Hier gibt es folgende Aufführungen von Estampie in verschiedenen Variationen zur Auswahl:

Estampie, Theater der Klänge, Ludus Danielis, 11.12.1997

Estampie, Ondas, 09.05.2000

Estampie, Ondas, 18.05.2000

Estampie ..fin amor / music de la rose, 21.12.2001

Gregorius auf dem Stein (Theater der Klänge), 25.04.2004

Estampie, Marco Polo - Klänge der Seidenstraße, 21.01.2005

Al Andaluz Project, Bad Wildungen, 29.07.2006

Al Andaluz Project, Bochum, 01.11.2007

Klänge der Sehnsucht, 07.11.2008

Al Andaluz Project, Bochum, 11.05.2010

Al Andaluz Project, Bochum, 24.03.2012

Al Aldaluz Project, Bochum, 26.10.2013

Das Copyright der CD-Cover, hinter denen sich im übrigen ein Link zur Homepage von Estampie verbirgt, liegt natürlich bei der Band. Abweichende Copyrights sind angegeben.


Cover der Ludus Danielis  Estampie und das Theater der Klänge mit einer Aufführung  

      von 'Ludus Danielis', 11.12.1997, Johanniskirche, Düsseldorf

Am Donnerstag sind wir also nach Düsseldorf gedüst - man könnte auch sagen - tief geflogen - wir hatten Stau und Fußballspiel in Bochum nicht bedacht.. Um 20:00 h sollte es losgehen, bis 19:45 h waren unsere Karten vorgemerkt, wir waren genau um 19:45 h da - ich jedenfalls ;-) Meine Begleitung mußte noch einen Parkplatz suchen ;-). 'Ludus Danielis' ist eine Koproduktion des Düsseldorfer Theaters der Klänge mit Estampie aus München - die natürlich der Grund waren, weshalb wir dort waren ;-) Wir haben uns entsprechend so gesetzt, daß wir die Band sehen konnten, die links von der Bühne ihre diversen Instrumente aufgebaut hatte. Sieben Leute an der Zahl und rudelweise Instrumente, die während der Aufführung von links nach rechts und wieder zurück gereicht wurden. War absolut faszinierend ;-) Sicherlich war das Schauspiel an sich auch toll, aber mir hätte Estampie pur auch gereicht ;-))).

Zum Stück an sich: zunächst erschien ein Gaukler, der uns durch eine nette Geschichte in das Stück einführte. Daniel in der Löwengrube. Kurz gesagt, es fängt damit an, daß der babylonische König Belsazar den Sieg über die Juden feiert und dabei die geraubten Schätze zur Schau stellt, unter anderem auch einen heiligen Kelch. Plötzlich, während der Feierlichkeiten erscheint eine Hand, die 'Mene Tekel Pharis' an die Wand des Palastes schreibt, was den guten Belsazar doch sehr erschreckt. Das eigentliche Schauspiel ist pantomimisch und mit phantastischen, orientalischen Kostümen. Der Tanz ist ebenfalls eher orientalisch (das Programmheft sagt, daß man sich bei der Aufführung an einem handschriftlichen Text von ca. 1230 aus Nordfrankreich orientierte, daß die tänzerische Darstellung sich jedoch von der indischen Tanzdramaform hat inspirieren lassen). Nach jedem Akt traten - ebenso wie vor dem ersten Akt der Gaukler - verschiedene Personen auf, die die Handlung des vorhergehenden Aktes und auch die des folgenden Aktes - einschließlich der immer wiederkehrenden Gesten - erläuterten - auf ziemlich witzige und doch wenig an den Bibeltext angepaßte Weise ;-))) Dazu vielleicht gleich noch mehr, zunächst weiter in der Geschichte: Der König läßt, weil ihm sonst niemand die Bedeutung der Worte erklären kann und auch nicht deren Entstehen (der 'Gelehrte', der sich zwischen Akt eins und zwei, einschlich, erklärte das ganze physikalisch durch Lichtbrechung und Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel beim Heben eines goldenen Kelches und seine Reflektion der Sonne ;-) ). Er läßt auf Anraten der Königin den jüdischen Gelehrten Daniel, der bei ihm am Hof als Gefangener lebt, zu sich holen. Daniel erscheint, deutet das Orakel als Untergang des babylonischen Reiches (gezählt, gewogen, für zu leicht befunden. Das Reich wird geteilt und untergehen), was den König natürlich schockt. Daniel kann im Zuge der allgemeinen Verwirrung den Kelch, ein Heiligtum seines Volkes, an sich bringen und wieder verschwinden. Die Frau, die nun zwischen Akt zwei und drei erscheint, deutet das an der Wand erschienene "Mene tekel pharis" allerdings etwas anders, nämlich eindeutig zweideutig bezogen auf eine Liebesbeziehung zwischen der Königin und Daniel ('mene = babylonischer Dialekt für meine, tekel als Dialektwort für die jüdische Währung Schekel..da fehlt dann nur noch ein 'n' '... und pharis als falsch geschriebener Paris, Liebesgott, Spitzname der Königin für Daniel, ist doch klar!';-)) ). Im dritten Akt erobert tatsächlich Darius, persischer König, die Stadt,läßt Belsazar köpfen, macht Daniel zu seinem Berater, und verbietet andere Götter als ihn selbst anzubeten. Der nach diesem Akt erscheinende Gaukler, Händler was auch immer, läßt uns wissen, daß die Bibel zu diesen Vorgängen genau zwei Zeilen zu sagen hat: u.a., daß der Perserkönig Darius 62 Jahre alt war. Zur Erklärung, warum Darius nun ausgerechnet den Knaben Daniel zu seinem Berater macht, meint er nur: auch in der Antike hat es Männer gegeben, die gern Knaben um sich hatten und Tabus habe es erst später gegeben... letztere Aussage begleitet mit einem deutlich sichtbaren Klopfen auf die Bibel ;-))) Von der er meinte: na ja, das Buch der Bücher... aufgeschrieben nach mündlichen Überlieferungen in aramäisch, übersetzt ins griechische, dann ins lateinische, dann in was weiß ich noch, dann von der Luther-Bibel in die Fassung der deutschen Einheitsbibel - von Theologen mit moralischen und Machtansprüchen... kein Wunder, daß das Buch Daniel - ebenso wie die anderen Bücher nur noch ein paar Seiten umfasse ! Ganze Bibliotheken müsse es früher umspannt haben! ;-) Meine Begleitung - doch eher atheistisch veranlagt - grinste nur und meinte, wenn jetzt in der Kirche keine Risse auftreten würden, dann wisse er auch nicht mehr ;-))) Im nächsten Akt nun verschwören sich die neidischen persischen Fürsten und sagen Darius, daß Daniel weiterhin seinen Gott angebetet habe - was ihn direkt in die Löwengrube bringt, wo Daniel zu seinem Gott betet. Es erscheint der Prophet Habakuk (sagt das Programmheft - für mich hat er einfach ausgesehen wie ein dicker Händler ;-) ), der - von Engeln gesandt - etwas zu essen dabei hat und so kann Daniel die Löwen von sich ablenken und wird gerettet. Darius ist erstaunt und läßt seine Fürsten den Löwen zum Fraß vor- werfen, diese werden nicht errettet. Er will Daniel wieder zum Berater machen, dieser lehnt aber ab und steigt freiwillig wieder in die Grube (so hab ich's zumindest gesehen, das Programmheft sagt, daß Darius sich daraufhin zu Daniels Gott bekehren läßt).

Michael Popp, der für die Bearbeitung und die Musikalische Konzeption verantwortlich zeichnet, hat jedem Darsteller eine bestimmte Stimme bzw. ein bestimmtes Instrument zugewiesen. Besonders fasziniert hat mich ein junger Mann - ich nehme an, daß es sich um Tobias Pfülb handeln muß - der zwischen Syrah und Michael Popp gesessen hat. Er hat sowohl die beiden Könige als auch den Knaben Daniel gesungen. Erstere hörten sich fast an wie Alexander Veljanow, also ziemlich tief (nicht Baß, aber Bariton bestimmt) und letzterer fast wie Sigrid Hausen. Schon irre. Ich wäre beim Anhören der Ludus Danielis Platte niemals auf die Idee gekommen, daß das ein und dieselbe Person sein könnte. Faszinierend war auch das Zusammenspiel der Schauspieler und der Musiker. Estampie mußten sich ja ent- sprechend an das Geschehen auf der Bühne anpassen - schon deshalb würde ich mir die Sache nur mit Musik vom Band - wie in der nächsten Woche - nicht ansehen. Ich muß zugeben, daß ich das bunte Treiben auf der Bühne zwar ganz nett fand, daß ich aber viel häufiger zugesehen habe, wie die Instrumente, die ich zum Teil überhaupt noch nie gesehen habe, zwischen den Musikern von Estampie hin und hergereicht wurden und wer wen gesungen hat. Auch beim Applaus am Ende haben Estampie einen guten Teil mehr abbekommen als die Schauspieler, deren Mimik und Gestik dennoch faszinierend war.

(c) bat 1997

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Cover der Ondas  Estampie , Ondas, 09.05.2000, Bahnhof Langendreer, Bochum

"Estampie entzieht sich eindeutigen Etiketten und Zuordnungsversuchen, sie erfüllt weder die Direktiven des Pop noch die Ansprüche der Alte-Musik-Fraktion auf historische Abbildung. Sie ist eine klingende Phantasie über jene Chimäre, die man Mittelalter nennt."

Soweit Estampie über Estampie auf der neuen CD Ondas - Musik von Troubadours und Flagellanten.

Sie kombinieren also Alte Musik, sprich in erster Linie alte Texte mit neuen Musikelementen (zumal eine originalgetreue Aufführung ohnehin schwierig wäre, weil es im Mittelalter keine Noten gab - sagen Estampie), spielen aber ausschließlich auf alten, akustischen Instrumenten. Die Gesamtkonzeption des ganzen liegt bei Michael Popp, der auch die Musik zu fast allen Stücken der neuen CD geschrieben hat - oder sie zumindest neu arrangiert hat.

Im Bahnhof Langendreer beehrten die rund 150 - erfreulicherweise völlig gemischten - Gäste die folgenden Musiker:

Sigrid Hausen und Cornelia Melián:
Gesang, Flöte (erstere), Zimbeln (letztere)
Sascha Gotowtschikow:
Percussion
Ernst Schwindl:
Drehleier und Nyckelharpa, Trommeln und diverses
Cas Gevers:
Posaune/Zugtrompete
Michael Popp:
"Alle Instrumente, die die anderen nicht können", sprich alle möglichen und unmöglichen Sorten von Saiteninstrumenten, die annähernd einer Gitarre ähnelten, zusätzlich noch Harfe.

Schon allein die Bühnenausstattung mit den vielen, vorher zumindest selten gesehenen Instrumenten, war sehenswert.

Links ein Ständer, an den diverse Saiteninstrumente aufgehängt waren, vor diesem ein Stuhl für Michael Popp. Daneben, etwas weiter hinten auf der Bühne, Platz für Cas Gevers mit der Posaune/Zugtrompete. Hinten an der Bühnenwand eine riesige Trommel, die auch als Leinwand für verschiedene Dias und Lichtprojektionen diente - wenn sie nicht vehement bearbeitet wurde. Neben der Riesentrommel die Percussions ('Ethno-Schlagzeug') für Sascha Gotowtschikow, schräg rechts davor die Instrumente für Ernst Schwindl. In der Mitte der Bühne vorn die beiden Mikrofone für Sigrid und Cornelia.

Los ging es um 20:45 h mit dem Ondas-Symbol, das auf die große Trommel projiziert wurde und mit einem Lied über einen Sonnenaufgang: Reis Glorios (Text: Guiraut de Borneth (1140 - 1200)), leider gewürzt mit Rückkoppelungen, bei denen auch Sigrid, angetan mit einem rot/pinkfarbenen langen Kleid, darüber eine Art grauer Mantel aus dem gleichen Stoff, das Gesicht verzog. Am Ende des Liedes begrüßte sie uns und erzählte auch, daß der Sonnenschein wohl ab und an durch Gewitter unterbrochen wird, und daß auch wir Blitze erlebt hätten. Glücklicherweise waren das die einzigen Male, wo die Technik nicht so wollte, wie sie sollte. Im Anschluß kam Disse mi (Text: Cantiga de amigo, anonym, 14. Jhd.), Lied Nr. 2 der aktuellen CD. Sigrid Hausen wurde hier gesanglich unterstützt von Cornelia Melián. Ein wunderschönes Lied, wie alle, die diesen Abend präsentiert wurden.

