Logo echo and the Bunnymen Echo and the Bunnymen, Prime Club, Köln, 09.05.1999

Sie sind wieder da - gar nicht mehr so ungewöhnlich im Jahr eins der Revivals nach Bauhaus. Neben einer CD mit Namen What are you going to do with your life? haben sie auch beschlossen, wieder zu touren: Echo and the Bunnymen, gegründet irgendwann in grauer Vorzeit Ende der 70er. Gelesen habe ich, daß das Revival nichts mit Geld zu tun habe sondern damit, daß es sich zu viele Bands (britpop-mäßig) erlauben würden, die Bunnymen zu kopieren und sie seien tausendmal besser als jede Kopie...naja, hört sich jedenfalls besser an als zu sagen: uns ist das Geld ausgegangen ;-) Und wenn dann noch gute Musik dabei rauskommt, umso besser.

Das Konzert, von dem ich erzählen will, fand in Köln im Prime Club statt, am Sonntag, den 9. Mai.

Einlaß war um 20:00 h, es war noch relativ leer, ich hatte schon Bedenken, daß es so bleiben würde. Die Vorband, aus Frankfurt, Name Stereoblonde, begann um 21:00 h. Vier Jungs, knapp 20, mit H & M-T-shirts (bis zum Bauchnabel, hauteng, eines mit Aufschrift: Barbie is blöd, das andere mit Mainzelmännchen, das dritte hab ich nicht gesehen, aber der Typ hatte einen Hut), und ein Mädel, etwas älter, blonde, lange Haare, eine hellblaue 70er-Jahre Pailletten-Glitzerhose, sowie ein Oberteil aus dem gleichen Material, das aussah wie ein BH.

Die Stimme der Frau war klasse, die Musik war es leider nicht so: ich mag wie schon häufiger berichtet, keine Gitarren, die nur vor sich hin schreddeln und so einen Hintergrundbrei spielen. Man kann mit diesen Dingern auch Melodien spielen - wenn auch nicht ich, so doch andere. Diese Herrschaften aber eher selten. Schade. Potential haben sie auf jeden Fall - zumindest die Frau mit der tollen Stimme... wenn sie nur aufhören würde, zwischen den Songs zu reden und zu versuchen witzig zu sein. Das war es leider nicht. Naja, sie kamen aber ganz gut an, spielten bis halb 10 und wünschten viel Spaß mit den Bunnymen. Mittlerweile war es auch gut gefüllt - etwa bis zur Mitte der Bar, so um die 100, 150 Leute, würde ich schätzen.

Dann setzte eine kurze Umbaupause ein, es ertönte Musik - laut - aus den 60er oder 50er Jahren. Haben ginger rogers und fred astaire auch gesungen? Jedenfalls hörte es sich so an. Das englisch/amerikanische Pendant zu WDR4-Musik. Mit Streichern und Trompeten, immer schön abwechselnd mal ein Mann, dann wieder eine Frau. Rhythmen: samba, chacha, rumba. Sehr nett zum Auffrischen der Tanzstundenerinnerungen... aber sonst wirklich übel ;-((( vor allem, weil es kein Ende nahm. Wie gesagt, die Umbaupause war sehr kurz, danach passierte einfach nichts mehr. Ab und an mal ein bißchen Nebel, dann wieder nur dieses dämliche Gedudel. Nach etwa einer Dreiviertelstunde wurden die Leute geringfügig ungeduldig und fingen an zu pfeifen, zu klatschen. Nach etwas über einer Stunde, als das Band wieder von vorn anfing, fingen die Leute mit Buhrufen an. Verdient. Bis 23:00 h hätte ich ihnen gegeben, dann wäre ich gegangen. Um 20 vor 11 haben sie dann tatsächlich schon angefangen - und hatten zumindest bei mir sämtliche Vorschußlorbeeren eingebüßt. Das Konzert muß schon verdammt gut werden, damit ich diese Wartezeit verzeihe, hab ich zu meiner Bekannten gesagt. Kein Wort von Echo oder dem Veranstalter, warum es so lange gedauert hat, wieder ein Minuspunkt ;-(

Tja, Echo and the Bunnymen. Alt geworden ist er, der Ian McCulloch, auch nicht mehr ganz so schlank wie früher. Trat mit einer Sonnenbrille auf, die er auch nicht abnahm. Hab letztlich ein Interview mit ihm gesehen, auch dort mit Sonnenbrille...na gut, ist ja auch schließlich am 6.5. 40 geworden.;-)
Ansonsten war die Stimme toll wie immer - allerdings richtig gut zu hören nur bei den langsamen Stücken, den akustischeren. Bei den schnelleren, mit heftigem Trommeleinsatz war sie etwas zu leise. Das Konzert startete mit Kiss my lips (?), ging direkt gut ab, die Leute kreischten auch sofort bei den ersten Tönen auf. Ian selber fing nach jedem Song an, irgendwas zu erzöhlen, direkt in den Applaus hinein. Ich hab irgendwie nicht sonderlich viel davon verstanden, netter Accent, hätte auch chinesisch sein können.. zwischendrin hab ich mal irgendeine Geschichte von einem Hund und einer Kette um den Hals gehört, aber den Zusammenhang hab ich nicht mitbekommen.... als er aber gegen Ende des Konzerts mal nichts gesagt hat, fragte direkt jemand nach: no story? ;-) Das fand ich dann schon wieder witzig. Aus dem Publikum kamen auch immer wieder Zurufe, was sie denn spielen sollten. McCulloch hat das jedesmal als Ratespiel ausgelegt und seinen Kommentar dazu abgelassen, wie weit oder nah es von der tatsächlichen Songfolge entfernt war (cold, very cold... ).
Ansonsten: 14 songs, vier Zugaben, 1:40. Allerdings haben sie sich für die Zugaben verflixt lange bitten lassen, fand ich nicht gut in Anbetracht der Tatsache, daß es anfangs schon so ewig gedauert hatte. Der letzte Song hatte mehr was Erzählerisches, irgendwas hab ich auch von Firestarter gehört ;-)
Insgesamt war das Konzert wohl - wenn ich die Reaktionen der Leute richtig gedeutet habe - eine ganz gute Mischung aus alten, neuen und mittelalten Songs gemischt mit einigen Kultsongs wie Killing Moon. Letzteres bekam eindeutig den meisten Applaus.. ob das die Band wohl frustriert? Daß jahrzehntealte Songs bejubelt werden, während neuere zwar beklatscht, aber nicht so frenetisch gefeiert werden? Naja, müssen sie wohl mit leben, so als lebende Legenden.
Mir haben die alten Songs auch besser gefallen und die etwas ruhigeren, bei denen man Ians Stimme besser gehört hat.

Vielleicht bekomm ich die Songs noch raus, wenn, dann laß ich es euch wissen. Oder war gar jemand dort, der mir da weiterhelfen kann?

Alles in allem: nett. Dennoch: wenn ich diese Endlospause vorher auch nur geahnt hätte, wäre ich nicht gefahren, so gut wie das Konzert auch war.

© bat, 1999
© Bild: Echo and the Bunnymen


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