Chuck Ragan and the Camaraderie - Northcote, Dortmund, FZW, 26.08.2015

Bärtige Männer rocken das FZW

Und wie! Wahnsinn!

Und das, obwohl ich vorher mit nix als wie Ärger und gar keiner Lust losgefahren bin und mich gefragt hab, ob ich nicht vielleicht doch lieber einfach wieder nach Hause fahren soll. Gut, dass ich es nicht gemacht hab, die Laune hat sich nach dem Konzert erheblich verbessert - nachhaltig ;-).

Ok, Start war zumindest anteilig ohne Bärte (mindestens beim Gitarristen bin ich mir auch nicht sicher, ob er sich überhaupt schon rasiert – sah noch sehr sehr jung aus). Northcote alias Matt Goud aus West-Kanada, Saskatchewan, wohnt aber jetzt auf Vancouver-Island. Diesmal mit Band. Bass, Gitarre, Drums. Ich hoffe, ich finde zu den von Matt genannten Vornamen auch noch die Nachnamen raus – und vielleicht bestätigt sich dann mein Verdacht, dass der Drummer irgendwie mit Matt verwandt ist – sah verdächtig danach aus.

Das Ganze hatte deutlich mehr Power und ein bisschen weniger Geschichten als beim letzten Mal, als Matt alleine ohne Band als Vorband von Dave Hause im Gloria unterwegs war. Hat mir damals schon ganz gut gefallen, dieses Mal aber fast noch besser, auch die neuen Songs haben mir ausgesprochen gut gefallen.

Start mit How can you turn it around, gefolgt von Counting down the days. Danach versuchte Matt Konversation, er freue sich, dass er im FKW ist und hat das FKW dann auch noch Deutsch versucht auszusprechen und hat sich ein bisschen gewundert, dass er in fragende Gesichter schaute...FKW, the venue. Ahhhh, das FZW. Verflixt, sagte er, als man ihn korrigierte, jetzt sei der ganze Moment versaut ;-). Bei dem nächsten Song, a thousand nights, hat er auch gleich seine Band vorgestellt: Stephen McGillivray an der Gitarre, Mike Battle am Bass und Derek Heathfield an den Drums (hmm, wohl doch nicht verwandt). Weiter mit einem neuen Song, dem Titelsong der im nächsten Monat erscheinenden Platte: Hope is made of Steel. Das nächste Lied hab ich leider noch nicht herausbekommen; die lyrics waren irgendwas mit in this lonely town, Hilfe sehr willkommen. Den nächsten Song hat er alleine gespielt, hat sich aber erstmal wieder reingeritten: er wäre auf seinem ersten Deutschland-Konzert in Stuttgart von ein paar Jahren vorher noch in einem Pub gewesen und da hätte auch Dortmund gespielt (nicht, dass er mit Fußball irgendwas am Hut hätte, er kennt nur Hockey). Seitdem ist er Fan (is klar!) und das blaue (!) Hemd, das er anhat, sei sein BVB-Trikot. Gar nicht gut, hat er dann auch sehr schnell erkennen müssen ;-).

Dann Überleitung zu einem ernsteren Thema. Er sei erst in den letzten Tagen irgendwo aus Österreich hergekommen auf der Autobahn und hätte irgendwo,– vielleicht bei München, er wusste es nicht mehr und es ist auch egal – eine ganze Menge Leute am Straßenrand liegen sehen mit Handschellen – Flüchtlinge, die wohl über Schlepper versucht hätten, illegal einzureisen und die geschnappt worden sind;  schlimme Situation, er bekommt das Bild nicht aus dem Kopf und kann nur für Akzeptanz und Toleranz werben; jeder ist anders und keiner weiß, wie es ist, der andere zu sein. Wichtiges Thema vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung vom unmöglichen Benehmen mancher Leute Flüchtlingen gegenüber, die natürlich auch den ausländischen Besuchern nicht verborgen bleibt. Große Zustimmung natürlich aus dem Publikum, was nicht anders zu erwarten war. Wäre das doch nur überall der Fall; kann doch nicht so schwierig sein, die Leute einfach mal leben zu lassen, sich in deren Lage zu versetzen und sich nicht wie der letzte Idiot aufzuführen! Seine Heimat verlässt man nicht aus Jux und Dollerei oder weil man das Ziel verfolgt, jetzt doch mal endlich die Leute in - stellvertretend - Heidenau zu ärgern. Ist es aber wohl leider.

Danach dann - ich bin auch ein Immigrant, stellte Matt noch fest - Balls of rice. Das nächste Lied spielte er auch nur mit Gitarre bewaffnet: Invisible Diamonds – allerdings bekam er einen Chor, bestehend aus seinen drei Musikern – und dem Fahrer ;-). Sehr schön.