Leider waren es nicht mehr als 150 Besucher, die dieses irre Schauspiel miterleben konnten, aber wie Connie vom Merchandise und Management bemerkte, war auch eine ganze Menge los in Bochum: In Extremo traten auf, ebenso And One und es lief irgendein Fußballspiel, bei dem Bayern eine nicht unmaßgebliche Rolle spielte - selbst wenn ich es nicht gewußt hätte, hätte die Moderation von Michael Popp mich spätenstens nach Fußballbezug Nr. 2 auf diese Idee gebracht ;-) Wirklich gleiches Zielpublikum und daher tatsächliche Konkurrenz zum Estampie-Konzert kann aber imho allerhöchstens In Extremo gewesen sein. Tja Leute, Pech gehabt, ihr wißt ja gar nicht was euch entgangen ist, und daher wird es Zeit, daß ihr es zumindest lest und euch ÄRGERT! ;-)))

Nach Disse mi begrüßte uns auch Michael Popp mit Hinweis Nr. 1 auf das Fußballspiel. Er kündigte das nächste Lied an, nämlich Unter der Linden (Text: Walther von der Vogelweide), das von einem Liebespärchen handelt. Was genau es getan oder nicht getan hat, wisse nur ein kleines Vögelein. Er übergab an die Sängerin Cornelia, die noch ein wenig über das Lied erzählte. Ein Gemälde mit einem Vogel wurde auf die Trommel-Leinwand geworfen und dann erzählte Cornelia die Geschichte von 'unter der Linden, an der Heide..'. Ich weiß noch, daß ich diesen Text damals in der Schule im Deutschunterricht durchgenommen habe von wegen Mittelhochdeutsch.

Nach dem Liebeslied erzählte Michael, daß nun eine Estampie käme. Die Estampie ist ein mittelalterliches Instrumentalstück (es gibt mehrere, nicht nur eine), ein Tanz, bei dem ähnlich wie 'heutzutage die Breakdancer', jemand in der Mitte vorgetanzt habe. Die Estampie, die sie spielten (Sigrid mit Flöte, Cornelia glaub ich mit Zimbeln), war jedenfalls die Estampie V, die auch auf der Ondas zu finden ist.

Der nächste Song war Nel mio parlar (Flagellantenstück aus Norditalien 14. Jhd.) : beide Damen sangen abwechselnd, leicht versetzt (auch optisch so dargebracht), ein eher ruhiges, wunderschönes Lied.

Danach gab's einen Song ohne Instrumente: alle auf der Bühne Mitwirkenden - die übrigens alle wenig mittelalterlich angezogen waren, bis auf Percussionist Sascha, der einen schwarzen weiten, steifen Rock und eine schwarze Weste trug (wie auf dem Bild im Inlay der Ondas - ob dies allerdings mittelalterliches outfit ist, weiß ich nicht zu sagen) - sangen a-capella. Wahnsinn! Titel: Quantos me creveren (Cantigas de Santa Maria, Alfonso X. el Sabio). Wirklich klasse. Alle standen im Halbkreis auf der Bühne, es war beeindruckend.

Danach setzte sich Sigrid, ebenso Cas, Cornelia erzählte vom nächsten Lied, einer Lauda (anonym, 13. Jhd.), in der Maria ihre Gefühle beim Anblick ihres am Kreuz hängenden Sohnes beschreibt: Voi ch'amate. Sigrid unterstützte Cornelia sozusagen als Background-Chor.

Überhaupt bildeten die beiden Damen, die für meine ungeschulten Ohren relativ ähnliche Stimmen haben, rein optisch einen ziemlichen Gegensatz: Sigrid mit langen, hellbraunen Haaren, einem roten langen Kleid mit Mantel, Cornelia mit schwarzen Hosen, einer schwarzen, durchsichtigen Bluse, kurzen dunkelbraunen Haaren. Und Michael Popp, mit mittlerweile etwas länger gewordenen Haaren, sieht aus wie der inkarnierte Barde schlechthin (oder sollte ich lieber Troubadour schreiben?). Und bei keinem dieser perfekt lateinisch/französisch/okzitanisch/althochdeutsch/ wasauchimmer-singenden Menschen hätte ich in jedem Fall diesen witzigen bayrischen Akzent vermutet, obwohl ich doch wußte, daß Estampie aus München stammen ;-)

Danach ging's arabisch weiter, sagte zumindest Herr Popp. Das meiste des Songs war instrumental, die beiden Damen unterstützten zwischenzeitlich mit einem gekonnten, orientalisch klingenden lalala.Saltarello, und zwar der Saltarello, der auf der Ave Maris Stella zu finden ist (Codex London BM add.29987).

Danach wurden wir dann in die Carmina Burana eingeführt und über das launenhafte Schicksal belehrt: absolut genial: O Fortuna. Hier haben allerdings alle mitgesungen, abweichend von der Version auf der Ondas, wo nur eine tiefe männliche Stimme den Gesang dominiert. Dennoch sehr schön, live durch die vielen Instrumente und die sympathische Ausstrahlung der Künstler ohnehin immer viel schöner als auf CD. Auch wenn die Qualität von letzterer besser sein mag, sieht man die Instrumente, die Musiker nicht und die Stimmung eines Konzerts kann eine CD einfach niemals wiedergeben.

Nach dem ersten Saltarello (wenn ich nicht irre, sind Saltarelli italienische mittelalterliche Tänze, der heutzutage bekannteste und am häufigsten von 'Mittelalterbands' wie Corvus Corax, Elster Silberflug, Oswald etc. gespielte dürfte derjenige sein, der sich auch auf der 'Aion' von Dead Can Dance befindet. Anonym, Italien, 14. Jhd.) ging es weiter mit Sigrid und einem getragenen Lied: Chanterai por mon corage (Guiot de Dijon, ca. 1190) von der Crusaders. Ein Lied über die besorgte Geliebte eines auf einen Kreuzzug ausgezogenen Ritters.

Und dann kamen für mich die absoluten Höhepunkte dieses Konzerts, wobei eigentlich jedes Lied für sich ein kleiner Höhepunkt war und man sich mit solchen Begriffen an diesem Abend wirklich schwer tat:

Michael Popp erzählte, dass sie nun zwei 'Genesis-Lieder' spielen würden, Schöpfungslieder von der Entstehung der Erde. Das erste Lied war das Wessobrunner Gebet. Dieses sei früher zur Christianisierung der Germanen eingesetzt worden, um ihnen zu zeigen, daß ihre in Bäumen und Sträuchern lebenden Götter keine Götter waren.. jaja, die besserwisserischen Christenprediger. Er erzählte noch weiter über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, daß man von einer Ursuppe ausgeht, aus der alles entstanden ist. Dieses Wessobrunner Gebet jedenfalls war .. bombastisch! Sascha Gotowtschikow begab sich zur großen Trommel an der Bühnenwand, vor ihm noch eine weitere große Tromme (bass drum?). Ernst Schwindl, Cas Gevers und Michael Popp spielten ebenfalls auf Trommeln. Die anderen verließen die Bühne. Sascha, mit dem Rücken zum Publikum fing an, die große Trommel mit schweren, wuchtigen Schlägen zu bearbeiten, die anderen setzten ein. Es hörte sich an wie Urgewalten, wie Gewitter, Stürme, Donner, alles zusammen - genauso könnte die Geburt eines Planeten geklungen haben: gewaltig. Dieses Wessobrunner Gebet gehört übrigens zusammen mit den Hymnes nocturnales von Abaelaard zum ersten Teil (die archaische Welt) der Aufführung Zeitenwende.

Daher nehme ich an, daß der zweite der beiden angekündigten Entstehungslieder eben diese Hymnes Nocturnales waren, bei denen sich Sigrid und Cornelia und auch Cas wieder auf die Bühne trauten und auch sangen (wurde zwischenzeitlich auch bestätigt). Ebenfalls gewaltig, wunderschön, aber nicht mehr ganz so bombastisch und eindrucksvoll wie der Einstieg in die Welterschaffung.

Danach gab's noch ein instrumentales Stück: Lamento de Tristano (Crusaders). Sigrid spielte wieder Flöte, Cornelia Zimbeln.

Der letzte reguläre Song war Non sofre Santa Maria (Text: Alfonso X el Sabio), ebenfalls von der Ondas.

Um 22:00 h wollten sie sich ernsthaft verabschieden, bedankten sich, verbeugten sich und ich stellte mit Erschrecken fest, daß ich einen ganzen Film verknipst hatte!

Sie kamen wieder, gingen sozusagen in die Verlängerung - Michael Popp schloß gleich aus, daß es auch noch zum Elfmeterschießen kommen würde, das wäre doch gar zu spannend ;-) - und spielten als erstes Quantas Sabedes (Cantiga de amigo, anonym, 14. Jhd.), wieder Ondas. Danach dann der oben erwähnte Saltarello (Italien, anonym, 14. Jhd. sagt die DCD-CD). Toll. Auch hier kam Sigrids Flöte wieder zum Einsatz. Und wieder waren sie weg. Sigrid meinte irgendwann zwischendurch mal, daß man sich ja eigentlich erst bedanken soll, wenn der Applaus vorbei ist, was aber, wenn er nicht aufhörte? ;-) Sie wurden wirklich reichlich bedacht mit Applaus, die Lieder, die Estampie spielten. Die Künstler natürlich nicht weniger. Michael Popp stellte sie übrigens vor dem letzten Song einzeln vor, unter anderem tat er dort auch obigen Ausspruch über die von ihm gespielten Instrumente.

Einmal ließen sie sich noch erweichen, kamen, verbeugten sich, verschwanden wieder. So geht das ja nicht, also wurde weitergeklatscht ;-) Was sie auch einsahen und erneut zwecks Musizierens auf die Bühne eilten. Michael Popp meinte dazu, daß man ja Applaus genießen würde, das Brot des Künstlers, nicht aber, wenn es dazu führen würde, dass man etwas tun würde, was man eigentlich nicht wollte oder könnte: sie hätten das folgende Lied schon häufig gespielt, allerdings hätte es selten geklappt, aber wer weiß, vielleicht hätten wir ja Glück: Jeder klatschte in einem anderen Rhythmus in die Hände, Sigrid sang. Wenn sie nicht sang, klatschte sie auch. Zwischenzeitlich gab's mal ein kurzes Percussion-Solo von Sascha, dann wurde wieder weitergeklatscht, echt irre. Und scheinbar schwieriger als diese diversen fremdartigen Instrumente zu spielen - obwohl wir keine 'Fehler' gehört haben, wir schienen also wirklich Glück gehabt zu haben.. naja, alles Show ;-) Alles hörte sich klasse an. Titel: Ave donna santissima von der Ave Maris Stella, etwas abgewandelt, nämlich ohne die zwischenzeitlich einsetzenden Instrumente.

Und damit verschwanden sie nach nochmaliger Verbeugung um 22:15 h leider endgültig von der Bühne, tauchten aber später am Merchandise nochmal auf und waren auch für jeden Interessierten ansprechbar. Wirklich sehr sympathisch.

Ein wunderschönes Konzert, nicht nur akustisch sondern auch optisch ein Erlebnis. Besser noch wäre es sicherlich in einer Halle mit schönerer Akustik oder in einer Kirche gewirkt, aber auch so war es eindrucksvoll. So eindrucksvoll, daß ich mir die sympathischen Musiker sicherlich am 18. in Krefeld noch einmal ansehen werde - und gern würde ich auch die beiden Programme Zeitenwende und Rosas sehen, so sie denn noch aufgeführt werden. Wo, ist mir irgendwie verhältnismäßig egal ;-)

(c) bat 05/2000

PS: Dank an Cornelia Bruckbauer, die die Setlist, die ich mir erraten hatte, bestätigte und in einigen Punkten ergänzt hat.

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cover der Ondas  Estampie , Ondas, 18.05.2000, KuFa, Krefeld

Die Performance von Estampie in Krefeld am 18.05.2000 in der KuFa war derjenigen in Bochum sehr ähnlich. Das ganze fand statt in dem kleinen Saal hinter dem Café, in dem auch vor einiger Zeit Mila Mar und die Merlons aufgetreten waren - diesmal allerdings war der Raum, wie auch der im Bhf Langendreer, bestuhlt.

Der Raum insgesamt ist niedriger, die etwas kleinere Bühne zwar erhöht, aber aufgrund der niedrigeren Decke nicht um sonderlich viel. Die große Trommel-Leinwand hing hier deshalb ein ganzes Stück tiefer. Die dicht stehenden Stühle reichten bis ganz vor die Bühne. Insgesamt waren vielleicht 90 Zuschauer da, aber es wirkte sehr viel voller als in Bochum.

Lt. Karte sollte es gegen 20:30 h losgehen. Das einzige aber, das passierte, war daß Ernst Schwindl auf die Bühne kam und seine Drehleier, seine Nyckelharpa und ein Instrument ähnlich einer Drehleier (vielleicht war es auch eine, nur eine andere Sorte?), nur sehr viel größer (Kurbel, Tasten für die Akkorde) stimmte. Dann passierte lange Zeit wieder nichts. Um 20 nach 9 wurde das Publikum langsam aber sicher ungeduldig, das Untergrundgemurmel wurde lauter, man klatschte, klingelte mit mitgebrachten Glöckchen und murrte vor sich hin.

