Hier gibt's zwei Konzerte:

In the Nursery, 04.05.2000
In the Nursery, 12.04.2018

Logo in the Nursery In The Nursery, Bochum, Matrix (ex-Rockpalast), 04.05.2000


In the Nursery wollten eine große Bühne, erzählte der Geschäftsführer des Zwischenfall an der Kasse zum Rockpalast - sorry, zur Matrix, sollte ich wohl langsam sagen - weil sie Lampen und diverse Instrumente mitgebracht haben, die auf einer kleinen Bühne wie im Fall keinen Platz gefunden hätten, daher die Auslagerung. Vielleicht auch hinsichtlich der Musikanlage die bessere Entscheidung..

In jedem Fall gab's erstmal eine Geduldprobe - und eine Vorband. Drei Herren, zwei an Keyboards (der linke kam mir irgendwie bekannt vor...), ein Typ mit Sonnenbrille, glatze und Tarnhose, einer schwarzen komischen Weste über einem 'gebodybildeten' Körper (den er später auch noch ohne Weste zum Bestaunen freigab), der den Sänger machte. Sie begannen um 21:10 h, stellten sich als 'Megadumb' vor (zumindest nehme ich an, daß sie so heißen, ausgesprochen haben sie es so, daß wir 'Megadumm' verstanden haben, was auch gepaßt hätte ;-) ). Das, was sie machten, hörte sich an wie die schnellen, heftigen Sachen von Girls under Glass, nur in schlecht. Aber die Art war einfach so ähnlich, nur daß GuG durchaus mehr als ein Lied können, diese Jungs hier leider nicht. Der Sänger hat auch nicht gesungen, er hat GEGRÖLT. Obwohl man manchmal am Ende der Songs hören konnte, daß er durchaus auch hätte singen können, wenn er nur gewollt hätte. Es waren von den ca. 200 Leuten nach relativ kurzer Zeit noch etwa 20 vor der Bühne, der Rest verteilte sich in den Weiten der Matrix. Das Konzert fand übrigens in der Tube statt. Echt übel, nur 20 Leute, finde ich. Paßte mal wieder so gar nicht zum Hauptact, diese Band mit dem auf Militär getrimmten, kahlgeschorenen 'Sänger', der auf der Bühne herumstampfte. Die Musik war ja vielleicht gar nicht schlecht, aber das gesangliche 'Talent' sorgte dafür, daß ein Song wie der andere klang - und das 50 Minuten lang! Am Ende hat er dann aber immerhin so viel Selbsteinsicht gezeigt, um auszusprechen, was zumindest die im Rockpalast zerstreuten restlichen 180 Leute dachten: 'Jetzt kommt das, worauf ihr alle gewartet habt: Unser letzter Song." Ein bißchen mehr eigenes und vielleicht einfach mal singen statt grölen wäre vielleicht ratsam. Die Texte, soweit ich sie verstanden habe, waren teilweise deutsch und auch nicht gerade einfallsreich, aber gut, die Geschmäcker sind verschieden.

Eine halbe Stunde dauerte es dann noch, bis alle Lampen, Trommeln und sonstige technische Gerätschaften an Ort und Stelle waren (hätte wirklich niemals in den Fall gepasst ;-) ). Dann, um 22:30 h ging es endlich los mit einem Intro inklusive Nebel und den Brüdern Nigel und Klive Humberstone (aus Sheffield),'military drummer and percussionist' Q (so er es denn war) und Sängerin Dolores Marguerite C, die durch die Seitentür auf die Bühne kamen.

Nigel (der am Keyboard, kann auch Klive gewesen sein, ich bleib jetzt aber mal bei der Bezeichnung: Nigel = Keys, Klive = Drums) probierte sein Keyboard aus, ebenso wie sein Micro und es passierte nicht eben viel. Daraufhin wurde erstmal das Micro hochgedreht, er begrüßte uns kurz, wandte sich dann aber an den Mischpult-Menschen und bat um Neueinstellung der Monitore etc. Danach entschuldigte er sich und meinte, daß sie noch einmal beginnen würden: alle wieder von der Bühne, Intro, Nebel, Leute. Manchmal ist Technik, insbesondere Intros von Band, ganz schön unpraktisch ;-) Man kann nicht einfach mittendrin, sondern muß nochmal komplett von vorn, tja, das Leben ist hart ;-)))

Vielleicht kurz was zu den Instrumenten auf der Bühne: Hinten, zentral auf einem Podest, drei große Trommeln im Halbkreis (kettle drums), dahinter, aufgehängt/-gestellt mit der 'Schlagfläche' nach vorn zwei weitere große Trommeln (noch größer eigentlich, bass drums) und mittendrin Klive. Ach ja, zwei 'aufgehängte Becken'(ich bin nicht bewandert in Schlaginstrumenten, sorry, wie heißen denn diese Blechteller???) waren noch dabei.

Vorn links gabe es zwei weitere kleine Drums (Side-Drums) sowie eine zum Umhängen (military drum?) für den Percussionist Q. Rechts dann zwei Keyboards und eine Sample-Maschine für Nigel. Dazwischen ein Microständer für Dolores.

