Cover Del Amitri - Waking Hours Del Amitri, Live Music Hall, Köln, 16.10.1998

Die Live Music Hall in Köln ist wirklich gut versteckt.. aber weil es nette Kölner gibt, die hilfsbereit Auskunft geben und weil irgendjemand Straßenkarten erfunden hat, findet man auch Konzertveranstaltungshallen, die nirgends ausgeschildert sind. Schon seltsam. Wenn es nun eine besonders kleine, unwichtige Halle gewesen wäre, hätte ich das ja noch verstanden, aber es passen sicherlich so um die 2.000 Leute da rein, aber naja, Köln halt ;-))). Die Live Music Hall-Betreiber haben ohnehin eine eher eigenartige Vorstellung davon, wie man Konzertveranstaltungen konzipiert - natürlich nur imho.

Das erste, was mich erstaunte , war, daß die Cucumber Men, eine Schreddel-Gitarren-Band aus halbwüchsigen Knaben, über die ich mich bei anderer Gelegenheit schonmal ausgelassen habe, weshalb ich dieses Mal Vergleiche, die irgendwie in Richtung Sterne oder Tocotronic weisen würden, natürlich von vornherein unterlasse ;-)Vorgruppe waren. Aber wenn man von Einslive gepusht wird, sollte das vielleicht doch nicht mehr so sehr verwundern...

Das nächste, was mich wunderte, war, daß im Anschluß an das Del Amitri-Konzert eine Depeche Mode Party stattfinden sollte. Nun gut, ich mag Depeche Mode, sehr sogar, aber so eigentlich paßt das ja nicht unbedingt so gut zusammen...auch die Kölner Stadtrevue wunderte sich über letztere Zusammenstellung und stellte das ganze dann einfach mal unter das Motto 'come together' ;-) Wie sich nachträglich herausstellte war das allerdings das letzte, an das die Music-Hall-Betreiber gedacht hatten...

Egal, es ging pünktlich, sogar überpünktlich, nämlich um 19:55 h, los mit den Gurkenmännern, von denen sich zwei mit nacktem Oberkörper präsentierten.. ich hab schon Schöneres gesehen.. aber wenn sie meinen ;-)) Die Herren schreddelten etwa 9 Lieder und 40 Minuten lang vor sich hin und ich muß zugeben, daß ich sie zwar nach wie vor eher nicht so toll fand, aber auch nicht ganz so schlecht wie beim letzten Mal in Essen.. lag wahrscheinlich daran, daß ich weit genug weg stand und die Texte nicht gar so deutlich hören konnte ;-))) Natürlich spielten sie auch ihren 'Hit' über den Vater der Freundin der Schwester des Bekannten, der Fußballtrainer gewesen sein soll..oder so ähnlich, etwas, das die Welt schon immer wissen wollte ;-) Nichts gegen deutsche Texte, aber das??? Vielleicht sind die englischen ja ählich dämlich - zumindest einige sind das sicherlich - aber irgendwie fällt es doch weniger auf ;-)
Sie stellten sogar unter Beweis, daß sie auch englisch können, indem sie einen gecoverten song zum Besten gaben (ich hab leider vergessen welchen,weiß nur noch, daß es was mit USA zu tun hatte). Um ihnen ein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: es waren auch Leute da, die geklatscht und gejohlt haben, einen hab ich auch mitsingen sehen (sorry, ich bin manchmal ein wenig gemein ;-))) )... aber es stand auch noch eine ganze Reihe an Leuten draußen vor der Halle. Zugaben gab's keine, um 20:35 h hatte es sich ausgegurkt. Zwischenzeitlich machten sie sich noch unbeliebt, indem sie verkündeten, daß sie das ja bei dieser Tour schon kennen würden: das Publikum sei immer sehr konzentriert.. Tja, bei Del Amitri dann nicht mehr, der Konzertbesucher mit Geschmack weiß eben, wann es sich lohnt, sein Desinteresse aufzugeben ;-))) (gemein sein ist schöhön) Nun gut, war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, ich war aber schon ziemlich froh, als es vorbei war ;-)

Um punkt 21:00 h starteten Del Amitri vor etwa 1.800 Leuten - ich hätte nicht gedacht, daß es so voll werden würde! Das Publikum war, ich schätze mal ab Anfang 20 aufwärts, alles quer gemischt. Ich hab auch 40-jährige oder älter gesehen mit Kindern so um die 14, 15 ;-) Schon witzig. Selbst Kölner Prominenz war anwesend in Form von Wolfgang Niedecken.

