ich fand diesen Teil des Abends daher interessant, aber etwas schwer zugänglich. Ging mir aber vermutlich alleine so, der Rest war sehr begeistert. Ich hingegen hatte beim zweiten Teil des Abends, der Aneinanderreihung der Bauhaus-"Hits" deutlich mehr Spaß und war dann auch wieder davon überzeugt, mir den richtigen Künstler für den heutigen Abend ausgesucht zu haben ;-).

Los ging's mit King Volcano, weiter mit Kingdom's Coming. Hier wurde dann erstmals die Band vorgestellt (also Marc und Mark) bevor es mit dem großartigen Burning from the Inside weiterging. Danach Silent Hedges, sehr schön und natürlich Béla Lugosi's Dead, das eigentlich mit auf die in the flat field-Platte gehört hätte. Peter mit passendem roten Schal und einem Instrument, das Saiten hatte, elektronisch war und irgendwie wie ein Notenständer ausgesehen hat. Danach She's in Parties (Peter an der Melodica, ich glaub zwischendrin hat er auch mal getrommelt, bin aber nicht sicher, ob es dieser Song gewesen ist). Weiter noch mit Adrenalin und The Passion of lovers. Ende um 22:30 h. Zugaben: zunächst nur begleitet von Mark an der Gitarre The Three Shadows Part II, danach mit allen anderen zusammen Severance (DCD-Cover). Peter beendete die Zugabe dann vorzeitig, hatte die ganze Zeit schon Halsprobleme. 22;43 h. Das Licht ging an, die Hintergrundmusik setzte ein, wir waren schon dabei, leicht traurig aufzubrechen, als er doch nochmal zurück kam und Ziggy Stardust (Bowie) als letztes Lied spielte, sehr sehr schön. Schluss dann um 22:49 h.

Der Mann hat auf der Bühne eine unglaubliche Präsenz, David J wirkt dagegen unbewegt mit immer gleicher Mimik, die anderen beiden, insbesondere der Gitarrist, nehmen sich eher zurück, so dass die Show alleine Murphy gehört. Wir haben noch überlegt, ob er nicht auch jemand wäre, den man mal auf einem Festival anschauen könnte, so wie beim nächsten New Waves Day in Oberhausen Peter Hook, aber nein, der Mann braucht die Bühne für sich allein. Wirklich toll, insbesondere der zweite Teil des Abends. Ich freue mich sehr auf weitere Konzerte von Herrn Murphy, gerne auch wieder in dieser Zusammenstellung, aber vielleicht einfach ohne dieses "Heruntergenudel" von alten Platten in gleicher Reihenfolge :-).

(c) bat 12/18