Weiter mit When you cry und einem neuen song, der auch auf der neuen Platte sein wird: Bitter end. An dieser Stelle wurden zwei nette Jungs erwähnt, die irgendwas Tolles gemacht haben (Namen hab ich leider vergessen) – und dass ja auch Andi von den Broilers im Publikum sei. Gesehen hab ich ihn nicht, eine Trommeleinlage gab es leider auch nicht. Aber war auch gar nicht nötig, denn zu This is our time kam Chuck mit auf die Bühne und hat gesanglich – und optisch – sehr schön unterstützt. Beim letzten Song – Good things never die – hat Matt noch zwei Fans über den Graben auf die Bühne gezogen und ihnen den Moment ihres Lebens geschenkt, sie sahen auf jeden Fall total geflashed (oder geflasht?) aus, dass sie auf der Bühne bei ihrem Idol standen und auch noch mitsingen durften. Konnten sich nach dem Ende um 21:00 h auch gar nicht so recht trennen ;-). Sehr sehr nett, obwohl ich mir stimmlich wie ja schon erwähnt auch North Alone als Vorband sehr gut hätte vorstellen können – und North hat's ja auch im Namen.

Hier noch der Link auf die homepage von Northcote: Homepage Northcote

Und die Setlist:

How can you turn it around?
Counting down the days
A thousand nights
Hope is made of Steel
"in this lonely town?"
Balls of rice
Invisible diamonds
When you cry
Bitter end
This is our time
Good things never die

Nun zum Hauptact – den Menschen mit den Bärten vor einem Hintergrund mit Bäumen: Chuck Ragan and the Camaraderie (dieses Mal Chad xxx, Bass, Jon Gaunt, Geige, Todd Beene, pedal steel guitar (sah aus wie ein Hackbrett) und George Rebelo (Hot Water Music), Drums). Fehlte nur noch das Lagerfeuer, dafür gab’s aber bestimmt extra den orangefarbenen Hintergrund hinter den Bäumen. Sehr Wildnis.

Start um 21:30 h mit dem Intro (Also sprach Zarathustra). Erster Song dann Something may catch fire gefolgt direkt von Revved. Weiter mit Vagabond (ist mir ja vom Titel her schon sehr sympathisch, insbesondere, wenn noch ein s hinten dran hängt ;-)). Gefolgt von You get what you give. Hier wurde das erste Mal lobend Chad erwähnt, der Bassist, der wohl für Joe eingesprungen ist, der sonst immer mit von der Partie ist (Aufklärung erst ganz ganz ganz am Schluss des Konzerts). Besagter Chad also hat wie ein wilder ganz kurz vor dem Konzert alle Songs gelernt und spielt sie als seien sie seine eigenen. Hat er wirklich - außer, dass am Schluss bei den Zugaben die Technik nicht mehr wollte, aber es lag nicht an ihm! ;-) Danach Rotterdam. Chuck erzählte dann, dass jetzt ein Liebeslied kommt, aber irgendwie auch ein Kampflied (love and fight). Er weiß nicht, ob es uns auch schon mal so gegangen ist, dass wir jemanden geliebt haben, von dem andere Leute der Meinung waren, dass man das mal besser lassen soll. Das ginge gar nicht, niemand dürfte jemand anderem vorschreiben, wen er zu lieben und nicht zu lieben hat. Und dann muss man halt manchmal dafür kämpfen. Non typical.

Weiter mit dem Whistleblowers song, Justice and fair shake und Meet you in the middle. Der Chor aus dem Publikum war hier sehr beeindruckend und noch schöner fand ich den Kniefall vor dem sehr, sehr tollen Violinisten mit dem definitiv längsten Bart auf der Bühne ;-). Hat mich wirklich schwer beeindruckt. Bei einem weiteren Song haben sie die Köpfe gegeneinander gelehnt und sind gemeinsam in die Knie auf den Bühnenboden gesunken um dann genau gleichzeitig aufzuhören Gitarre und Geige zu spielen. Sehr sehr toll. Schade, dass ich da nicht mit einer anständigen Kamera direkt davor im Graben stand ;-(. Solltet Ihr solche Konzertbilder (von anderen Künstlern) suchen, schaut bei Facebook mal bei rock'n'motion vorbei, einfach großes Kino.