Um kurz vor halb 10 ging es dann endlich los und Michael Popp - der übrigens Ud, Sas, Tanbur, Tanbur, sowie Harfe und Trommel spielte - begrüßte die anwesenden 'Krefeldenser'. Eines der beiden Tanburs sah übrigens aus wie ein Tambourin, nur halt von beiden Seiten geschlossen und mit Saiten sowie einem langen 'Hals' versehen. Michael spielte dieses Instrument mal wie eine Geige, mal wie eine Gitarre, sehr interessant. Und wenn ich schon einmal bei den Instrumenten bin, die Michael diesmal übrigens netterweise vorstellte, darf ich vielleicht auch noch ergänzen, daß Cornelia Melián (die einzige, die anders angezogen war als in Bo ;-) ) neben den Zimbeln auch noch das Protativ spielte: Das Instrument rechts auf der Bühne, das aussah wie eine kleine Kirchenorgel.

Die Herrschaften fingen auch hier an mit dem Lied über den Sonnenaufgang: Reis Glorios. Diesmal ohne störende Rückkoppelungen. Dafür fand ich den Sound insgesamt aber trotzdem nicht so gut wie in Bochum (und der Bhf hat schon nicht die tollste Akustik), vor allem Cas und seine Posaune hatten zeitweilig echt zu kämpfen - und ich meine nicht nur bei der Zugabe ;-)

Danach ging's weiter mit Disse mi und wie in Bo auch Unter der Linden. Diesmal ohne Geschichte und ohne Vogelbild.

Im Anschluß die instrumentale Estampie V.

Das nächste, auch wie in Bochum: beide Damen sangen, ein Lied aus der Toscana, aus dem 14. Jhd., begleitet in erster Linie von leisem Getrommel (auf der Riesentrommel), von Ud und Posaune: Nel mio parlar.

Dann auch hier und genauso eindrucksvoll das a-capella-Stück Quantos me creveren. Niedlich: bei einer Strophe war Sigrid, die ja allein singt und sich mit den anderen als Chor abwechselt, noch gar nicht fertig, als Cornelia, zum 'Chor' gehörig, schon einsetzte, aber direkt nach dem ersten Ton ihren Irrtum bemerkte und sich grinsend die Hand über den Mund legte.

Danach griff dann Michael Popp zu einem seiner diversen Instrumente, meinte dann 'Quatsch', ergriff ein anderes und wollte gerade etwas von einem Lied aus 'bayrisch Landen' erzählen, als er von seiten seiner Band Proteste hörte.. also griff er zum dritten Mal in seinen Instrumentenfundus und mußte sich währenddessen von Cornelia sagen lassen, daß er wohl scheinbar an dieser Stelle immer einen Hänger habe ;-)

Und direkt danach sollten wir dann alle wieder ernst sein: Voi ch'amate, die Lauda, die von Marias Gefühlen im angesicht des Todes ihres Sohnes erzählt. Michael Popp berichtete zur Dämpfung der allgemeinen Heiterkeit und zur 'Einstimmung' vom Tod am Kreuz, daß das damals eine durchaus gängige Folter- und Hinrichtungsmethode war und daß man wie beim Tod durch Verbrennen, erstickt! Cornelia brachte das Lied sehr gefühlvoll, die Mimik passend zum Thema des Liedes.

Danach ein fast instrumentaler Song, beginnend mit Gitarre, ich meine natürlich Ud, und Drums, die auch während des ganzen Liedes - Saltarello (Codex London M add. 29987) - dominierend blieben, auch als Sigrid und Cornelia unterstützend gesanglich eingriffen.

Im Anschluß dann endlich das Lied aus 'bayrisch Landen', aus den Carmina Burana: O Fortuna. Wieder sangen alle, nicht ein Sänger dominierte wie auf der CD.
Sigrid - die noch kurz einen Hinweis darauf loswerden mußte, daß sie wie die feschen Schreiber dieses Liedes, auch aus Bayern sind - ach, echt? ;-) - erzählte nach diesem genialen Ohrwurm-Lied, daß sie am Anfang der Tour über das nächste Lied gesagt hat, es sei für sie das schönste Liebeslied. Und ihre Band habe nach dem Konzert über sie gelacht. Aber sie bleibt dabei, das schönste Liebeslied: Chanterai por mon corage, Crusaders. Den Part, der auf der CD von Alexander Veljanov gesungen wurde, übernahm Cornelia Melián, Sigrid drehte sich mit dem Rücken zum Publikum, wie damals bei der Crusader-Aufführung.

Danach wieder meine persönlichen Favourites: Michael erzählte hier nichts von Genesis, sondern davon, daß im 9. Jhd. die Mönche nur Trommeln als Instrumente zur Verfügung hatten, um die Germanen zu christianisieren. Die alten Instrumente gab's nicht mehr, die neuen waren noch nicht erfunden: Das Wessobrunner Gebet. Die Bühne ward dunkel, die Damen räumten das Feld (so weit wie möglich), Cas ging ans Schlagzeug, Ernst und MIchael griffen sich je eine große Trommel, Sascha stellte sich vor die große Trommel an der Wand und ebenfalls vor die etwas kleinere auf dem Boden davor, mit dem Rücken zum Publikum und los! Es donnerte, er gab den Schlag vor, nochmal, irgendwann fielen die anderem im Gleichklang ein, nur er spielte in den Pausen und auch während die anderen gleichzeitig spielten, etwas anderes. Das Tempo steigerte sich, die 3 anderen Drummer variierten nun auch, plötzlich war Michael der führende Trommler, dann wieder Sascha, irre, Inferno! Gegen Ende des Songs setzten dann die Damen mit Gesang ein, ich vermute zumindest, daß es noch das gleiche Lied war. Die große Trommel glühte übrigens die ganze Zeit in hellem violetten Licht, strahlte auf die anderen Musiker ab, der Rest blieb eher dunkel.

Danach immer noch viele Trommeln, aber nicht mehr ganz so furios und gewaltig:Hymnes nocturnales, wie auch schon in Bochum.

Danach das instrumentale Stück aus Bo mit Tanbur und Posaune, die den anfang machten, dann Drehleier, alles wurde schneller, die Posaune führte. Ich glaube, es war Lamento di tristano/rotta, song 10 der Crusaders.

Tja, für den nun schon letzten Song ('naja, vorläufig'), hab ich mir aufgeschrieben: wie Bochum, was hieße Non sofre Santa Maria.

Zugaben gab es auch, dreimal je eine. Wobei sie nach Zugabe eins den Gag aus Bochum wiederholten: sie kamen auf die Bühne, verbeugten sich und verschwanden wieder. Wer's nicht kannte, war entsetzt! ;-)

Erste Zugabe: Quantas sabedes. Zweite Zugabe: Saltarello (Italien, 14. Jhd., anonym). Dritte Zugabe und wieder so irre beeindruckend wie in Bochum: Ave donna santissima von der Ave Maris Stella.

Zu Zugabe eins muß ich dringend noch etwas erzählen: Cas, der bei diesem Lied eine nicht unbedeutende Rolle spielt, mühte sich im ersten Teil des Songs redlich ab, war aber nicht zu hören. Zwiegespräche pantomimischer Art mit dem Techniker am Mischpult, Herumspielen am Sender, all das führte nicht wirklich weiter.. bis.. ja, bis er die Große Erleuchtung hatte: er hatte vergessen, das Micro von seinem Hosenbund ab- und wieder unten an der Posaune festzumachen ;-))))) Danach ging's wie von selbst ;-) Wirklich super-sympathisch ;-) Er konnte sich während des ganzen restlichen Songs ein Grinsen nicht verkneifen, was bei gleichzeitigem Spielen ganz schön schwierig ist ;-)

Bei Zugabe Nr. 2 war im übrigen das erste, was er mit einem Grinsen in Richtung Technik machte, das Micro umzuklemmen ;-)))

Um 23:00 h war es dann leider vorbei und trotz der 1:1-Kopie zu Bochum war es sehens- und hörenswert, die Geschichten waren andere und es war einfach wunder-, wunderschön, vor allem auch, weil die Künstler so einen Spaß an der Sache haben und diese Freude einfach auf das Publikum überspringt.

(c) bat, 05/00

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Cover der fin amor  Estampie , Fin amor, 21.12.2001, Siegburg, Stadtmuseum

Das heutige Konzert von Estampie, veranstaltet von der Tourismus und Kulturservice Siegburg GmbH sowie Kramer Zunft und Kurzweyl e.V. war anders als die bisher erlebten, vielleicht am ehesten vergleichbar mit der Ludus-Danielis-Aufführung in der Düsseldorfer Kirche vor einigen Jahren.

Es fand im Anschluss an den mittelalterlichen Markt statt, den der Verein Kramer Zunft und Kurtzweyl e.V. in Siegburg jedes Jahr vom 1. - 23.12. veranstaltet. Aber nicht draussen, wie man ggf. aus diversen Nachrichten auch von der Estampie-Homepage hätte vermuten können (wenn man nicht weitergedacht hätte an die Instrumente und die winterliche Wetterlage), sondern im Stadtmuseum, direkt am Markt gelegen.

Das Publikum war eher eines, das man in Theatern oder Sinfoniekonzerten trifft, darunter einige Neugierige und extra für Estampie Angereiste, aber nur ganz vereinzelt die schwarzgekleideten Anhänger der Independent-Bands, die man sonst im Ruhrgebiet häufig auf Estampie-Konzerten trifft, für uns also eher Neuland, aber warum nicht? ;-)))

Der Konzertsaal umfasste ca. 150 Sitzplätze, war im zweiten Stock des Museums, weiss getüncht, gewölbte Holzdecke, Ausblick auf die angestrahlten Türme von Kirche und Burg, sehr hübsch. Das ganze war ausserdem sehr hell, d.h. nicht nur wir sahen die Band, sondern die Band sah auch das Publikum, wie gesagt, irgendwie anders.

Die Beteiligten dieses Konzerts waren Rüdiger Oppermann an den Harfen, Michael Popp an diversen (5) Saiteninstrumenten, die hinter ihm auf einem Ständer aufgehängt waren, Sascha Gotowtschikow an diversen Percussion-Instrumenten, Ernst Schwindl an den Leier-ähnlichen Instrumenten (4 an der Zahl, ebenfalls hinter ihm aufgehängt) sowie einem Instrument, das aussah, wie eine kleine Kirchenorgel, angetrieben durch einen kleinen Blasebalg und last but not least Sigrid Hausen, Gesang und Blockflöte.

Es gab sogar zu Beginn des Konzertes ein Programm, das zum einen Estampie vorstellt, sowie zum anderen die Lieder des Konzertes inkl. der Komponisten bzw. der Entstehungsjahre auflistet, Änderungen vorbehalten. Das wäre doch mal was für die anderen Konzerte, echt klasse.

Auch wenn das Konzert unter dem Motto 'Fin amor' stand - so wird die nächste Platte heissen, die sich mit keltischer und bretonischer Musik beschäftigen wird - so begann das Konzert um 20:30 h doch zunächst einmal mit dem schon auf einer der ersten CDs zu findenden A chantar (Beatritz de Dia, ca. 1160). Sigrid Hausen trug diesmal ein hellblaues langes Kleid, darüber eine kurze schwarze Samtjacke. Die Farben sahen aus, als seien sie auf das Bild abgestimmt, das hinter der 'Bühne' hing, ein modernes Gemälde in Blautönen und in Schwarz gehalten und die Farben ihrer Kleidung fanden sich genau darin wieder. Tja, gehört das Bild zur Bühnenausstattung oder doch zum Museum und was war zuerst, das Bild oder das Kleid ? ;-)))

Das nächste Lied forderte sie dann direkt an der Blockflöte, es war die Estampie VI, ein instrumentales Stück (anonym, 14. Jahrhundert). Direkt nach Song Nr. 1 fragte ein älterer Herr aus der ersten Reihe, ob sie verstärkt oder normal spielen würden. Da man überall Mikrofone sah, auch an den Instrumenten, lag die Antwort, die Michael Popp gab, nahe: verstärkt. Darauf hätte man aber hinweisen müssen, das sei schließlich etwas anderes als unverstärkt. Michael Popp ließ sich kurzfristig auf die Diskussion ein und erklärte höflich, weshalb er der Meinung ist, dass das Verstärken nichts an der Autentizität der Darbietung ändere, der Herr - wer weiss, vielleicht nicht ausgelasteter Musikprofessor a.D.? - setzte sich wieder, scheint aber in der Pause gegangen zu sein. Ich kann nicht sagen, dass ich das schade finde. Das 'Grufti-Publikum', das ich sonst gewohnt bin, ist zwar vielleicht nicht in gleichem Maße fähig, musikalisch zu beurteilen und zu würdigen, was die Musiker da leisten, aber sie würden nie solche Fragen stellen und damit allen anderen den Spaß an der Musik verderben. Ihnen gefällt's einfach, verstärkt oder nicht. Ansonsten war das Publikum aber toll und dieser Querulant hat uns die Stimmung nur kurzfristig vermiesen können!

Weiter ging's mit einem alten deutschen Lied von Walther von der Vogelweide (1170 - 1230), ebenfalls auf einer der älteren Estampie-CDs zu finden: Unter der linden.

Danach ein weiteres deutsches Lied, es ging um 'wie ein Kind' und wenn ich dem Programm glauben darf, war es Ich fröi mich manger bluomen rot (König Konrad der Junge - 1252 - 1268)).

