Bild grüner Drachenkopf Galahad, Dietrich-Keuning-Haus, Dortmund, 28.02.1998

Nach stundenlangem Parkplatzsuchen kamen wir abgehetzt am Keuning-Haus an, sind einmal komplett drum- herum gelaufen und haben dann doch noch einen kleinen Seiteneingang entdeckt, an dem das Galahad-Plakat pappte. Ich war ein wenig erstaunt über das Publikum, ganz normale Leute (;-) ) jeden Alters, d.h. zwischen 50 Jahren und 5 Monaten ;-) Immerhin war ich davon ausgegangen, daß es sich eher um mittelalterliche Musik handeln würde, da ich nur die Beschreibungen eines Bekannten und ein Lied von einem Mittelalter/Gothic -Sampler als Anhaltspunkte hatte. Insgesamt waren es vielleicht so an die 80 Personen, an Tischen sitzend. Nun ja.

Dann kam ein Gitarrenduo namens Alvina, bestehend aus den Geschwistern Sabine (29) und Gerd (31) Twieling aus Lünen (wobei ich bei ihrem Alter nicht ganz verstehe, warum Gerd zwischenzeitlich mal erwähnte, sie seien in den 50er bzw. 60er Jahren aufgewachsen, aber egal). Dieses Duo spielte nun also irgendwelche Coverversionen von Leuten, die es wohl in seiner Jugend mal toll gefunden haben muß. Los ging's mit "Whiskey in the jar", ganz nett, wäre aber besser gewesen, wäre die Stimme ein wenig 'dreckiger' gewesen und der Vortrag weniger 'brav' - ich hab immer noch den Vergleich von Rev Hammer von einem Red Sky Coven Gig im Ohr gehabt ;-) Dann Sachen von Bob Dylan und John Denver, na ja, sie hatte eine tolle Stimme, er ging daneben ein wenig unter. Die Gags, die sie machten, waren überflüssig und peinlich, ebenso wie die deutschen, selbstge- schriebenen Lieder (was mit einem Marionettenmenschen und irgendwas mit Freundschaft, die es ja nicht mehr gebe). Zum Weglaufen. Einfache Weisheiten, übriggeblieben aus der 68er Generation, verpackt in endlos erscheinende Lieder. Auf einer Friedenskundgebung anfang der 80er, vielleicht zusammen mit Nicole, die 'ein bißchen Frieden' singt, wären sie sicher gut aufgehoben gewesen. Hier allerdings weniger. Wenn ich mir Galahad nochmal ansehen sollte, werde ich eine Stunde später kommen ;-) Obwohl die Stimme von Sabine echt gut war.

So gegen neun begannen die Musiker von Galahad. Zwischenzeitlich hatte ich eine Postkarte entdeckt mit wild gemusterten Leuten, 6 an der Zahl, eine Frau konnte ich auch nicht sofort entdecken, dabei war doch das, was ich so genial gefunden hatte, die Stimme der Frau gewesen! Zwei Herren wirkten doch eher schon etwas gesetzter, einer hatte was von einem 68er Hippie, mit längeren grauen Haaren, die anderen drei 'Mittelalter' - also so um die Mitte bis Ende 30 ;-) und nach längerem Hinsehen entdeckten wir doch auch die Frau ;-) Auf der Karte stand Dinslaken als Herkunftsort und ich war nach der Vorband absolut überzeugt, daß es sich um eine Namensver- wechslung handeln mußte und daß die Band, die ich von dem Miroque-Sampler kannte, auf gar keinen Fall diejenige sein könnte, die im Anschluß aufzutreten gedachte.. zumal ich zwischenzeitlich erfahren habe, daß wohl der Folk-Club zu diesem Konzert geladen hatte...

Das Konzert begann jedoch mit Ancient Days, dem einzigen Lied, das ich von der Band namens Galahad kannte, die ich auch sehen wollte, also Entwarnung, es waren doch die richtigen :-)