Del Amitri jedenfalls wurden von einem Witze-erzählenden Schotten angekündigt und starteten ihr Konzert mit The ones that you love get you nowhere (2). Weiter ging's mit High Times (1), gefolgt von Always the last to know (2) und einem absoluten Spitzensong, This side of the morning (1) von meiner liebsten Del Amitri-CD ;-). Dann kam eins, das mir auch ganz gut gefiel, das ich aber irgendwie nicht kenne.. jedenfalls sang Justin irgendwas von 'I can't see the future but I can... the past'. Wenn's einer kennt, für Tips bin ich dankbar ;-) Danach dann nach den ersten drei Tönen direkt lautes Jubeln und begleitet von einem tollen Chor spielten Del Amitri Here and Now (3). Genial war auch die folgende Ballade What I think she sees (4), die mir beim Anhören der CD irgendwie gar nicht so im Gedächtnis geblieben war. Sänger Justin wurde von hinten angestrahlt, das ganze Lied wurde rein akustisch präsentiert. Toll. Fast feierlich.

Weiter ging's dann wieder etwas schneller mit Just like a man (2), followed by When you were young (2). übrigens auf der CD sind die beiden auch hintereinander ;-) Dann wurde es wieder etwas neuer mit Driving with the brakes on, gleicher Effekt wie bei Here and Now: genialer Chor und Geschrei direkt nach Ton Nr. 3.
Danach wieder ein Song, den ich nicht kannte und den ich auch, nachdem ich zuhause meine CDs abgedudelt habe, nicht wiedergefunden habe (vielleicht ja doch auf der letzten? Oder als Zusatztrack auf der Best-of?): 'We've given all we could..' oder so ähnlich. Sprung zurück durch die Zeit zu meiner Lieblings-CD und zu Opposite view (1), ein Lied wirklich aus dem Leben ;-). Danach dann wieder zurück ins letzte Jahr mit Not where it's at (4), einem der imho besseren Songs auf der letzten CD und den Abschluß machte nach einer Stunde und 15 Minuten eine absolut irre Version von Stone Cold Sober, klasse aufgepeppt, instrumental verlängert, Ende furios mit Trommelwirbel und Spot on audience, wirklich klasse. Nur viel zu schnell vorbei, so daß die Dels natürlich nicht um eine Zugabe herumkamen.
Die dann auch folgte in Form von Some other sucker's parade (4), auch einem der originelleren Stücke der letzten gleichnamigen CD, von Move away Jimmy Blue (1), auch mit schönem Chor und von Be my downfall (2), für mich das absolute Highlight:
Nur Justin mit akustischer Gitarre, Percussions und dem Keyboarder, der Akkordeon spielte. Wahnsinn. Ein irrer Chor, hörte sich richtig gut an. Zwischendrin meinte Justin dann: 'the Kelly familiy', was natürlich gröhlendes Gelächter zur Folge hatte ;-) Mitten im Song versuchte er sich dann an einer neuen (?) Strophe, brach aber mittendrin ab und meinte, es sei schon zu lange her und überhaupt hätten sie das auch nicht geprobt ;-) (vielleicht die Maxi-Version? Wenn jemand was dazu weiß...). Und das war dann leider auch das Ende eines gelungenen Konzerts. Vielleicht deshalb so gelungen, weil ich mit sehr gemischten Gefühlen hingegangen war. Es endete jedenfalls um 22:35 h, pünktlich, wie ich befürchtet hatte, weil die Depeche Mode Party für 22:30 h angekündigt worden war. Schade, obwohl die Zugaben-Rufe auch mit angeschaltetem Licht und Musik vom Band nicht verstummten, war nichts mehr zu machen. Nur die Musik vom Band wurde noch lauter gedreht, auf daß sie die Schreie übertönen mögen. Näheres zu diesem seltsamen Ende weiter unten, vorher nochmal zum Konzert:

Eine sehr ausgewogene Mischung an Songs, was ich insgeheim auch gehofft hatte aufgrund der erst kürzlich erschienenen Best-Of CD. Insgesamt hab ich festgestellt, daß die Songs der Twisted, jedenfalls die Singles Here and now sowie Driving with the brakes on, wohl am bekanntesten waren. Hier johlte das Publikum bereits nach den ersten drei Tönen und der Chor war auch dort, wo ich stand - so Mitte hinten ;-) - noch sehr deutlich vernehmbar. Aber später hab ich dann festgestellt, daß auch die songs der ersten (dieses Tape, das es davor zu erwerben gab, laß ich mal außer Betracht, da hörte sich Del Amitri auch noch gar nicht an wie Del Amitri ;-) ) CD 'Waking hours' sowie der zweiten 'Change everything, change' textlich ebenso bekannt sind: der Chor bei Stone cold sober und be Be my downfall war echt klasse!!! Sowieso, sie peppten die songs der ersten beiden CDs live wirklich klasse auf und die Songs, die sie von den letzten beiden CDs gespielt haben, die mir persönlich nicht mehr ganz so gut gefielen, waren die jeweiligen Highlights und kamen live erstaunlich gut.
Als Live-Band sind die Dels wirklich zu empfehlen! Von wegen Langeweiler weil meist melancholische Texte! Allerdings war Justin ein wenig sprachlos, er hat sich nur zwischenzeitlich entschuldigt, daß er kein Deutsch kann, hat sich ein paar mal bedankt und einen einzigen Song angekündigt. Außer obigen Bemerkungen war irgendwie nichts zu hören...
Vor allem diese Ballade hat mir sehr gut gefallen, aber auch die schnelleren Stücke gingen richtig gut ab. Hätte ich nicht gedacht. Ich war von dem Konzert sehr positiv überrascht. Was mir allerdings weder auf den CDs noch live gefällt, ist, wenn Justin anfängt, so hoch zu singen, als wäre er ein verliebter Kater, der den Mond anjault. Hat er live zum Glück nur einmal gemacht (ich glaube am Ende von Here and Now). Auf den letzten CDs macht er's dafür leider häufiger ;-(

Dabei hat er eine wirklich nette Stimme und solche Verrenkungen sollte er sich lieber sparen ;-)

Das einzige, was ich den Dels wirklich übel nehme, ist, daß sie uns Nothing ever happens vorenthalten haben, das hätte als Zugabe wirklich drin sein sollen...

Nochmal zu den Live-Music-Hall Konzertkonzepten. Nun gut, daß ein Konzert pünktlich enden muß, weil irgendwelche Discoveranstaltungen für eine bestimmte Zeit angekündigt sind, mag ja noch angehen, hab ich auch schon häufiger erlebt. Aber daß sämtliche Zapfhähne zugedreht werden, daß die Leute aus der Halle gejagt werden mit dem Argument, daá man vor der Party ja noch putzen müsse (sogar unsere Jacken mußten wir abholen ;-( ) und daß noch nichtmal klar ist, ob man mit der Konzertkarte auch zur Party reingelassen wird oder nochmal Eintritt bezahlen muá, das hab ich bisher noch nicht erlebt ;-( So kann man Leute vergraulen. Ich wollte wirklich noch da bleiben und die Depeche Mode Party mitnehmen aber ich stell mich doch nicht wie blöd draußen eine halbe Stunde hin, um drauf zu warten, daß die gnädigen Herrschaften uns wieder reinlassen, noch dazu im Ungewissen, ob ich vielleicht nochmal blechen muß! Dabei hätten sie während der Umbaupause sicherlich noch eine ganze Menge an Getränken absetzen können und ich bin mir auch ziemlich sicher, daß ein Gutteil der Konzertbesucher einfach noch dageblieben wäre, und wenn es auch nur sei, um sich mit ihren Begleitern oder sonstigen Bekannten über das Konzert zu unterhalten. Wenn es sich irgend vermeiden läßt, hat diese Halle mich jedenfalls an diesem Abend gleich zweimal gesehen.

© bat, 1998

PS: die Zahlen hinter den Songs sind die entsprechenden CDs, von denen die Lieder stammen:
(1): Waking Hours, 1989
(2): Change everything, change, 1992
(3): Twisted, 1995
(4): Some other sucker's parade, 1997.