Netterweise erzählte Michael Popp bei den meisten Liedern den Hintergrund und zum nächsten Lied sagte er es sei maurischen Ursprungs, gespielt mit Ud, Percussions, Klatschen und Siegrid, die aber nur Laute (lala) von sich gab, keinen Text im engeren Sinne, wirklich sehr schön. Den Namen kann ich nur raten, das Programm sagt nun Istampitte Ghaetta, ich würde aber eher auf Al Andaluz tippen, anonym aus dem 13. Jahrhundert. Falls dies nicht stimmen sollte, lasse ich mich gern korrigieren ,-).

Danach kam ein Lied von der Crusaders-CD, die sich mit den Kreuzzügen befasst. Michael Popp erzählte vorab ein bisschen davon, nämlich, dass die Kreuzzüge immer damit begonnen hätten, dass die Ritter in Büßergewändern ausgezogen sind, dass die Frauen diese Büßergewänder dann mit zurück nach Hause genommen hätten zur Erinnerung und dass viele der zurückbleibenden Frauen in Bettelorden eingetreten sind, die Beginen waren einer der bekanntesten. Alles in allem für die Frauen nicht gerade angenehm und das folgende Lied erzählt von den Sorgen einer zurückgebliebenen Frau: Chanterei por mon corage (Guiot de Dujon, ca. 1190).

Im Anschluss stellte Rüdiger Oppermann sich selber vor, und sagte, dass er nun nur mit der Harfe ein Lied spielen würde. Er hat lange überlegt, was er denn spielen soll und heute sei ja der kürzeste Tag und die längste Nacht und Winter überhaupt könne die Leute schon mal depressiv machen, so auch einen Freund, mit dem er kurz zuvor noch getroffen hat und mit dem er sich lange unterhalten hat. Und um nun etwas dagegen zu tun, möchte er etwas optimistisches spielen - ein Lied über den Mai. ;-))) Was er dann auch tat: Wie schön blüht uns der Mai, mit leichten Abwandlungen. Die ich nicht bemerkt hätte, wenn er es nicht vorher erwähnt hätte, wo ich doch noch nicht einmal dieses lt. seiner Aussage bekannte deutsche Volkslied kenne... ;-)

Dann ging's wieder so weiter wie es auch im Programm vermerkt war, nämlich mit Non sofre Santa Maria (Alfonso X. el Sabio, Cantigas de Santa Maria, 13. Jhd.), zu finden auf der Ondas, wunderschön. Damit war der erste Teil des ausverkauften Konzerts leider um 21:15 h schon vorbei und es gab Sekt und nach 20 Minuten sogar einen Pausengong.

Part Zwei startete also gegen 21:35 h mit einem nicht im Programm vermerkten kirchlichen Lied, gesungen von Michael Popp und Sigrid Hausen, begleitet nur von Ernst Schwindl am Portativ, sehr schön. Latein, wie ich vermuten würde, comte protes sanitor o.ä., ich hatte leider nie latein.

Danach dann das erste Lied des Programmes: Moult sui de bonne heure nee (Guillaume de Machaut, 1300 - 1377), gespielt auf einem der Saiteninstrumente von Michael Popp, das sich ähnlich anhörte wie eine Gitarre, auf dem Organistrum (?), das aussah wie eine kleine tragbare Kirchenorgel, angetrieben durch einen Blasebalg (Ernst Schwindl) und Sigrid. Die anderen beiden kamen erst zum nächsten Lied, diesmal aus der Sammlung Carmina Burana, aus dem 13. Jahrhundert, wieder auf die Bühne. Das Lied war Floret silva, wunderschön.

Im Anschluss an dieses Lied gab es - wie zuvor schon angekündigt - ein Drehleier-Solo von Ernst Schwindl, absolut klasse, Michael Popp wusste dies auch mit entsprechenden Worten wie 'feurig' zu würdigen ;-)). Instrumental ging's weiter mit der Estampie V, zu finden auf der Ondas. Wahnsinn, dass man mit einer einfachen Blockflöte auch solche Dinge spielen kann, und Sascha ist für mich sowieso ein Phänomen, diesmal durfte er sich nicht ganz so austoben wie sonst auf den Konzerten, dennoch war das, was er da zauberte, wieder einmal eindrucksvoll, 'Der Mann mit den zwei Gehirnen', anders kann man es sich fast nicht vorstellen ;-).

Das nächste Stück war wieder mit Gesang und mehr oder minder deutsch: Swa tac erschinen (Konrad von Würzburg, 1230 - 1287). Und dann abweichend vom Programm das Lamento di Tristano (anonym, ca. 1300), ebenfalls von der Crusaders, beginnend langsam nur mit Michael Popp auf der Tar, und dann sich steigernd auch mit allen anderen Musikern, Sigrid wieder mit Flöte. Michael Popp erzählte vorher noch, dass es in diesem Lied um die beiden Hauptprinzipien des Mittelalters geht, Liebe und Zauberei, dass es langsam und traurig anfängt und dass es sich anschließend anhören würde, als sei alles wieder gut. Er spiele auf der Tar, was so viel bedeute wie Haar, Saite und diesen Laut oder dieses Wort würde man häufig im Namen von eben Saiteninstrumenten wiederfinden (Sithar in Indien, Gitarre neumodern etc.). Seine stamme aus Aserbaidschan. Und dieses Land, wie alle Länder, die entweder geografisch oder politisch lange Zeit isoliert waren und deren Musik ebenfalls von fremden Einflüssen frei geblieben ist, ist besonders wichtig für Leute, die sich mit mittelalterlicher Musik und den dazugehörigen Instrumenten beschäftigen, denn Noten gibt es nicht und wie genau sich die Instrumente angehört haben, ist auch nicht wirklich überliefert. Daher sind solche Länder, in denen die Musik lange Zeit unverfälscht überdauert hat, für das Studium dieser Musikrichtung immer sehr wichtig gewesen. Und dann ging's über zum Lied Lamento di Tristano, schön.

Zum Schluss kam eine Lauda, ein Lied, das von den Flagellanten stammt (anomym, 13. Jhd.). Klatschen statt Instrumente, Gesang von Sigrid, live ein absoluter Traum, ich hab's schon mehrfach gehört und es ist immer wieder absolut faszinierend: Ave donna santissima, von der Ave Maris Stella, wow. Entsprechend war auch der Applaus, so dass die Band noch einmal wieder kommen musste. Bevor sie ihre Zugabe spielen konnten, kam erst einmal ein Herr, der sicherlich vom Verein Kramer Zunft und Kurtzweyl e.V. gehört hat und Mitveranstalter war. Er dankte in wunderschönen mittelalterlich anmutenden Worten für die gar trefflich Musici und schenkte jedem eine Rose, forderte uns nochmals zu reichlich Handgeklapper auf. Michael Popp meinte im Anschluss, er habe da wohl mit seinem bayrischen Akzent nichts entgegenzusetzen und deshalb wollten sie lieber noch einmal singen, was sie auch taten mit dem wunderschönen Quantos me creveren (Alfonso X. el Sabio), von der Ondas, dort leider nur halb so schön. Live wird von den Herren erst nur geklatscht während Sigrid singt, dann singen sie, allerdings keinen Text, hinterlegen wieder nur wie ein Klangteppich, während Sigrid das Muster webt, danach dann singen sie wie auf der CDabwechselnd mit ihr im Chor, während Sascha als einziger eine Art Tambourine spielt, absolut fantastisch und immer viel zu schnell vorbei, wie das ganze Konzert, das mit diesem Song um 22:30 h leider ebenfalls endete. So bleibt uns denn nur, auf die neue CD und eine hoffentlich folgende Tour zu warten. Schöne Weihnachten!

(c) bat, 12/01


Szenenfoto aus Gregorius auf dem Stein

c) Theater der Klänge

 Estampie und das Theater der Klänge mit einer Aufführung  

      von
'Gregorius auf dem Stein', 25.04.2004, Theater der Rudolf-Steiner-Schule, Düsseldorf-Gerresheim

Eine neue Inszenierung des Theaters der Klänge mit der Gruppe Estampie, die derzeit (Estampie, d.h. Sigrid Hausen, Ernst Schwindl und Michael Popp sind live dabei!) in Düsseldorf im Theater der Waldorfschule in Düsseldorf-Gerresheim aufgeführt wird und danach (vermutlich ohne Estampie) auf Tour gehen wird. Die musikalische Entwicklung wurde von Michael Popp und Thomas Neuhaus vorgenommen. Die Geschichte ist eine mittelalterliche Sage, aus Frankreich überliefert, im 12. Jahrhundert durch Hartmann von Aue in Mittelhochdeutsch aufgeschrieben, bearbeitet durch Thomas Mann.

Kurz zum Inhalt: Geschwisterpaar zeugt Kind (Gregorius), Bruder (und Geliebter) zieht zur Buße in die Kreuzzüge, wo er umkommt, Schwester (und Geliebte) wird Herrscherin und verweigert ab diesem Zeitpunkt jegliche Beziehung zu einem Mann, weshalb die Stadt des häufigeren belagert wird. Gregorius wird auf dem Meer ausgesetzt, wird bei einem Fischer aufgezogen, erfährt nach einer Schlägerei mit seinem Ziehbruder sein wahres Geschick (die Mutter gab ihm eine Schrifttafel mit, die seine Herkunft und die Umstände seiner Zeugung erklärt) und macht sich auf, seine Eltern zu suchen. Gottes Geschick - oder doch der Zufall? - lenken ihn ausgerechnet in die belagerte Stadt, in der seine ihm unbekannte Mutter regiert. Er besiegt im Zweikampf den Belagerer und heiratet unbekannterweise seine eigene Mutter (zeugt in der Sage sogar zwei Kinder mit ihr). Irgendwann entdecken die beiden ihre Verwandtschaft, sind entsetzt und trennen sich sofort. Sie baut ein Armen-Asyl vor den Mauern der Stadt auf und entsagt der Regierungsmacht, er begiebt sich auf ein einsames Eiland um dort zu sterben.

17 Jahre später gibt es Stress in Rom, der Papst stirbt, es gibt zwei Konklave, Papst und Gegenpapst, Chisma! Beide Päpste sterben, man steht ohne da. Ein weltlicher und ein geistlicher Herr in Rom haben daraufhin eine Offenbarung und ziehen aus, Gregorius auf dem Ödland (dem "Stein") zu suchen; er ist ihnen als neuer Papst offenbart worden. Sie finden ihn nach einigen Irrungen und Wirrungen sogar noch halbwegs lebend auf (oh Wunder!) und ziehen mit ihm nach Rom, wo er als neuer Papst gekrönt wird und seiner Mutter die Sünden vergibt.

Umgesetzt wird das ganze in zwei Akten, der erste eher geprägt durch pantomimische Darstellung und Tanzeinlagen, unterbrochen von zwei Schauspielern, die als Erzähler in immer anderen Rollen schlüpfen (mal als Geist der Geschichte, mal als Ritter und Berater der beiden Geschwister, mal als Bürgermeister der Stadt, in der die Mutter / Schwester Sybilla regiert. Sie überbrücken das, was nicht dargestellt wird, schlagen den Bogen zu den dargestellten Szenen. Erzählt in einer Art Sprechgesang, mit wiederkehrenden Refrains unterlegt ("wie arg, wie arg, wie arg ist das?" Insbesondere einer der beiden Schauspieler erinnerte dabei ein wenig an Oswald Henkes Sprechgesang für Goethes Erben). Alles untermalt von Estampies Musik: Schalmei, Flöte, Glockenspiel, Trommeln (ich mag Trommeln!), Drehleier. Die Szenen selbst, pantomimisch gespielt und getanzt (die tänzerische Leistung und auch die Mimik und Gestik der Schauspieler war schon beeindruckend) werden unterlegt mit Sigrids Gesang (tw. unterstützt durch Ernst und Michael). Die Lieder stammen zum Teil aus den bereits bestehenden Estampie-CDs, erkannt habe ich einige aus der Fin Amor und der Ondas, allerdings textlich angepasst (voi ch'amate z. B. meine ich melodiemäßig erkannt zu haben). Die Melodien waren unterschiedlicher Herkunft, einige bestimmt auch extra für das Stück zusammengestellt, einige aber auch der Crusaders und den anderen CDs entliehen. Es wurde nicht nur live gespielt, einige Dinge, wie insbesondere Trommelspiel (war es das Wessobrunner Gebet?) wurde als 'Playback' eingespielt.

Die gezeigten Tanzszenen, sei es das Liebesspiel zwischen Sybilla und ihrem Bruder, sei es der Stock-/Schwertkampf zwischen Gregorius und dem Ritter, der die Stadt seiner Mutter belagert, erinnerten (und das nicht nur bzgl. der Kostüme!) stark an asiatische Kampfkunst, Judo oder Aikido, gemischt mit Ballett. Sehr hübsch anzusehen.