Dann schlich sich leise der Rest der Band von der Bühne und nur Chuck blieb übrig, erzählte von Hot Water Music und den Konzerten von vor 20 Jahren, der tollen Unterstützung und wie wir alle sein und ihr Leben verändert haben. Hach, sowas zieht doch immer ;-). Dann kam auch ein Song von der alten Band: Drag my body. Sehr nett. Dann nur mit Geige (ich glaub hier war das mit den Köpfen): California Burritos. Das nächste dann nochmal alleine – so lange jedenfalls bis die Gitarre kaputt ging: Fixin' to die (ganz schönes Geschrei!). Chuck schnallte sich die Mundharmonika um, fing den nächsten Song alleine mit Gitarre an, die Band kam zurück und stieg ein: "Story about a girl" (muss ich noch finden den Titel, vielleicht Wake with you?). Weiter mit Bedroll Lullaby und Flame in the Flood. Im Anschluss hat er aus dem Publikum ein gezeichnetes Bild geschenkt bekommen und war ganz gerührt – was nicht geholfen hat, den Titel des nächsten Liedes anzusagen und an dieser Stelle muss es mal gesagt sein: er nuschelt oder schreit oder brummt, ich hab keine Ahnung, aber es ist verflixt schwer, eine vernünftige Liedzeile mitzubekommen, aus der man im Nachgang schlau wird und den Titel finden kann. Jung, das geht so nicht! Bzw. Anja, lern die Lieder! ;-) jedenfalls weiß ich es nicht, es war irgendwas mit Single light I have, zumindest hab ich das verstanden oder geraten (The boat?). An dieser Stelle wurde dann die Band vorgestellt und nochmal extra erwähnt, dass der Drummer ja derjenige welche von Hot Water Music sei. Weiter mit nothing left to prove und Gave my heart out, sehr schön. Dann wieder eines aus der Ich-nuschel-mir-ein-Lied-in-meinen-Bart-Kategorie, hab's aber gefunden: Right as rain. Hier jedenfalls durften einige Bandmitglieder mal zeigen was sie können. Sehr schöne Solo-Einlagen von Geige und Hackbrett. Weiter ging's (we'll play another couple of songs, ok?) mit Valentine und der 'Revange' von Matt, der den Song unterstützte, sehr sehr schön. Erstaunlicherweise war es nicht voll, ich war mittlerweile irgendwo in Reihe zwei fast direkt vor Matt bzw. Chad angekommen, komisch. Und die Leute waren auch so ruhig. Es wurde zwar ein bisschen gewippt und getanzt und mitgesungen, die Songs hätten aber durchaus mehr Bewegung zugelassen. Hatte ich nicht gedacht. Andererseits waren vor mir zwei Leute mit Flip-Flops, die so aussahen, als seien sie häufiger auf Chuck Ragan Konzerten, ich hätte mir also denken können, dass es nicht wirklich wild zugeht. Trotzdem seltsam.

Zum Schluss noch Nomad by fate (23:04 h).

Sie kamen wieder.

Zugabe 1 war ein Lied von Northcote mit Northcote-Band: Worry. Sehr, sehr schön! Zugabe zwei war For Broken Ears (mit Mundharmonika) und das letzte fand ich auch sehr schön: For goodness sake, hier erzählte Chuck, dass er ganz frisch Papa geworden ist (es ist ein Sohn) und dass auch sein eigentlicher Bassist Joe Ginsberg eine Tochter bekommen hat, die ihn vom touren abhält ;-). Sehr schöner Grund.

Damit war es das um 23:20 h. Rundum gelungen, auch die kleinen Gesangsaustauschprojekte, die Fans auf der Bühne, die Stories, alles drumherum sehr beeindruckend. Der Mann hat einfach eine irre Präsenz, noch deutlicher wenn er ganz alleine auf der Bühne ist, aber auch mit Band, er überstrahlt sie einfach. Bei der Violine nicht ganz so einfach, die beiden sind sich durchaus ebenbürtig. Hat mir als Vorband von Gaslight Anthem schon so gut gefallen und hat sich hier fortgesetzt. Ich mag ihn allerdings live deutlich lieber als von CD, da ist es nach einer Weile einfach genug. Live, immer wieder, gerne, in jeglicher Kombination und ich würde es lieben, endlich mal die Revival Tour zu erleben, bitte mit Brian Fallon, Dave Hause und sehr, sehr gerne mit Tim McIlrath von Rise Against ;-).

Und nochmal die Setlist:

Something may catch fire
Revved
Vagabond
You get what you give
Rotterdam
Non typical
Whistleblowers Song
Justice and fair shake
Meet you in the Middle
Drag my body (Hot water music)
California Burritos
Fixin' to die
"Story about a girl" (Wake with you?)
Bedroll Lullaby
Flame in the flood
"single light I have" (The boat?)
Nothing left to prove
Gave my heart out
Right as rain
Valentine
Nomad by fate
---
Worry (Northcote)
For broken ears
For goodness sake

Hier noch der Link auf die Seite: Homepage von Chuck

Bild von Northcote Northcote - Matt Goud
Northcote - Matt Goud
Chuck Ragan
Chuck Ragan and the Camaraderie
Chuck Ragan und Jon Gaunt Chuck Ragan
Mike Battle, Matt Goud, Chuck Ragan Chuck Ragan und Stephen McGillivray

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