Foto von Keith Caputo Keith Caputo, Zeche, Bochum, 25.09.1999

Keith Caputo, ex-Sänger von Life of Agony, sollte solo im Studio der Zeche Bochum auftreten und ich hab mich überreden lassen mitzugehen. Gut, daß ich das getan habe. Es waren etwa 70 Leute dort, obwohl keine große Werbung für dieses Konzert gemacht worden war. Im umgebauten Studio (okay, ich war schon länger nicht mehr dort ;-) ) standen auf der Bühne ein Sessel, ein Sofa, ein Beistelltisch dazwischen mit so einem Glasfaserwedel, der sich dreht und die Farben wechselt, sogar mit Ufo- Sockel, typischer 70er-Kitsch, der ja jetzt wieder voll in zu sein scheint. Neben dem Sofa noch ein Tischchen mit einem Kerzenständer und drei Kerzen. Neben dem Sessel viele Bierflaschen, dazwischen ein Wasserkasten. Hatte was von einem Wohnzimmer, außer, daß vor den beiden Sitzmöbeln Mikrophone standen.

Um 9 ging's los. Keith Caputo und sein Begleiter, beide aus New York, betraten die Bühne mit Gitarren und Rucksäcken, packten erstmal aus, setzten sich, Keith meinte: Hi I'm Keith, this is (ich glaube es war) Gregg, come and sit down on stage. Die Leute, die direkt nach vorn gestürzt waren, als die beiden die Bühne betraten, folgten auch diesem Aufruf ohne zu zögern und bald war die Bühne von sicherlich 20 oder noch mehr Leuten bevölkert, die Keith und Craig zu Füßen saßen. Die anderen standen dicht davor, war echt eine familiäre Atmosphäre.

Die Songs, die folgten, würde ich in das Genre Rock stecken, melancholisch, wütend, alle handelten von Dingen, die Keith beschäftigten, er sang über seinen drogenabhängigen Vater, über seine Mum, die an einer Überdosis gestorben war, als er noch ein Kind war (Brandy Duval). Er spielte 10 songs, bei den Namen mußte ich nachträglich etwas raten, einige hat er zwischenzeitlich auch genannt. Ich bin fast sicher, daß er die folgenden songs gespielt hat (Upsy Daisy und Lollipop von der kommenden CD waren vermutlich diejenigen, die er nicht gespielt hat. Wer auch dort war, möge mich korrigieren!): Just be, Selfish, Neurotic, Dew Drop Magic, Home, Brandy Duval (Übrigens auch der Name seines neuen Solo-Projektes, weil seine Mum, die mit Spitznamen Brandy hieß und deren Mädchenname Duval war, immer seine Inspiration gewesen war und auch zukünftig sein wird), Razzberry Mockery, Honeycomb, Cobain (Rainbow Deadhead) . In letztgenanntem Song geht es um Leute wie Jim Morrison, Janis Joplin und eben Kurt Cobain, die es nicht auf die Reihe bekommen haben, mit ihrer Berühmtheit umzugehen: zu unterscheiden zwischen der Person, die sie sind und der Person, die die Medien aus ihnen machen (barbie syndrom nennt Caputo das). Als Zugabe, als er eigentlich schon gar nicht mehr durfte: New York City. Ihre Klamotten hatten sie schon nach Song 10 eingesammelt und Keith kam zur Zugabe schon in Jacke und ohne Gitarre.

Ich hab keinen Vergleich zu Life of Agony, glaube aber, daß die Musik für die sehr melodiöse Stimme von Keith viel zu heftig war, Lärm halt ;-) Hey, der Mann kann echt toll singen, laut, leise, man hört, was er gerade singt, ob er schöne oder scheußliche Sachen zu erzählen hat auch ohne, daß man den Text kennt oder versteht.

Keith selbst sagt in einem Interview (oder offenen Brief an seine Fans), daß er in der letzten Zeit eine schwere Zeit durchgemacht hat, daß er auf der Suche war, sich viel mit östlichen Religionen und Philosophien beschäftigt hat und daß er die Dinge, die ihn beschäftigen am besten solo ausdrücken kann, was er im Folgenden auch tun wird.

Keith, der mittlerweile in Amsterdam lebt, hat mich wirklich überzeugt. Er selbst spielte bei den meisten Songs Gitarre (6-string), sein Kollege Gregg ebenfalls (8-string), beide Gitarren akustisch, toll. Er ist einer der begnadeten Leute, die nicht nur singen können, sondern die zusätzlich auch eine Mimik haben, bei der es sich wirklich lohnt, sich nicht nur die Platte anzuhören sondern ihn auch live anzusehen ;-) Er kann seine Augenbrauen einzeln hochziehen und seine Miene drückt genau das aus, was er gerade erzählt in seinen Songs. Er war voll bei der Sache, klasse! Sobald er allerdings zwischen den Strophen Gesangspause hatte, grinste er wie ein Lausbub entweder Gregg oder Leute aus dem Publikum an. Erzählt hat er auch zwischendurch - und das gesamte Bier an das Publikum verteilt ;-) Hatte wirklich eher was von Privatparty.

Genauso spannend wie die beiden Jungs zu begucken, die sich auch was die Songs anging, immer wieder zwischendurch absprachen, war es aber auch, sich diesen Glasfaserwedel anzusehen, vor allem, nachdem Gregg seine angefangene Bierflasche auf den Tisch gestellt hat, die diesen sich drehenden Wedeln irgendwie im Weg stand ;-)

Am Ende dankte Keith nochmal seinem Publikum, das der Grund sei dafür, daß er jetzt dort sei wo er sei und schmückte das ganze noch aus - etwas pathetisch, aber sympathisch ;-) Die Platte, Died Laughing, wird aufgrund von Problemen mit der Plattenfirma erst im Januar 2000 erscheinen, obwohl die Songs schon im Kasten sind. Im Internet sind bereits ein oder zwei Hörproben, allerdings mit voller Instrumentierung, zu finden. In Japan kommt die CD auch eher raus, mit 2 Bonustracks.. wer also zuviel Geld hat ;-).

Wie gern hätte ich von gestrigem Konzert einen Mitschnitt, ich liebe Live- Konzerte mit akustischen Gitarren. War wirklich toll, nur zu kurz (weil ja nachher noch disco war... in der dann bis mindestens 00:00 h kein Schwein war ;-((( ).

Falls Ihr die Gelegenheit haben solltet, Keith Caputo bei euch in der Nähe erleben zu können und falls ihr auch gute - melancholische - Rockmusik mögt, kann ich euch nur empfehlen, die DM 20,- zu investieren und euch die gut 1 1/2-stündige Party anzuhören!

(c) bat, 1999

(c) Bild: roadrunner records

Hier noch einige Links:

Die offizielle Homepage von Keith - jetzt Mina - findet ihr hier.