Der zweite Akt hatte mehr Sprachanteil, die Erzähler aus dem ersten Akt wurden zu den beiden bereits erwähnten Herren aus Rom, die loszogen, den neuen Papst zu suchen. Es wurde nicht mit Seitenhieben auf die Kirche gespart und die Komik hielt ein wenig mehr Einzug.

Ein Bühnenbild gab es nicht, alles wurde pantomimisch dargestellt oder durch die Erzähler vermittelt; unterstützend dienten einige Schauspieler in Kombination mit Holz oder größtenteils Stoffbahnen als Wellen (hier half auch Ernst Schwindl als Wellenmacher aus), Felsen, Wald, Morast. Das Theater an sich fasst ca. 250 Personen, die Sitze steigen wie in einem richtigen Theater nach oben an, so dass von allen Seiten eine gute Sicht auf die Bühne garantiert ist. Die Musiker und ihre Instrumente sind an der linken Bühnenseite aufgebaut, Vor der Bühne stehen zwei große Kerzenständer mit weißen Kerzen, der Raum ist komplett in Holz gehalten (pastellfarbig angemalt); der Vorhang hinter der Bühne ist cremeweiss. Weiteres ist auch nicht notwendig, die Musik und die Mimik und Gestik der Schauspieler spricht für sich. Und auch, wenn es ein Schultheater ist und auch ein kleines bisschen wie eine Aula aussieht: Angst zu haben, dass es irgendwie auch Schultheater-Niveau hat, braucht wirklich niemand!
Auch an ein "theatergerechtes" Catering war gedacht, es gab Wein und Prosecco und andere Getränke sowie eine kleine, gut riechende Auswahl an Snacks für die Pause. Das Stück dauerte inkl. Pause von 20:00 h bis 22:30 h. Leider waren nur ca. 60 Personen dort (bunt gemischt, in erster Linie wohl Theaterliebhaber, Theater-der-Klänge-Fans und vielleicht Förderer der Waldorf-Schule dort, Alter gemischt, Tendenz eher älter; kaum Leute, die man sonst im Ruhrgebiet bei Estampie-Konzerten antreffen würde).

Ich kann die Aufführung nur empfehlen, für Leute, die solche sagenhaften Geschichten mögen und vor allem für solche, die Estampies Musik zu schätzen wissen.

Vielleicht sehen wir uns ja nochmal wieder, ich schließe nicht aus, mir das Stück noch einmal anzusehen, so lange die Herrschaften noch in Düsseldorf tagen!

Termine: ausgenommen am 30.05. täglich bis zum 02.05. in Düsseldorf im Theater der Rudolf-Steiner-Schule in Düsseldorf-Gerresheim. Danach on tour, Termine und genaue Adresse auf http://www.theater-der-klaenge.de

c) bat, 04/04


foto (c) bat: Lightshow
 Estampie, Marco Polo - Klämge der Seidenstraße, Frankfurt, Kirche Mutter vom Guten Rat

Wer mehr Bilder sehen will, folge dem Link auf der Bildseite - Achtung längere Ladezeiten einkalkulieren!

Diesmal gab's das Sonderprogramm Marco Polo - die Klänge der Seidenstraße in der Kirche "Mutter zum Guten Rat" in Frankfurt. Estampie - Sigrid Hausen, Michael Popp, Ernst Schwindl und Sacha Gotowtschikow - hatten sich Gäste aus den jeweiligen Ländern mitgebracht:
Hamid Khezri aus der Region Khorasan, der östlichsten Provinz des Iran, Mendbayar Odonkhuu und Nasanjargal Ganbold aus der Mongolei. Leider verhindert war Ramesh Shotam aus Nordindien. Dessen Percussion-Parts übernahm soweit wie möglich Sascha.

Die Kirche an sich war eher schlicht, kleine klare Fenster, weisse Wände, eine flache, leicht gewölbte Decke, der Altarraum nur mit einigen, eher modernen Malereien verziert, das in den Farben, in denen die Kirche während des Konzerts angestrahlt wurde, unterging. Vor dem Altarraum hatten Estampie ihre Instrumente aufgebaut: diverse mittelalterliche Streichinstrumente sowie eine große Trommel. Das Kreuz war fast verdeckt von der großen Leinwand, auf der im Lauf des Konzerts verschiedene Dias eingeblendet wurden. Nur die Spitze ragte noch heraus.

Insgesamt war das Konzert eine Mischung aus den typischen Klängen der jeweiligen Regionen, durch die uns die Reise entlang der Seidenstraße führte, gemischt und eingerahmt durch Lieder und Passagen der mittelalterlichen Musik, wie wir sie von Estampie und ihren sonstigen Alben kennen. Hat sich sehr schön ergänzt, insbesondere Sigrids Stimme in Verbindung mit denen von Hamid oder von Nasanjargal (Ober- und Untertongesang, ganz ungewöhnlich) war sehr reizvoll.

Der Raum wurde beherrscht von der großen Leinwand, auf die im Lauf des Konzerts verschiedene Dias projeziert wurden (je nach Thema und Gegend, Dias von Bruno Baumann) sowie von dem großartigen Licht, das die Darstellung unterstrich (Dominik Sebald).

Im Nachhinein lässt sich also sagen, dass es gut war, dass die Kirche so schlicht war, sie diente tatsächlich nur als Leinwand und lenkte nicht durch schnörkelige Details ab.

Es begann fast pünktlich - nach der Eröffnungsrede des Pfarrers - nur mit Estampie und dem Kapitel "Abschied und Aufbruch". Bilder von Venedig, blaues Licht, Wasserwirbel, Lieder aus Frankreich und Spanien, beginnend aber mit einem Choral: Cunctipotens genitor deus, danach Je vivrois liement und Como poden (auch zu finden auf der letzten CD: Signum). Wunderschön wie immer: Sigrids Stimme, tw. untermalt vom Gesang der Herren - diese anfangs allerdings etwas leise.

Nach dem Kapitel erzählte Michael Popp ein wenig über das vorangegangene und das nächste Kapitel "In Persien" sowie über den ersten Gastmusiker Hamid Khezri, in weißem Gewand. Hamid spielte eine Dotar, das erste Lied rein instrumental, begleitet von Sascha (Percussion): Navoi (aus Khorasan - Iran). Die passenden Bilder zeigten typische Fresken und Fliesen aus dem arabischen Raum wie man sie auch in Sevilla im Alcazar und in der Alhambra findet.

Danach spielten alle zusammen Morgh e schab (Khorasan) in Verbindung mit A chantar (Frankreich). Sigrid und Hamid wechselten sich beim Gesang ab, persische Sprache vermischt mit Altfranzösisch, sehr schön!

Das nächste Kapitel führte uns in die Mongolei und bescherte uns zwei weitere Gastmusiker in mongolischer Tracht (gelb mit rot, Seide, mongolische Helme): Nasanjargal Ganbold, der Morin Khuur (Pferdekopfgeige) und Bischgüür (Schalmei) und Flöte spielte und Mendbayar Odonkhuu, die ein Yochin (Hackbrett) spielte. Das Kapitel hieß "Das fliegende Pferd" (mystisches mongolisches Symbol für den guten Verlauf der Reise), die Bilder zeigten entsprechend Zeichnungen oder Mosaike dieses Symbols. Drei Lieder (auf der DVD gar nicht unbedingt auseinander zu halten ;-) ): Tsenherlen haragdah (Pferdetanz - Mongolei), Morin Tovorgoon (Pferdegalopp - Mongolei) und Mahabahdi (Iran). Das erste Lied war einfach irre: Sascha an der großen Trommel, Ernst und Michael jeweils an einer etwas kleineren, zuckende Lichtblitze in der Kirchenkuppel, wow! Zwischendrin etwas langsamere mongolische Klänge mit einer Art Flöte, danach ging das Getrommel weiter. Wahnsinn, die Kirche bebte: erst durch die Trommeln, danach vom Applaus. Das nächste Lied startete etwas langsamer mit Hackbrett und Pferdekopfgeige, wurde dann ebenfalls schneller, alle anderen setzten ein, Sigrid spielte Flöte. Sehr sehr schön, irgendwie orientalisch, persisch, aber auch mittelalterliche europäische Elemente wurden eingeflochten - die Suche nach den gemeinsamen Wurzeln, nach der Urmusik. Das Zusammenspiel hat auf jeden Fall sehr gut funktioniert, interessante Mischung. Das letzte Lied (sorry, vielleicht war's auch genau anders herum) begann dann mit Geige, untermalt von Percussions und einem sehr eigenartigen Geräusch, das sich als Gesang des Nasanjargal herausstellte: Ober- und Untertongesang, erinnerte mich ein wenig an eine Maultrommel, ist aber eigentlich nicht so recht zu beschreiben. Sehr interessant, sehr ungewöhnlich für europäische Ohren. Spannend.

Das nächste Kapitel tauchte die Kirche eher in gelbes und rotes als in blaues Licht, Bilder von Dünen, entsprechend der Name des Kapitels: "Die singenden Dünen". Auch hier wieder drei Lieder, eines kombiniert: Mariam Matrem (Spanien) / Chilygin (Mongolei). Estampie starteten allein, dann ein Übergang zu den mongolischen Instrumenten, insbesondere dem Hackbrett. Wunderschön und melancholisch, Sigrid mit leisem Gesang, der das Ganze untermalte. So schön, dass die Leute wie aus Trance erwachten und erst nach einer kleinen Pause begannen zu applaudieren. Leider konnte man von unserem Platz aus gar nicht so richtig sehen, wie Mendbayar auf dem Yochin zauberte! Danach Sheikh Ahmad-e-Jam (Khorasan): tolle Percussions von Sascha (die auf der DVD durch Ramesh, der nicht dabei sein konnte, gespielt werden, ergänzt von Sascha). Das dritte Lied hieß Khöömii (Mongolei). Hier waren wieder alle Musiker dabei, Nasangjargal spielte Querflöte, Gesang, Hamid und Nasanjargal (leise) und Sigrid. Eine sehr gelungene Verbindung der mittelalterlichen europäischen Musik mit den orientalisch-/asiatischen Melodien, Sigrids Stimme gemischt mit Hamids tiefer Stimme oder dem eigenartigen Gesang von Nasanjargal. Michael erzählte später, dass genau dies den Reiz des Projektes ausgeamcht hätte - und die gemeinsame Suche nach der Urmusik. Der heute abend gespielten Musik sei außerdem gemeinsam, dass es sich um höfische Musik handelt, Musik, die damals an den Fürsten- und Herrscherhöfen von ausgebildeten Musikern gespielt wurde.

Nach der Pause - im Gemeindehaus gab es Sekt - ging's mit dem nächsten Kapitel weiter: "Begegnungen". Lieder Bayati Kurd (Aserbeidjan), instrumental mit Soli der beiden Musiker aus der Mongolei (Hackbrett und Querflöte), die überleiteten zu einem Gesangsstück von Sigrid, das sich sehr kirchlich anhörte (altfranzösisch?). Danach wieder der instrumentale Teil so wie das Lied begonnen hat. Das nächste Lied startete mit reinem Gesamt von Michael, Sigrid und Ernst (laude novella, Italien) und ging dann über in Hodilo (Tadjikistan): Gesang durch Hamid, Refrain durch Michael, Sigrid, Nasanjargal und Ernst. Dann wieder Sigrid mit einem Teil von Laude Novella, nur um wieder zu wechseln zu Hodilo.Auch hier endete das Lied wie es begonnen hatte: die drei Estampies im Chor mit Laude novella. Sehr, sehr schön!! Sigrid wechselte hier übrigens fliegend zwischen Gesang und Flötenspiel.

Auch das dritte Lied war entsprechend gemischt: Jongi (Usbekistan) (instrumental) mit Quant voi la flor novele (Frankreich) (Gesang durch Sigrid).

Zum Schluss das Kapitel "Ankunft in Karakorum" mit Hudir donge (Mongolei), ein sehr langsames Stück, bei dem Nasanjargal noch einmal gesungen hat, diesmal für europäische Ohren etwas einfacher, weil mehr Worte (wenn auch mongolische ;-) ) und weniger "Töne". Danach I vo bene (Italien) und Gol (Khorasan), nochmal mit Gesang von Hamid, vermischt übrigens mit Non soffre Santa Maria!

Und damit war die Reise am Ende, die Musiker verneigten sich, bekamen Blumen, gingen, kamen noch einmal wieder, weil der Applaus nicht aufhören wollte. Sie verbeugten sich erneut und gingen. Keine Zugabe.

Wie immer hat es mich vollkommen verzaubert, das Programm ist wunderschön und lohnt auch einen Weg von Essen nach Frankfurt!

PS: sehr zu empfehlen ist auch die entsprechende DVD, aufgenommen im letzten Jahr in Hannover.

