offizielles Foto des leider mittlerweile verstorbenen Jeff Healey The Jeff Healey Band, Live Music Hall, Köln, 21.10.2000

Jetzt war ich doch wieder in der Halle, in die ich möglichst nie wieder wollte, weil ich diese Rauswurf-Hauruck-Aktion am Ende des Del Amitri Konzerts vor 2 Jahren so bescheiden fand - und diese Vorgehensweise hat sich im übrigen nicht verändert ;-(

Aber: Jeff Healey war zu Gast und ihn wollte ich schon immer mal live spielen sehen.

Als wir ankamen - gegen 19:20 h - war die Vorband schon fast fertig. Ich nehme an, John Brann wird bereits gegen 19:00 h gestartet haben. Pünktlich zum auf der Homepage vermerkten Einlasszeitraum. Ganz schön früh. Aber schließlich war ja Samstag und im Anschluß war noch Disco angesagt. Im Grunde war die Idee, früher anzufangen, gut, eben genau das, was ich letztlich bei Clan of Xymox in der Matrix noch bemängelt hatte - aber man hätte es besser publik machen müssen - Vorbands seh ich mir nämlich auch ganz gern an, manchmal kann das wirklich inspirierend sein ;-)

Die zwei Songs, die wir von John Brann noch mitbekommen haben, waren netter amerikanischer Rock, nichts, was mich besonders beeindruckt hätte, aber nett und gut zum Anheizen des Publikums, das im übrigen reichlich gemischt war, nicht nur vom Alter, sondern auch von den Typen her, wirklich interessant.

Um ca. 19:40 h war dann Schluss für die Vorband und die Umbauten für Healey und Band begannen. Und weil dort so viele Leute waren, die viel zu groß waren um so weit vorn zu stehen, haben wir gesehen, daß wir noch weiter nach vorn kamen ;-)

Trotz der sehr gut gefüllten Halle gab's auch direkt vorn kein Gedrängel, sondern man konnte entspannt stehen und der Jeff Healey Band - insbesondere natürlich Leadgitarrist und Mittelpunkt der Band und der Bühne, Jeff Healey selbst - fasziniert zusehen und zuhören.

Um Punkt 20:00 h ging es los. Rechts auf der Bühne, direkt vor uns, stand Bassist Joe Rockman, zeitweilig mit Brille, Haare kürzer als früher, stand ihm wirklich gut ;-), dahinter zentral die Drums von Tom Stephen, der die ganze Zeit mit Sonnenbrille spielte... Schräg vor ihm dann Jeff Healey, ganz in schwarz gekleidet und anfangs sowie zwischendrin stehend, vor sich das Mikro und eine Art Pult, auf der die Gitarre lag, die Healey mehr wie ein Piano spielt als wie eine Gitarre. Er übrigens ohne Sonnenbrille... Links neben ihm ein weiterer Gitarrist, der meist Rhythmusgitarre, zwischendrin aber auch mal im Wechsel mit Healey Leadgitarre spielte und dabei komische Verrenkungen anstellte. Jeansklamotten, lange blonde Haare, noch ziemlich jung, Name: Phillip Sayes, wenn ich Jeff richtig verstanden habe.

Los ging's wie gesagt um 20:00 h und zwar mit My little girl (See the light). Danach ohne Kommentar das erste Lied der neuen CD "Get me some": Which one of you. Diese beiden Songs spielte Jeff im Stehen, wie schon erwähnt. Danach ein kurzer Umbau und als er dann auf dem Stuhl Platz genommen hat, die Gitarre auf dem Schoß, fing er an zu reden. Sie würden jetzt Live Musik spielen in der Live Music Hall, würde ja auch nahe liegen bei dem Namen... An ihm ist echt ein Entertainer verloren gegangen ;-)

Der nächste Song war Love is the answer, ebenfalls neu. Jeff verkündete, daß sie einige 'tunes' von der gerade erwähnten neuen CD spielen würden, daß sie aber auch einige alte songs ausgraben und abstauben würden (digging out and dusting off ;-) )

