The Cure, Arena, Oberhausen, 28.04.2000

Dies sollte also die Abschiedstour von The Cure sein und ihr Abschlußkonzert in Deutschland. Also auf zur Arena Oberhausen, um die Herren nochmal zu bewundern - ob es wirklich das letzte Mal war? Abwarten. Da sind schon ganz andere wieder aus der Verenkung aufgetaucht, in die Cure noch nicht mal ganz verschwunden sind. Ich sag nur Bauhaus oder Chameleons. Läßt doch hoffen.

Die Arena. Nicht gerade größenmäßig das, was ich mir unter einem schönen, gemütlichen Konzert vorstelle: sie war zwar nicht ausverkauft, aber so etwa 15.000 Leute werden es wohl dennoch gewesen sein... zum Glück war die Halle gut klimatisiert und zu voll war es im Innenraum auch nicht. Dafür sorgten etwas skurrile Methoden, die an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gemahnten: Uns wurden am Eingang die Karten abgenommen, immer wenn wir aus dem Innenraum nach oben wollten zum Bier holen oder wegbringen, bekamen wir eine Karte zurück, mußten sie auf dem Rückweg wieder abgeben. Nun gut, es waren nur die im Innenraum, die auch wirklich reingehörten, aber hätten es Stempel nicht auch getan? Egal,(m)eine Karte hab ich am Konzertende jedenfalls auch so wiederbekommen, unverknickt, auch nett ;-)

Cure begannen um 20:10 h mit einem etwa 7-minütigen (Tape-)Intro, nur Nebel und bunte Lichter waren zu sehen, die Leuchtreklame an den Seiten ging auch erst nach der Hälfte des Intros aus.

Cure hatten ein etwa 3-stündiges Konzert angekündigt, ohne 'Pop'-Songs. Eine ungefähre Vorstellung von dem, was uns erwartete, hatten wir also durch diese Ankündigung und durch die setlists der vorherigen Konzerte, insbesondere aus Wien und Hamburg (die hinter uns einer netterweise seiner Begleitung erzählte).

Als Robert Smith und seine Mit-Cure-Mannen dann endlich auftauchten, war der Jubel groß. Hinter ihnen war eine Leinwand aufgebaut, unterteilt in 3 Teile, zwei schmale an den Seiten und ein größeres Mittelstück. Davor Stahlsäulen mit Scheinwerfern. Die Licht-/Bild- und Videoshow war schon echt klasse!

Nach dem Intro ging's los mit Out of this world, dem ersten Song der neuen CD Bloodflowers. Direkt gefolgt vom zweiten Song der CD, Watching me fall. Want schloß sich an. Diese schon fast sphärischen Klänge wurden entweder von tollen Scheinwerfereffekten, schönen Farbkombinationen untermalt oder durch passende bunte oder schwarz-weiße Dias, manchmal in der Mitte der Leinwand andere als an den Seiten. Einige Songs wurden auch untermalt durch kleine Videoclips, Feuer, brennende Kerzen, das Meer, Bäume und Wälder (ratet, welcher Song ;-) ), bilder gesehen wie durch ein Kaleidoskop, farbige 'psychedelische' Spiralen. Toll.

Nach Want folgte Fascination Street (Disintegration), schon fast außergewöhnlich fröhlich ;-) Danach Open von der Wish, Loudest sound und das schöne Maybe someday, letztere von der Bloodflowers, die ohnehin das Konzert dominierte.

Danach shake dog shake und Sinking (Head on the door). Bevor es richtiggehend fröhlich wurde, kam noch From the edge of the deep green sea. Und dann das bejubelte Inbetween Days - nein, nicht nur von mir ;-)

Ich fand das Konzert bisher wirklich schön, wie beschrieben, melancholisch, sphärisch, dicht. Aber der kleine Kick durch Inbetween Days hat mir wirklich gut getan...

Danach kam The Kiss von der Kiss me, kiss me, kiss me. Hintergrund: das Cover der CD. Der Sound war im übrigen klasse, Robert hörte sich auch immer noch an wie eh und je, keine stimmlichen Qualitätsverluste wie bei anderen 'in die Jahre gekommenen' Sängern..

Weiter dann mit Prayers for rain, One hundred years und End. Zurück zur Bloodflowers ging's anschließend mit 39 und dem Titelstück.

Ich muß zugeben, daß mir nach etwa 1 1/2 Stunden, 3 Songs und eine halbe Stunde vom offiziellen Ende entfernt, ein wenig die Lust abhanden kam. Ich hätte gern noch etwas peppigeres a la Inbetween Days gehört, um mal wieder aufzuwachen, mußte mich aber dann doch noch bis zu den Zugaben gedulden, die allerdings alles wieder wettmachten: Um 22:10 h, genau zwei Stunden nach Konzertbeginn ging's los mit dem ersten Zugabenset: There is no if..., vielleicht nicht der beste Cure-Song aber doch einer, der aus den anderen Stücken der Bloodflowers heraussticht (nicht, daß die anderen schlecht wären, nur .. siehe unter PS ;-) ) und fast modern klingt.
Danach Trust (Wish), Plainsong und Disintegration von der gleichnamigen Platte, beide wunderschön. Richtig genial wurde es dann beim Zugabenset Nr. 2: M, Play for today, Just like heaven und a forest, letztere beiden zwei meiner Cure-Lieblinge. Die Halle hat bei diesem zweiten Set so getobt wie nie zuvor - was nicht heißen soll, daß sie vorher gleichgültig gewesen wären oder nicht mitgemacht hätten. Nein, die Stimmung war insgesamt schon ziemlich klasse.
Cure kamen noch einmal zurück, blendeten ein schwarz/weiß-Bild einer Kirchenruine ein, weißes Licht und Faith. Wow.

Genau drei Stunden haben sie gespielt, haben tapfer durchgehalten...besser als ich glaub ich ;-)

Schön war's, obwohl ich mit ein wenig mehr Pep durchaus hätte leben können. Aber gut, das haben sie ja im Vorfeld schon 'angedroht'. Licht, Videos, Bilder waren genial auf die Songs abgestimmt, die Organisation war perfekt. Zu perfekt?
Wenn man nur dies eine Konzert gesehen hat, war's wirklich schön, im Vergleich zu den anderen aber wohl eher Standard; diejenigen, die schon mehr (bis zu acht!) Konzerte gesehen haben, meinte, Cure würden so gut wie gar nichts variieren, zumindest die ersten fünf songs und die Zugaben (außer Faith) waren immer gleich. Abweichungen gab's - geringfügig in Form von vertauschten Songs - immer nur im Mittelpart. Naja, ich hab nur eins gesehen, was den Vergleich schwierig macht ;-)

Ebenso perfekt, genau auf die Minute abgepaßt, das Ende nach 3 Stunden. Ich glaub, ich mag etwas chaotischere, individuellere und kleinere Konzerte lieber, was aber bei einem solchen Bekanntheitsgrad, wie Cure ihn nunmal haben, einfach nicht mehr geht. Manchmal ist Berühmtsein auch schade, zumindest für die Fans...

Aber falls sie wiederkommen, seh ich sie mir wieder an!

PS: Pictures of you haben sie nicht gespielt, obwohl es perfekt zu den anderen Songs gepaßt hätte... zu perfekt? Ob ihnen auch die Ähnlichkeit der Songs der Bloodflowers mit diesem song aufgefallen ist? ;-)

Dank an Michael und Karsten für die Songs und an Carsten fürs mitnehmen!

(c) bat, 04/2000