© bat, 01/05

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foto (c) bat: Gruppenfoto Estampie und L'Ham de Foc  Estampie und L'Ham de Foc mit dem Programm  

      'Al Andaluz', 29.07.2006, Bad Wildungen, Landesgartenschau

Estampie hat sein Programm "al Andaluz" zum zweiten Male aufgeführt im Rahmen des Folk am Schloss in Bad Wildungen, das diesmal ganz im Zeichen spanischer Musik stand und zudem nicht im Schloss sondern unterhalb des Schlosses im Rahmen der Landesgartenschau in Bad Wildungen stattfand. Andalusische Temperaturen inbegriffen ;-) Sigrid Hausen, Michael Popp, Ernst Schwindl und Sacha Gotowtschikow hatten sich für das Programm die Gruppe L'Ham de Foc als Partner ausgesucht, eine spanische Mittelalterband aus Valencia, bestehend aus Efrén López und der Sängerin Mara Aranda, live noch verstärkt durch einen sehr begabten Mann an einem Instrument, dessen Namen ich leider noch immer nicht weiss. L'Ham de Foc selbst haben mittlerweile drei Alben, zumindest das letzte "Cor de Porc" gefällt mir als gemeinem Estampie-Hörer ausgesprochen gut.

Es wurden Lieder gespielt aus der maurischen Zeit Andalusiens (718 bis zur Reconquista1492), arabische, jüdische, christliche, nicht nur neu für das Programm zusammengestellte, sondern auch Lieder aus dem Repertoire beider Bands, teilweise aber durch andere Instrumentierung oder Gastgesang von Mara bzw. Sigrid anders aufbereitet. Michael Popp führte wie immer durch das Programm, das Publikum diesmal übrigens sehr gemischt. Nur eines hatten alle gemeinsam: es war warm! ;-) Da saßen New Model Army Fans neben den typischen älteren Landesgartenschau-Besuchern und mitten vor der Bühne kleine Kinder, die die Musik zwar nett fanden, die Steinchen, auf denen sie saßen, aber noch viel interessanter.. Und alle hatten natürlich noch was gemeinsam: es hat ihnen ausgesprochen gut gefallen - das war zumindest mein Eindruck, abgelesen am Applaus und daran, dass auch während des kurzen Regens zwischen Probe und Programmstart fast alle ausgeharrt haben. Und wenn ich die Augen zugemacht habe, kam ich mir vor, als sei ich wieder im Urlaub in Granada, Sevilla, Cordoba (ist schließlich erst einen Monat her ;-) ) - wunderschön.

Aber es gab natürlich nicht nur eitel Sonnenschein zwischen den Kulturen und so wurde auch ein sehr heftiges Trommelstück eingebaut, erinnerte mich stark an das Wessobrunner Gebet, das es auf der Fin-Amor-Tour schon zu sehen und zu hören gegeben hat. Sascha an der großen Trommel, die die Mitte der Bühne einnahm und Ernst und Michael je an zwei kleineren Seitentrommeln waren schon sehr sehens- und hörenswert, fast hypnotisch. Der nachfolgende Applaus war Wahnsinn - allerdings brauchte es eine Weile bis er einsetzte, die Leute mussten erst wieder aus ihrer Trance erwachen, echt irre. Und den Herren war danach bestimmt ziemlich warm, wie gesagt, alles sehr andalusisch, nicht nur die Musik. 1,5 Stunden durften wir genießen, danach mussten die beiden Gruppen die Bühne für eine weitere Band aus Spanien, diesmal aus Madrid, räumen. Wie ich hörte soll das Programm gemeinsam im November aufgenommen werden, man möge mir widersprechen, sollte es nicht stimmen.

Das Konzert selbst wird zusammen mit der Flamenco-Gruppe, die vorher gespielt hat, und Costa Rico, der Reggae/Funk/Mestizo-Band, die im Anschluss noch spielte, im Oktober im HR-Radio übertragen, wann genau weiss ich noch nicht. Die Bands des zweiten Tages sind dann einen Abend später dran.

Für das Programm des Festivals schaut doch mal hier rein:

Die nachfolgende Band Costa Rico war übrigens auch ganz nett, sie hat die Leute direkt mitgerissen, eine quirlige Sängerin, 8 weitere Musiker, zwei davon mit Trompete bzw. Saxophon. Nach vier Liedern stellten wir aber doch fest, dass uns das ganze ein wenig zu... gleich geklungen hat und zuviel Reggae-Funk-Rhythmus ist dann auch nicht so mein Ding. War aber ganz gut, so haben wir wenigstens noch die nette Altstadt von Bad Wildungen besichtigen können. Doch, ein sehr lohnender Tagesausflug und ein sehr empfehlenswertes Programm!

c) bat, 08/06


foto (c) bat: Estampie und L'Ham de Foc in der Christuskirche  Estampie und L'Ham de Foc mit dem Programm  

      'Al Andaluz', 01.11.2007, Bochum, Christuskirche

Ibn Khafadja (1058-1139): "Al-andaluz, ihr Leute, ist ein Wunder; voll Wasser, Schatten, Flüssen...der Garten Eden ist bei euch allein".

Und genau das - Al Andaluz, das Goldene Zeitalter Andalusiens vor der Reconquista durch Isabell und Ferdinand - war das Thema, das sich Estampie, L'Ham de Foc und Aman Aman vorgenommen hatten umzusetzen.

Gesehen hatten wir das ganze schon einmal im Sommer 2006 auf einer Bundesgartenschau am Nachmittag im hellen Sonnenlicht, aber das hier war dann doch eine ganz andere Stimmung: Winter, Kirche, Dunkel, feierlich.

Es traten auf: Estampie (Michael Popp, Ernst Schwindl, Sigrid Hausen, Sascha Gotowtschikow), L'Ham de Foc (Mara Aranda und Efrem Lopez) sowie Aman Aman, Side-Project von Mara und Efrem, das sich auf sephardische Musik konzentriert und erweitert wird durch mehrere weitere Künstler, u.a. Aziz Samsaoui, der die Qanum spielt und auch mit auf Tour war. Auf der CD zum Al Andaluz-Project hört man noch Diego Lopez, der ebenfalls zu Aman Aman gehört. Ergänzt wurde der Live-Auftritt noch durch Iman Kandoussi aus Marokko, die spezialisiert ist auf arabisch-andalusische und orientalische Gesänge, insbesondere auf sogenannte "Moaxajas". Sie tritt solo auf, hat aber auch schon in Projekten mit anderen zusammen gearbeitet , u.a. ist sie auch auf einer Flamenco-CD von El Lebrijano zu hören. Sie ist - fand ich ganz interessant, weil wir schon dort waren - auch schon im Alcazar in Sevilla aufgetreten.

All diese Leute waren nun auf der Bühne der Christuskirche versammelt, die Damen in wunderschönen, langen Gewändern, Iman mit einem rot-leuchtenden Seidenkleid mit Fledermausärmeln, verziert mit silber und gold, Sigrid mit einem schwarzen, durchscheinenden Kleid, Mara ebenfalls in schwarz mit gelb-goldenen Ornamentverzierungen an Kragen und Rock. Efren in schlichtem Schwarz, ebenso Aziz. Die anderen drei Herren hatten über ihre schwarze Grundausstattung mittelalterliche Accessoires gezogen: Michael ein Gewand, das an ein Kettenhemd erinnerte, Ernst und Sascha hatten sich extra - wie Michael erzählte - bunte Lederwesten besorgt. ;-).

Das Konzert bestand aus zwei Teilen mit Pause und dauerte ca. 2 h. Die Kirche war leider nur zu einem Viertel besucht, was wirklich schade war, der Schönheit des Konzerts aber keinerlei Abbruch tat. Die Lieder, die gespielt wurden, wurden durch Michael Popp kommentiert und durch wunderschöne Diaprojektionen an die Decke der ziemlich modernen Christuskirche (Betondecke, gut für Fotos, sonst nicht so schön ;-) ) unterstrichen. Teilweise kamen mir die Bilder schon ein wenig "geklaut" vor, aber so ist das halt, wenn man schon mehrfach Urlaub in Andalusien gemacht hat ;-) .

Die Lieder waren - wie auch das Leben damals in Andalusien - eine Mischung aus christlichen, arabischen und sephardischen (also jüdischen) Klängen. Das Programmheft sagt, dass folgende Nummern gespielt wurden:

A virgen mui groriosa
Nassam Alaina Lhawa
Pandero
De Santa Maria
Chamissa lachia
La galana y el mar
Gran dereit
Atini Naya
Aracha lfatan
Voi ch'amate

Mir kam es irgendwie mehr vor...

Teilweise waren die Songs, wie De Santa Maria oder Voi ch'amate, aus dem Repertoire von Estampie, teils von den CDs von L'Ham de Foc bekannt (z.B. Pandero), die restlichen, insbesondere die von Iman gesungenen, waren mir unbekannt. Irre waren die Lieder, bei denen sich Sigrid und Mara abgewechselt oder ergänzt haben: eine geniale Verbindung aus Sigrids eher hoher Stimme, Maras sehr kräftiger, eher tiefer, rauher Stimme. Iman trug hier selten zu den Liedern bei, sie war eher in eigenen Liedern, tw. ergänzt durch Aziz, zu hören. Ihre Stimme und ihre Hingabe in die Songs haben mich wirklich sehr beeindruckt, nicht so sehr, weil die beiden anderen mich weniger beeindruckt hätten, sondern vermutlich, weil ich sie einfach im Gegensatz zu Sigrid und Mara noch nicht live erlebt habe. Sie hat eine sehr kraftvolle Stimme, eine unglaubliche Bandbreite an Tonlagen, sie kann leise singen aber auch unglaublich laut und sieht beim Singen aus, als sei sie eins mit dem Song, würde komplett darin eintauchen. Und dabei sieht sie noch aus, als sei sie grade 18 geworden und man hat keine Ahnung, woher sie diese ganzen Töne und vor allem die Lautstärke herzaubert. Sehr, sehr eindrucksvoll.

Irre war natürlich auch wieder das "Trommelstück", das nochmal deutlich machen soll, dass natürlich auch zur damaligen Zeit das Zusammenleben der drei Kulturen nicht immer einfach und friedvoll war, sondern dass es auch hier schon das ein oder andere Mal mächtig geknirscht hat im Gebälk: Sascha hat mit vollster Inbrunst auf die große Trommel eingeprügelt, muss man da fast schon sagen, wirklich Schwerstarbeit. Unterstützt von Ernst und Michael ergibt dies ein sehr, sehr intensives Stück Musik.

Bilder hab ich gemacht, leider sind sie alle etwas unscharf geworden, weshalb ich nur obiges einblende. Es gibt aber schöne Links, die ich euch nicht vorenthalten will, die auch noch etwas mehr zum Hintergrund und natürlich zu den einzelnen Künstlern verraten. Vom ersten Link hab ich auch das einleitende Zitat übernommen. Ich kann abschließend nur noch sagen, dass es wunderschön war, sich auf jeden Fall gelohnt hat und dass mir dieses Programm fast noch besser gefallen hat als das "Marco-Polo"-Programm. Unbedingt ansehen!!!

Schöner Link: http://www.zenithonline.de/archives/592-Es-ist-unsere-Fantasie,-die-den-Orient-schafft.html

Nette Links zu Aman Aman (die auch die Instrumente zeigen) und zu L'Ham de Foc:

http://www.lhamdefoc.com/aman_catala/amanindex.htm

http://www.lhamdefoc.com/

Link zu Estampie:

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(c) bat 12/2007


foto (c) bat: Michael Popp  Estampie, 07.11.2008, Münster, Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Im Rahmen der Ausstellung Orte der Sehnsucht des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster wurde Estampie engagiert, den Part des Orients als Klang zum Ort der Sehnsucht zu übernehmen. In der Eingangshalle des Museums fanden sich vor der Bühne ca. 60 Leute ein, die es geschafft hatten, herauszufinden, wo man an Karten kommen konnte (10,-) und wann das Ganze überhaupt anfangen sollte.

Um 20:00 h ging's los mit dem Kurator, der eine kleine Einführungsrede hielt darüber, warum der Orient zu verschiedenen Zeiten immer wieder ein Ort der Sehnsucht für die westliche Welt gewesen ist.

Estampie kamen direkt danach auf die Bühne, Michael Popp, Sigrid Hausen, Ernst Schwindl, Sascha Gotowtschikow und eine junge Damen namens Sarah Newman, die neben Sigrid den Gesang übernahm und ab und an Fiedel spielte.

Michael übernahm wie immer die Vorstellung der Songs, ab und an gab's Kommenare von Sigrid oder Ernst. Sie spielten sephardische Lieder, die sie auch schon in den Konzerten mit Aman Aman und L'Ham de Foc gespielt haben (Andalusien, Bulgarien, Türkei...), ein Lied aus der Carmina Burana, Lieder aus Italien, eines aus dem Marco-Polo-Programm (Italien-Tadschikistan-Italien), Lieder zur Marienverehrung. Alles sehr, sehr schön, aber unmittelbar hab ich die Lieder nicht mit dem Thema Orient in Verbindung bringen können, nur mittelbar über verschiedene Einflüsse. War aber egal, das Publikum war begeistert! Einer der Zuschauer aus der ersten Reihe war diverse Male so hin und weg, dass er hinter die Stühle gerannt ist und sich wie ein Derwisch (das Programm hieß ja schließlich auch Orient ;-) ) gedreht und gedreht und gedreht hat.. sehr witzig.. fand irgendwie auch die Band, die doch das ein oder andere Mal schmunzeln musste ;-).