Die ganze Zeit beherrschte Healey das Geschehen, er gab die Kommandos, wann Songs zu Ende waren (gab für alle sichtbare Zeichen, wenn er seine Improvisationen zu beenden gedachte), er bestritt die Unterhaltung, witzig, ironisch, sympathisch. Wenig sichtbar waren die beiden übrigen Mitglieder der Jeff Healey Band, sie wirkten ein wenig abwesend, was ich schade fand. Healey fragte ab und an nach, ob sie noch da wären: are you having fun? Zumeist natürlich, wenn es wieder losgehen sollte, und wenn er vorher mitbekommen hatte, daß sie irgendwas an ihren Instrumenten bastelten. Aber auch dann gab's keine Kommentare, sondern nur kurze Töne von den jeweiligen Instrumenten. Die meiste Zeit saß Healey, die Gitarre (bzw. die diversen Gitarren, die ein netter junger Mann, der auch für Getränke und Umbauten zwischen Gitarrenhalter und Stuhl zuständig war, reinreichte) auf dem Schoß. Das, was er mit dieser Gitarre durch seine vollkommen andere Spielweise machte, war einfach irre, muß man einfach gesehen haben - und gehört, was denen, die mehr Ahnung vom Gitarrespielen haben als ich, sicherlich ausreicht, um beurteilen zu können, wie außergewöhnlich das ist, was Healey tut. Nur auf einer CD oder irgendwo hinten in der Halle hätte mich als Laie das Ganze längst nicht so beeindruckt wie so, als ich die Möglichkeit hatte, mir dieses irre Spiel seiner Finger auf der Gitarre anzusehen.

Bei einigen Songs sprang er auf, hopste auf der Bühne auf und ab, einmal warf er sich sogar auf die Erde auf den Rücken und spielte weiter, Wahnsinn. Wenn er steht, sieht seine Art, die Gitarre zu halten, ungewohnt aus. Wenn er sitzt oder die Gitarre auf diesem Ständer liegt, ist es einfach nur faszinierend. Vor allem, wenn er mit der einen Hand spielt, während er mit der anderen mal eben kurz einen Becher Wasser leert! ;-)

Rhythmusgitarrist Philip spielte auch beeindruckend, vor allem, wenn er mal den Lead-Part übernehmen durfte. Aber auch hier stand er die meiste Zeit links von Jeff und beobachtete dessen Gitarrenspiel. Einen Song - es können auch zwei gewesen sein, die fließend ineinander übergingen, das hab ich nicht unterscheiden können - durfte er dann auch singen. Healey beschränkte sich zunächst auf den Rhythmuspart, zwischendrin wurden die Rollen getauscht, gegen Ende gab es eine wilde Session, absolut irre. Der Gesang von Sayes - ich glaube, das Lied war No woman no cry - hat mir allerdings nicht so sehr gefallen, am Ende der Worte oder Zeilen immer etwas 'leierig', nölig, jammernd. Bei diesem Song hat er dann auch mal die Bühnenseiten getauscht, hat die Gitarre über den Kopf gehalten, was man so macht um Leute zu beeindrucken ;-))

Genial an Healey fand ich, wie er auf die Leute eingegangen ist, auf ihre Zwischenrufe, Songwünsche etc. Irgendwie hat er uns so lange raten lassen, bis das Lied genannt wurde, das er sowieso spielen wollte, hat uns aber im Glauben gelassen, sich gerade von dem erfolgten Zuruf beeinflussen zu lassen. Einmal ist das sicher auch so gewesen, aber dazu später mehr. Da soll Justin Sullivan nochmal behaupten: "Musiker, die zu lange auf Bühnen gestanden haben, sind halb taub und verstehen die ganzen Zwischenrufe sowieso nicht". ;-)

Nun weiter zu den Songs. Nach den oben erwähnten dreien kam ein Song, zu dem ich einfach sagen würde: just blues. Wirklich genau das, was man sich unter Blues so vorstellt. Den Titel weiß ich leider nicht, irgendwas mit Where my baby...

Danach das Lied, das ihn hier vielleicht bekannt gemacht hat Ende der 80er, anfang der 90er Jahre: Confidence man (see the light). Sprung zurück zur neuen CD: I tried. Hier begannen mitten vor der Bühne einige Leute lautstark mitzugrölen. Jeff fügte sich und zählte am Ende des Songs, wo das I tried mehrmals wiederholt wird, für sie, so daß sie, wenn sie schon falsch sangen, dann wenigstens den richten Zeitpunkt erwischten ;-) Hat sich gut schräg angehört, was Healey auch mit einem ironischen Kommentar anmerkte ;-) Danach noch ein song von der neuen CD, die mir im übrigen sowohl auf CD als auch live ausgesprochen gut gefällt: My life story.