Ziemlich schräge Gestalten, gar nicht mittelalterlich. Wie gesagt, das war es, was ich eigentlich erwartete. Von Qntal oder Estampie oder auch von Corvus Corax war ich da ja doch etwas authentischere Kleidung gewohnt: Peter Huntenburg, der oben erwähnte grauhaarige Sänger und Bassist, trug ein Oberteil aus schwarzem Leinen, bestickt mit bunten Blümchen und Straßsteinchen (entweder orientalisch oder aber vielleicht irisch ) und eine hellblaue, viel zu große und vor allem viel zu lange Jeans, mit einer Friedenstaube auf dem Bass, Paul Alexander Jost, der andere Sänger und Querflöten-bzw. Mandolinenspieler trug eine schwarz-weiß längsgestreifte enge Hose, ein Jeanshemd und - als einziges 'mittelalterliches' Kleidungsstück hohe Stiefel aus braunem Wildleder, so wie man sie immer auf Abbildungen des Rattenfängers von Hameln sieht. Der Gitarrist Dieter Horlitz, zwischen Mitte 40 und 50, trug einen grauen Frack, ein rosa Hemd und Turnschuhe, der Drummer ein Fishbone-T-shirt, der Mensch, der den Synthesizer spielte und der bei einigen Stücken wirklich eher überflüssig war - eine Hose in pink, die doch stark an einen Pyjama erinnerte und die Sängerin Ulrike Koberg, die noch sehr jung wirkte, eine schwarze enge Hose mit einem weißen Streifen an der Seite und ein Seidenhemd. Ihre Stimme hat mich absolut beeindruckt, direkt beim ersten Ton von Ancient Days war ich hin und futsch, live ist sie noch besser als von CD, weil einfach noch ihre Ausstrahlung, der Spaß, den sie an der Sache hat, zusätzlich entsprechend wirkt. Die etwa 16 Stücke, die sie in den nächsten zwei Stunden spielten - Zugaben nicht mitgerechnet - , waren eine wilde Mischung aus Irish and English folk (Star of the County Down, Drunk as drunk can be als Beispiele), mittelalterlichen Stücken vermischt mit moderneren Elementen, aber immer mit Querflöte und/oder Mandoline und Rock a la Jethro Tull - der mir weniger gefiel. Von letzterer Art gab es auch einige Instrumentalstücke, die irgendwie kein Ende zu nehmen schienen. Instrumentales gab es aber auch mit Querflöte und/oder Mandoline, als Rückgriff auf irisches Liedgut. Und es gab zwei deutsche Stücke mit Texten von Michael Ende - die Narrenprozession und Trödelmarkt der Träume - die mir eigentlich auch ganz gut gefielen - was aber maßgeblich an dieser genialen Sängerin lag - und daran, daß ich die Geschichten von Ende eh mag ;-) Peter, der grauhaarige Bassist, erzählte zwischenzeitlich Geschichten, so zum Beispiel, daß es ja heutzutage wirklich schwierig ist, noch Jungfrauen zu finden und daß es eben in der guten alten Zeit noch Drachen und Jungfrauen gegeben hätte... ach ja, damals... ;-) Aber auch damals war das mit den Jungfrauen nicht mehr gar so einfach, aber da hatte man dann als edler Ritter immerhin noch die Möglichkeit, mal eben in den nächsten Wald zu reiten und einen Drachen zu töten, und schwupps hatte man eine Jungfrau, sofern das Dorf auch wirklich nicht gemogelt hatte... und wenn doch, dann machte sich so eine Drachentötung ja schließlich auch gut im Lebenslauf ;-) Dann erzählten sie noch ein wenig von Sir Lancelot und seiner Liebe zu des Königs Frau und von der Lady of Corvic, die den Ritter vom See ebenfalls heiß und innig liebte und die ihn deshalb ihr Schloß gelockt hatte, unter dem Vorwand, sie sei Guenivere. Er genoß die Nacht, war des Morgens zwar ein wenig enttäuscht, aber na ja, und sie war schwanger mit dem letzten Gralshüter Galahad, dem Namensgeber der Band. Danach folgte ein Lied über diese Geschichte und zwar teilweise als dreistimmiger Kanon. Echt klasse. Später als Zugabe kam sowas nochmal - Waters of Babylon - , da allerdings a-capella und mit dem Kommentar, daß man das vielleicht doch nochmal hätte üben sollen ;-))) Ulli sang als Zugabe auch noch ein Lied nur mit Gitarrenbegleitung und eines völlig allein, schon genial diese Stimme!!! Außerdem hatte die Frau einen absoluten Spaß an dem Auftritt, sie strahlte die ganze Zeit und tanzte ausgelassen rum, war echt ansteckend. Ging nur leider nicht, wegen der Stühle und Tische, die im Weg standen. Letzte Zugabe war dann ein Lied von Jethro Tull, Locomotive Breath, hat mir aber nicht so gut gefallen, ebenso wie die Lieder, die doch einen deutlicheren Einschlag in diese Richtung erkennen ließen. Den Synthesizer fand ich ziemlich überflüssig, vor allem wenn er Flötentöne von sich gab als Ergänzung zum Querflötenspiel von Jost oder Mandolinentöne, wenn er Mandoline spielte und damit die echten Instrumente fast überlagerte ;-( Insgesamt war die Beschreibung der Zeitung mit dem Folk und dem Rock und den klassischen Elementen doch ziemlich zutreffend, der Mittelalterbezug war nicht gar so ausgeprägt, es sei denn in den Texten der Lieder über die Ritter der Tafelrunde.

Lieder, soweit ich mich erinnere: Ancient Days, Die Narrenprozession, Waters of Babylon, Rosalie's Dance, The Star of the County Down, The Minstrel and the Maiden, der Trödelmarkt der Träume, Jonny Boy, When she dance, Dragons, Kights and Virgins, The Lady of Corvic, Who's blind, Experience, The Ring, The Return of the Piper, Gaudete, Evening Song, Friday night at home, Master of Puppets, Locomotive Breath.

© bat, 1998, Dank an Martin Vogel


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