Es ging los mit La Morena, auch im Al-Andaluz-Programm enthalten. Sarah hat eine sehr schöne Stimme, sie erreicht die gleichen Höhen wie Sigrid, sie kommt allerdings auch in die tieferen Tonlagen, so dass sie teilweise diejenigen Teile der Songs übernommen hat, die im Al-Andaluz-Programm durch Mara Aranda oder Iman Kandoussi gesungen wurden. Teilweise hat auch Sigrid diese Stellen übernommen. Sie haben sich sehr schön ergänzt; die Stimmen und auch die Art zu singen ist sehr ähnlich. Im Vergleich dazu waren die Stimmen von Mara (L'Ham de Foc) und Iman mit typisch arabischem Einfluss im Programm Al-Andaluz sehr unterschiedlich zum "europäischen" Gesang von Sigrid. Damit haben sich diesmal die gleichen Lieder sehr anders angehört als beim letzten Konzert von Estampie Ende letzten Jahres.

Weiter ging's mit La galana y el mar und da dieses ebenfalls sephardische Lied neben dem, was der Titel schon hergibt, nicht viel mehr an Inhalt aufzuweisen hat (das sag nicht ich, sagt Michael Popp), haben Estampie es ergänzt um ein mittelalterliches Intro: Un vers de dreyt nien.

Danach ging's weiter mit Floret silva (deutsch und latein) aus der schon erwähnten Carmina Burana und einer philosophischen Anmerkung von Michael, dass es ja Hochdeutsch heißt, weil es in hohen Lagen gesprochen wurde und deshalb natürlich in Bayern und nicht etwa in den Niederungen von Münster, Hochdeutsch gesprochen werde... Naja, man hat ihm nicht so recht geglaubt, zumindest nicht in Bezug auf die heutige Zeit ;-). Danach Trotto und Los Caminos und zu guter Letzt vor der Pause ein Lied aus dem Marco-Polo-Programm / der CD Crusaders, startend in Italien und dann übergehend in einen Pferdetanz aus Tadschikistan (Mongolen und heilige Pferde): Gaudens in Domino/Pferdetanz.

Langsam aber sicher bewegte sich nun also das Lied mit dem Pferdetanz auf seinen Höhepunkt zu: fliegende Pferde in Form einer wahnsinnigen und unglaublich kraftzehrenden Performance von Sascha Gotowtschikow an der großen Trommel, die sie vor der Bühne links aufgebaut hatten. Nach einer Weile wurde Sascha durch Ernst und Michael unterstützt, Siegrid schlug die Schellen, Sarah konnte die Vorstellung mit dem Publikum zusammen genießen. Sehr beeindruckend. Vor allem Sascha, aber auch die anderen drei Trommler (und Schellenschlager) haben sich nach diesem Einsatz die Pause wirklich redlich verdient.

Nach der Pause - Hinweis an den Veranstalter: es wäre superschön, wenn man wenigstens irgendwas zu trinken bekommen könnte während der Pause.. ;-) - ging es weiter mit meinen beiden Lieblingsliedern Disse mi und Voi ch'amate, danach ein weiteres Marienlied aus den Cantigas de Santa Maria,diesmal etwas fröhlicher als voi ch'amate: A virgen muy gloriosa. Danach gab es wieder etwas für den "Derwisch", die Estampie V, damit Sigrid endlich mal wieder Flöte flöten konnte. Danach ein weiteres sephardisches Lied, bei dem sich Sarah und Sigrid abgewechselt haben, Sarah ähnlich kokett wie schon Iman im Al-Andaluz-Programm, das Lied über die Schwiegermütter Las suegras.

Michael erzählte noch ein wenig über Sarah, dass es erst ihr zweites oder drittes Konzert mit Estampie sei und dass sie noch ein Azubi an der Fiedel sei - was sie nicht wirklich verstanden hat (angeblich), aber aufgespießt hat sie ihn mit ihren Blicken trotzdem ;-).

Danach ein weiteres von mir sehr gemochtes Lied : Quantos me creveren mit Sigrid als Hauptsängerin und dem Rest außer Sascha als Chor. Zum Schluss noch Gran dereit, (aus dem Al Andaluz-Programm) beides wieder Lieder aus den Cantigas de Santa Maria.

Sie verschwanden nach ca. 2 h im Vortragssaal, kamen aber nochmal zurück und ließen sich noch bewegen, wengistens eine Zugabe zu geben: Non sofre Santa Maria. Danach kamen sie zwar noch zweimal, aber leider nur zum verbeugen. Schön war's, eher privat und selbst ein bisschen plaudern mit den Künstlern und CDs kaufen bei Ernst Schwindl war möglich, definitiv ein Vorteil daran, dass es vielleicht nicht gar so einfach war, herauszufinden, wo dieses Konzert denn nun tatsächlich stattfindet ;-).

Und bald ist ja auch schon der 24.11., an dem wir zumindest einen Teil der Herrschaften, Michael und Sigrid, zusammen mit Fil als Qntal wiedersehen werden.

(c) bat 11/08

Bild: (c) bat, Burgfolk 2007, Mülheim/Ruhr


foto (c) bat: Al Andaluz Project im Bhf Langendreer  Al Andaluz Project, 11.05.2010, Bochum, Bahnhof Langendreer

Zwecks Radioaufnahme gab sich das Al Andaluz Project, dessen zweite CD Al-Maraya (der Spiegel) die Ehre im Bahnhof Langendreer vor ca. 80 begeisterten Zuschauern und -hörern. Zu sehen gab es mal wieder die diversesten mittelalterlichen Instrumente, deren Namen ich mir nicht wirklich merken kann. Zu hören gab es Menschen, die diese Instrumente spielen können, nämlich Michael Popp (Estampie), der zudem auch noch sehr schön Geschichten zu den Liedern erzählen sowie singen kann, Ernst Schwindl (Drehleier, Gesang, ebenfalls Estampie), Sascha Gotowtschikow (Percussion, ebenfalls Estampie), Aziz Samsaoui (Quanun und andere Dinge, u.a. von der Formation Aman Aman), Jota Martinez (u.a. Drehleier). Nicht fehlen dürfen natürlich die drei Damen des Al Andaluz Projects, die jeweils eine bestimmte musikalische und kulturelle Richtung vertreten: Iman Kandoussi steht für die arabische, Sigrid Hausen (Estampie) für die christliche und Mara Aranda (L'Ham de Foc) für die sephardische Kultur. Und genau das macht dieses Projekt so faszinierend: ganz andere Stimmen, ganz andere Lieder und doch harmonisch vereint ;-).

Start um 20:15 h mit zunächst je einem Stück der jeweiligen Kulturen: zunächst Mara mit einem sephardischen Stück über zwei Schwiegermütter (el regateo de los consuegras) - findet sich - Achtung Werbeblock - natürlich auf der neuen CD Al-Maraya. Danach Iman mit einem arabischen Stück aus Syrien (ich glaube es war Nassam Alaina Lhawa) und danach dann Sigrid mit dem christlichen "Eingemachten", wie Michael berichtete, einem Stück über die Kreuzigung Christi aus Sicht seiner Mutter: voi ch'amate (ich glaube es ist von der Ondas). Das nächste Stück startete mit Aziz auf der Quanun (ich denk immer an ein Hackbrett, wenn ich das Instrument sehe, auch wenn es viel, viel komplexer ist und ich hab keine Ahnung, ob es eine oder ein Quanun ist), später stiegen dann die anderen in dieses "Pilgerlied" ein, auch die Damen. Ich glaube, es ist auf der ersten Al Andaluz Project CD zu finden: a virgen mui groriosa (?). Das fünfte Lied wiederum war ein sephardisches, ein Streitgespräch natürlich über Männer zwischen Mutter und Tochter, praktisch durchgeführt von Mara als Mutter und der 1984 geborenen Iman als Tochter: hija mia.

Das siebte war ein instrumentales, das in erster Linie von Sigrid an der Flöte und von Sascha an den Percussions bestritten wurde, Titel leider unbekannt. Das achte Lied war ein gemischtes mit entsprechend abwechselnden Liedanteilen erst von Sigrid mit einer cantiga, dann von Mara mit dem entsprechend sephardischen Teil und zum Schluss Iman mit einem arabischen - bestimmt eines der Stücke der neuen CD, vielleicht war's Lied Nr. 12? Des oge mais quer' eu trobar - Yo me levantaria - Insiraf Btahyi garibat el hussein, aber das ist nur eine Vermutung auf Basis des Titels...

Danach eine Neufassung des L'Ham de Foc Songs Pandero von Mara.

Pause um 21:10 h. Sehr nette Stimmung, sehr anderes Publikum als sonst, sehr idyllisch weil so klein. So hätt ich's gerne immer - kann sich allerdings für die Band nicht wirklich rechnen, also wünsch ich mir für sie natürlich ausverkaufte Konzerthäuser ;-).

Weiter ging's um 21:30 h mit einem weiteren Song, bei dem wir in den Genuss aller drei Sängerinnen kamen, name leider unbekannt, aber bestimmt neu, kannte ich jedenfalls noch nicht.

Lied Nummer 11 war dann ein arabisches, übersetzt - ins spanische - noches maravillosas (die wunderbaren Nächte) - dürfte dann also Lied Nr. 4 der Al-Maraya gewesen sein. Lied Nr. 12 war ein sephardisches aus Istanbul mit einem Text, der vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt - die Sachen, die Michael über den Takt dieses Liedes sagte, kann ich nicht wirklich wiedergeben, war aber ausgesprochen spannend - und absolut unverständlich für nicht-Eingeweihte, hat ihm sichtlich Spaß gemacht, das zu erzählen ;-). Dann schwiegen alle Instrumente, es wurde geklatscht - sehr unterschiedlich geklatscht, wenn ich wie Sigrid eines der beiden anderen Mädels angeschaut hätte, wäre ich sofort aus dem Takt geraten... Ich liebe dieses Lied: quantas me creveren (auch von der ondas, ohnehin meine Lieblings-Estampie-Platte). Das nächste war wieder durch den Gesang von Mara und Iman geprägt, Sigrid unterstützte mit Flötenspiel und ebenfalls mit Gesang - auch eines der neuen Lieder, welches, weiss ich beim nächsten Konzert.

Lied Nr. 15 war La Morena, die Dunkle, ein Lied über eine Frau, die am Hafen spazieren geht und von den Seeleuten gefragt, wird, ob sie nicht mit ihnen geht. Sie aber will nur einen Königssohn. Mara als Hauptsängerin, unterstützt von den beiden anderen.

Bevor es weiterging, hat Michael zunächst mal alle Musiker außer sich selbst vorgestellt, um dann überzuleiten zu einer weiteren Cantiga, vorgetragen durch Sigrid (kannte ich, irgendwas mit a cantar und gloriosa). Das Ganze endete um 22:20 h - aber wir waren hartnäckig und die Musiker gnädig. Es ging also weiter mit noch zwei weiteren Geschichten und Liedern, zuerst La Mare (oder so) und Mara und dann einer eigenartigen Geschichte von 12 Pilgern und 12 Schnitzeln - manchmal ist es echt gut, dass ich nicht sehr bewandert bin in lateinischen und anderen alten Sprachen ;-): Non sofre Santa Maria.

Ein geniales Konzert, das leider um 22:35 h endete.

Wie immer: gerne wieder!

Bilder (c) bat, hoffentlich mit Genehmigung der Musiker.

(c) 05/10 bat

foto (c) bat: Gruppenfoto Estampie foto (c) bat: Imam, Sigrid, Mara


foto (c) bat: Gruppenfoto  Al Andaluz Project, 24.03.2012, Bochum, Christuskirche

Das Al Andaluz Project war wieder auf Tour. Dies sind Michael Popp (Estampie), der zudem auch noch sehr schön Geschichten zu den Liedern erzählen sowie singen kann, Ernst Schwindl (Drehleier, Gesang, ebenfalls Estampie), Sascha Gotowtschikow (Percussion, ebenfalls Estampie), Aziz Samsaoui (Quanun und andere Dinge, u.a. von der Formation Aman Aman), Jota Martinez (u.a. Drehleier) sowie die drei Damen des Al Andaluz Projects, die jeweils eine bestimmte musikalische und kulturelle Richtung vertreten: Iman Kandoussi steht für die arabische, Sigrid Hausen (Estampie) für die christliche und Mara Aranda (L'Ham de Foc) für die sephardische Kultur.