Und dann ein Song der Kategorie: digging out and dusting off: ein Cover, das sie damals eingespielt haben, als sie die Cover to Cover aufgenommen haben. Aber das keinen Zutritt auf die CD erhalten hat: Like a hurricane (Neil Young/The Mission). Fand ich absolut genial.

Danach kam dann wie oben schon beschrieben der Einsatz unseres Gastgitarristen: "Ladies and Gentlemen: Philip Sayes!" mit No woman no cry. Wie erwähnt kann es sich hier auch durchaus um zwei songs gehandelt haben.

Nach einem weiteren Umbau spielte Healey wieder einen Song im Stehen: You know the reason why (Cover), um sich dann wieder hinzusetzen und die Leute songs verlangen zu lassen (naja, was blieb ihm anderes übrig?? ;-) ). Nach einigem Hin- und Hergerate und diversen Anmerkungen Healeys zu den geforderten Songs kam dann als Vorschlag irgendwann Angel eyes. Angel eyes? fragte er, meinte dann nagut, es käme jetzt ein romantischer song (Ironie nicht überhörbar ;-) ), einer zum Tanzen cheek to cheek: "I expect to see some of you dancing."

Danach wurde es dann irre: Roadhouse Blues, gefolgt vom ebenso irren See the light, wo teilweise nicht nur Melodien, sondern auch schräge, eigentlich unmögliche Töne, gespielt wurden. Der letzte Song - ewig lang - diente außerdem der Vorstellung der Bandmitglieder, die danach von der Bühne verschwanden (blieben aber in Reichweite). Es gab ein irres, instrumentales Solo von Jeff Healey, danach nochmal mit allen zusammen etwas, das ich am besten als Krach bezeichnen kann. Um 21:40 h war das reguläre Konzert dann vorbei, aber die Jungs kamen verhältnismäßig schnell wieder zurück. D.h. Jeff kam, der meinte, er habe die anderen auf dem Weg in den Umkleideraum gesehen und sie bräuchten noch ein wenig Pause.

Die Liederwunsch-Maschine lief wieder an und unter anderem wurde ein Lied verlangt, das wohl ein amerikanisches Traditional darstellt, einen typischen Country-song, den alle schon als Kind kennen und nicht mögen (hab ich mir berichten lassen ;)) Home on the range. Und Jeff, ganz spontan, fing tatsächlich an, eine Strophe inkl.Chorus davon zu singen, was die anwesenden englissprechenden Fans mit lautem Lachen kommentierten; Jeff selbst sagte dazu nur: that was the most stupid thing that I ever did on stage ;-)

Dann ging's aber normal und solo weiter mit einem Cover: Me and my crazy self.

Die Band kam wieder auf die Bühne und die Leute durften nochmal singen, wo sie es doch schon bei I tried so schön versucht hatten: Diesmal mit Aufforderung. While my guitar gently weeps. Vor allem bei den hohen Stellen versuchte Jeff erst gar nicht mitzusingen, ist auch wirklich nicht gerade seine Stimmlage ;-) Beim Rest unterstützte er zeitweise.. weil uns doch verhältnismäßig schnell der korrekte Text ausging ;-) Aber ich wunderte mich, daß die Leute diesmal so melodisch waren, echt nicht schlecht.

Tja, und das war es dann tatsächlich. Die Jungs stellten sich nochmal alle in die Mitte der Bühne, Jeff versicherte sich durch 'Schulterzählen', daß auch alle da waren, kurze Verbeugung und weg waren sie.

Wirklich beeindruckend! Kann ich nur empfehlen!!

(c) bat 10/00

(c) Foto: siehe direkt im Bild, Dank an Murf Murphy.

PS: Schöne Grüße an die beiden Kölner, mit denen wir uns nachher draußen noch unterhalten haben, Stichwort: put out the fucking lights und Toronto.

PPS: Falls es Aufnahmen dieses Konzertes geben sollte: please drop me a line!


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