Die Kirche war leider nur zu drei Vierteln gefüllt, keiner weiß warum. Michael Popp führte wieder durchs Programm - das sich leicht von dem unterschied, das das Programmheft aufwies. Ich bin gespannt, ob ich die Songs alle zusammen bekomme.. Estampie ist irgendwie einfacher. Also, Start mit Morena um 20:00 h - allerdings, oh Wunder, sehr leise, obwohl Mara doch eine durchaus sehr starke Stimme hat. Die Instrumente hörte man gut, aber ihre Stimme war dagegen recht leise. Denn: sie war nicht verstärkt. Keine Mikros weit und breit. Für die Instrumente wie gesagt kein Problem, die Damen waren, wenn sie alle drei gemeinsam gesungen haben, auch gut verständlich, auch jede der drei, wenn nicht alle Instrumente gleichzeitig gespielt haben.. aber wenn es das volle Instrumentenprogramm gab und nur eine singen sollte war es doch leise...und ich saß in der 4. Reihe! Des Rätsels Lösung kam erst nach der Pause mit der Anmerkung von Michael, dass er, da er in der Pause wohl darauf angesprochen worden war, gerne auch was über die Instrumente erzählen würde (naja, eigentlich sagte er: nicht so gerne, wurde aber völlig vom Publikum ignoriert und irgendwie hab ich ihm das auch nicht so richtig abgenommen ;-)). Zuvor wolle er aber erzählen, dass sie unverstärkt spielen würden, weil der Veranstalter das Geld für das Equipment sparen wollte. Geht echt gar nicht!! Zu verdanken sei es dem Pfarrer, dass der Auftritt überhaupt stattfinden konnte. Versteh ich nicht, aber wer nicht will... der Bahnhof Langendreer würde sich bestimmt freuen, wenn sie das nächste Mal stattdessen halt dort auftreten würden. Andererseits.. das mit der Kirche als Ambiente ist schon schick. Geprobt hätten sie es auch noch nie - hörte man, fand ich, zumindest in der ersten Hälfte. In der zweiten war es in jedem Fall besser eingespielt.

Aber ich war ja erst am Anfang. Nach Mara und Morena ging es weiter mit Imam und Nassam alaina lhawa, sehr schön, aber auch hier auffällig leise und das von Imam! Nach dem sephardischen und dem arabischen Teil kam nun der christliche: Sigrid mit Voi ch'amate, auch hier etwas leiser als gewohnt, ihre Stimmlage hat sich aber irgendwie gegen die Instrumente besser durchsetzen können - vielleicht war auch einfach das Lied so gestrickt, dass die Instrumente im Vergleich leiser waren. Diese durften dann so richtig ran, ein Instrumentalstück, die Estampie V. Danach ein Lied über einen Erbschleicher, der einer Frau schöne Augen macht, aber eigentlich nur an ihre Mitgift will - hier durften Sigrid, Mara und Imam gleichzeitig zeigen, was sie können, super: los Caminos de Sirkeci. Danach ein orientalisch/türkisch angehauchtes: Dezilde a mi amor. Danach muss ich passen, es war nicht das im Programm stehende Non sofre Santa Maria, das kam erst später. Ich glaube, es könnte gran dereit gewesen sein, jedenfalls irgendwas mit gloriosa. Im Anschluss Pause, ca. 21:00 h bis 21:20 h. War sehr interessant, die Musiker, insbesondere Sigrid, plauderten mit Bekannten im Publikum, Ernst Schwindl beantwortete Fragen zu seinem Instrument, diverse Menschen standen staunend vor Oud, Drehleiher und Lauten. Folglich kam es wohl zu Michaels Angebot, die Instrumente doch nochmal einzeln vorzustellen - nicht klatschen, die Musiker stelle ich später noch vor. Na gut ;-). Die Damen, die schon gesangsbereit auf der Bühne standen, setzten sich erstmal wieder ;-). War super-interessant, war aber gar nicht sooo lang. Sigrid war zufrieden.

Start der zweiten Hälfte mit irgendeinem, das ebenfalls nicht im Programm stand und das mit einem tollen Solo von Aziz Samsaoui begann, irgendwas mit Santa Maria und den drei Damen, die zwischendrin als zusätzliche Instrumente in die Hände klatschten, jede anders. Vielleicht de Santa Maria? Danach la galana y el mar (Sigrid und Mara) und dann, sehr spannend, Mara, die eine Ansage machte, zunächst auf Deutsch (freue mich in Bochum zu sein) und dann auf englisch, wo sie vom nächsten Stück und ihren Vorfahren erzählte: Pandero. Danach hat Imam das gleiche gemacht - auf deutsch! - mit Al garnati. Danach Zwiesprache der Schwiegermütter: es regateo de Las Consuegras. Danach erzählte Michael, dass sie das nächste Stück schon seit mindestens 25 Jahren spielen würden, wenn nicht noch länger: Trotto, sehr, sehr nett, wohl aber gar nicht mal so einfach. Danach noch a virgen mui generosa und dann Schluss um 22:30 h. Die Zugaben kamen schnell mit einem Lied von Mara und Imam, leider keine Ahnung, was es war, vielleicht hija mia? Direkt danach dann das grade schon erwähnte Non sofre Santa Maria und wie zuvor von Michael angekündigt, verschwanden sie nach diesen zwei Liedern wieder. Zwischenzeitlich hatte er übrigens auch die Musiker vorgestellt und bei einem der Lieder, bei denen sie alle singen, auch versucht Aziz Samsaoui, der virtuos das Quanun spielt, zum singen zu überreden, allerdings nicht wirklich erfolgreich. Sie verschwanden, kamen wieder und gaben nochmal dieses geniale A-capella-Stück zum Besten, bei dem Sigrid einfach anfängt zu singen und alle anderen einfallen: Quantos me creveren. Sehr genial und hier hat sich dann endlich auch Aziz zum singen überreden lassen, was begeistertes Knuffen und Knuddeln von Michael und verschämtes Grinsen von Aziz nach sich zog. Danach nochmal Verbeugung und leider Schluss um 22.40 h. Sehr sehr schön, die zweite Hälfte gesanglich besser als die erste, grundsätzlich überhaupt ganz toll, aber verstärkt gefallen mir die Damen im Zusammenspiel mit den Instrumenten doch besser - und sie haben nicht grade leise Stimmen! Aber gut, dass es überhaupt stattgefunden hat, egal ob mit oder ohne Mikro. Immer wieder, allerdings vielleicht dann doch über einen anderen Veranstalter oder an einem anderen Ort?

(c) bat 03/2012

foto (c) bat: Imam, Sigrid, Mara, Jota, Ernst foto (c) bat: Aziz und Michael
foto (c) bat: Sascha


foto (c) bat 10/13: Gruppenfoto ohne Ernst Schwindl  Al Andaluz Project, 26.10.2013, Bochum, Christuskirche

Ich habe es wieder gewagt und dieses Mal war wohl wieder genug Geld da, jedenfalls gab es wieder Mikros und alles, was dazu gehört, nicht so wie beim letzten Mal 2012. Also: Das Al Andaluz Project ist wieder auf Tour, dieses Mal mit der neuen CD und dem entsprechend neuen Programm "Salam"; der andalusische Musikraum wird dieses Mal ausgeweitet bis nach Frankreich. Das Projekt besteht noch immer, wie auch schon beim letzten Mal aus Michael Popp (Estampie), Ernst Schwindl (Drehleier, Gesang, Estampie), Sascha Gotowtschikow (Percussion, Estampie), Aziz Samsaoui (Quanun und andere Dinge, u.a. von der Formation Aman Aman), Jota Martinez (u.a. Drehleier) sowie den drei Damen des Al Andaluz Projects, die jeweils eine bestimmte musikalische und kulturelle Richtung vertreten: Iman Kandoussi steht für die arabische, Sigrid Hausen (Estampie) für die christliche und Mara Aranda (L'Ham de Foc) für die sephardische Kultur. Besonders auffällig war dieses Mal, dass Michael nichts über die eingesetzten Instrumente erzählen durfte (siehe dafür aber Konzert aus 2012) und dass er es geschafft hat, dieses Mal alle ans Reden zu bringen, Sigrid sogar relativ häufig, aber auch alle anderen - bis auf Sascha, hier braucht es wohl noch ein bisschen Überzeugungsarbeit oder als eines der zu spielenden Stücke das Wessobrunner Gebet, dann _muss_ er einfach ran ;-).

Start also pünktlich um 20:00 h vor der leider nur maximal halb (150 Leute?) gefüllten Kirche mit Michael und der Vorstellung des ersten Lieds, sephardisch, gesungen von Mara (mit Kastagnetten): Petenera (Salam). Weiter mit Sigrid, die ein provencalisches Lied vorstellte über eine Frau, die am Meer steht und es nach ihrem Freund befragt, der wohl nicht zurückkommen wird: la mar (Salam). Als nächstes ein arabisches Instrumentalstück, ergänzt um einen Gesangsteil von Iman: Nwba Rami Maya, Ritmo Btayhi, ebenfalls von der neuen CD. Damit zunächst einmal alle Kulturen und Frauenstimmen vorgestellt. Danach eines, das eine alte Melodie hat, aber neu betextet wurde, von einer Frau mit sephardischen Wurzeln über ein Erdbeben in Saloniki, voller Emotionen und doch fast wie ein Reporter, erzählte Michael: Cantiga del fuego (Mara, sefardi, Salam). Weiter mit Sigrid und "Es war einmal"; ein Lied über eine Burg, eine Frau, die im Sterben liegt und ihrem Liebsten, der herbei eilt und doch zu spät kommt, ein wenig wie der Erlkönig: Un castel / Improvisation Iman (?) (Sigrid und Iman). Danach ein Instrumentalstück, viel Flöte von Sigrid (Michael erzählte übrigens, dass es ganz schrecklich sei, auf eine Messe von Blockflötenbauern zu geraten, da seien ganz viele Mädels, die die ganze Zeit rumflöten würden, schlimm ;-)): Trotto (von der Abuad Al Andalus); Sascha hier in Höchstform! Danach eine arabisch/sephardische Co-Produktion, beides Hochzeitslieder - Mara mit Iman - und Sigrid mit Flöte - Name? keine Ahnung. Dies war das letzte Lied vor der Pause um 20:50 h. Weiter ging's um 21:15 h mit - Mara! - die auf englisch ihren nächsten Song ankündigte (mit etwas Schützenhilfe von Michael - Party/Feier war das gesuchte Wort und es ging um ein klassisches Instrument, das Pandero (von der Deus et Diabolus - und auch auf der Cor de Porc von L'ham de foc zu finden). Dann hat sich Iman getraut, ihren song vorzustellen - auf deutsch - "singender Song": Amoulati, aus ihrer Heimatstadt Tetuán (Salam). Danach wieder Sigrid mit einem Lied über etwas, das es schon immer gab und immer geben wird, die Liebe: Die Liebe brennt: den Titel muss ich nachliefern. Song im Mix mit Iman. Die Stimmen in der ersten Hälfte trotz Verstärkung ab und an etwas zu leise, zumindest wenn alle Instrumente gleichzeitig gespielt haben. In der zweiten Hälft besser. Lied Nr. 11 wieder ein sephardisches, diesmal von Michael vorgestellt, irgendwas mit einer Frau, die sich zwischen zwei Männern nicht entscheiden kann (Mara, Sigrid mit Flöte): Song muss ich nachliefern. Lied Nr. 12 hat wieder Iman vorgestellt, eines das eigentlich aus Granada kommt, aber jetzt angepasst auch viel in ihrer Heimat gesungen wird ("Musik, die von der Liebe spricht"): Start nur mit Aziz und dem "Hackbrett", danach Gesang von Iman, danach Einsatz auch aller anderen. Ein wunderschönes Lied! Moaxaja (Salam)?. Danach eines der beliebten Lieder: jeder klatscht anders, Sigrid singt abwechselnd mit allen anderen und Sascha darf trommeln: dieses Mal ein neues, nämlich Madre de Deus, sehr beeindruckend! Nun, zum letzten Lied stellt Michael die Leute vor und wird selber durch Sigrid vorgestellt: der Mann mit dem leichten Blockflötentrauma: Michael Popp ;-): a virgen muy groriosa (von der Abuad Al Andalus - und von Estampie). Schluss mit dem Hauptteil um 22:10 h. Zugaben: La morena, das mit dem sie sonst immer angefangen haben (Mara). Und sie haben sich überreden lassen, noch eines zu spielen: ganz neu, sagte Michael, hörte sich aber schon mehrfach geprobt an, zumindest für meine ungeübten Ohren. Und übergab zur Einführung an Ernst! ;-) Ja, auch er musste ran und erzählte nur, dass es sich um einen französischen König handele -was irgendwie auch der Titel El rey de Francia verrät - der 3 Töchter hatte, die alle ein unterschiedliches Schicksal erlitten hätten, welches, sei unbekannt. Schluss mit Verbeugung um 22:20 h. Gerne wieder, immer wieder sehr, sehr schön, egal in welcher Zusammenstellung auch immer.

PS: irgendwo war glaub ich noch Esterika sefartí, ich muss nochmal in mich gehen bzw. die Salam noch häufiger hören, um rauszufinden wo.

Was ich nur nicht verstehe, ist, warum Estampie die Kirche voll macht und Krasia oder Al Andaluz nicht!? Geht hin, das ist soooo toll!!!! ;-)

(c) bat 10/2013

foto (c) bat 10/13: Michael
foto (c) bat 10/13: Mara
foto (c) bat 10/13: Ernst
foto (c) bat 10/13: Aziz
foto (c) bat 10/13: Iman foto (c) bat 10/13: Iman, Sigrid, Mara

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