Die ersten beiden Songs (sorry, keine Titel diesmal, ich hab ITN erst einmal live gesehen, was schon wieder vier Jahre her ist und habe grade mal zwei CDs auf Tape) waren rein instrumental, Dolores unterstützte Klive beim Trommeln. Q spielte die schnellen beats, die Melodie, mal hörte es sich an, als würde er wie beim Militär zur Versammlung oder ähnlichem trommeln, mal ganz 'normal'. Klive gab - mit wechselnder Unterstützung - die tieferen, meist langsameren, gleichmäßigeren Töne hinzu. Manchmal drosch er aber auch resolut und mit einer Menge Power auf seine kettle und bass drums ein, daß man nur staunen konnte. Darüber gewoben die sphärischen (mein Lieblingswort ;-) - aber es paßt nunmal ) Melodien von Nigel, die alles zusammenbanden. Q hatte beim Konzert wirklich eine Menge zu tun, klasse!

Bei song Nr. 3 trat Dolores, schwarze Hose, Hemd-Jacke, bauchfreies Top mit Perlenfransen, Piercing im Bauchnabel und irgendwie ein wenig rundlich geworden, als Sängerin in Aktion. Vorher allerdings begrüßte sie uns auf deutsch und erzählte gleich, daß wir für die nächsten Jahre live auf In the Nursery verzichten müssen: sie sei schwanger - noch vier Monate - und das Kind ginge dann halt erstmal vor. Natürlich gab's Applaus - für das Kind, nicht für die Tourpause - hoffentlich ist nach dieser Tour das Kind nicht schon taub, bevor es überhaupt geboren wird, es war doch ziemlich laut!

Die 12 Songs des Hauptteils waren klasse, schnelle Drumbeats von Q, hypnotische Schläge auf die kettle drums und bass drums vom Klive, untermalt von dichten, getragenen Klängen durch Samples und Nigels Keyboard. Dolores sang in englisch und französisch, spielte zwischendrin bei den instrumentalen Stücken auch mal Drums, große und kleine oder das zweite Keyboard. Sie spielte - ob mit oder ohne Gesang - auch sowas wie ein Tambourine, nur ohne die Schlagfläche, also praktisch nur ein Holzrahmen mit Schellen.

Einen Song hat Nigel gesungen, Klive sang/sprach ebenfalls zwei Songs, einer wurde von Dolores begleitet, klasse! Der Nebel hat ihn übrigens zeitweilig unsichtbar gemacht, fand ich schade, die Drums und seine Arbeit an ihnen waren schon echt eindrucksvoll.

Der Sound war ganz okay, auch wenn zwischenzeitlich der Mixer nachregulieren mußte. Dolores ware zweitweilig gegen diese großen, lauten Drums etwas leise, aber eben nur zeitweise. Ein oder zwei Songs - vermutlich des neuen Albums - waren anders als das, was sie sonst so machen: die großen Drums von Klive schwiegen ausnahmsweise und er spielte stattdessen Keyboard. Nigel hat zwischenzeitlich auch mal ein Blasinstrument gespielt, eine Mischung aus Harmonica und Flöte, elektrisch. Leider bin ich vollkommen ahnungslos, wie das Instrument nun wieder heißt. Auch die neuen Songs, ob nun typisch ITN oder nicht, haben mir gut gefallen und paßten optimal ins Gesamterscheinungsbild.

Absolut eindrucksvoll fand ich die zweite Zugabe des ersten Zugabensatzes, bestehend aus drei Songs. Muß man aber gehört und gesehen haben, eine Beschreibung kann bei dieser Band und dieser Show nur unzureichend wiedergeben, was da passiert: Q hängte sich die kleinere Trommel um, Dolores gab den Einsatz auf den beiden Side-Drums vorn: bumm. Klive setzte nach, bumm auf der großen Trommel, immer abwechselnd. Dazwischen die schnellen, immer wechselnden Beats von Q mit seiner 'Militärtrommel', der in der Mitte der Bühne stand. Darüber wob Nigel eine Melodie, die alles verband, absolut irre!! Hypnotisch.

Eindrucksvoll auch das zweite Zugabenset, Lied eins ganz leise und getragen, Q hatte Pause, Klive am Keyboard, das wie ein Piano klang, Nigel spielte wieder diese Elektro-Flöte und Dolores saß hinten auf dem Podest bei den Drums und sang französisch. Dies eher ruhige Stück ging unversehens über in ein heftiges, instrumentales, bei dem am Ende Q, Klive und Dolores je eine der drei großen Kettle Drums bearbeiteten, begleitet vom Keyboard. Tosender Applaus, aber leider drehten die Rockpalast-Leute das Licht an und die Band ließ sich nicht mehr erweichen. Dennoch ein gewaltiges Ende, klasse!

Genial anzusehen, diese Band. Die Drums haben - vor allem wenn man dabei die Augen schließt - eine irre Wirkung, noch verstärkt durch die Keyboard-Sounds und Samples. Fast als würde man hypnotisiert. Dass diese Jungs und das Mädel auch Soundtrack-Musik geschrieben haben, kann ich mir mehr als gut vorstellen.

Meine Befürchtung, ITN habe sich soundmäßig der Vorband angenähert, blieb zum Glück unbestätigt. Drums, Keys, Schellen, Harmonica-Flöte und Becken (cymbals) bleiben weiterhin die einzigen Instrumente.

Wenn sie wirklich längerfristig Tourpause machen, wäre das jammerschade. Die CDs sind zwar auch nett, aber mit dem Seh-Erlebnis eines Auftritts nicht zu vergleichen. Falls ihr noch die Gelegenheit habt, solltet ihr sie euch vorsichtshalber noch ansehen!

Schade, daß das alles nach 1 1/2 Stunden schon vorbei war, besser aber sicher für die Ohren von Dolores' Baby ;-)

(c) bat, 05/2000


Logo in the Nursery In The Nursery, Oberhausen, Kulttempel, 12.04.2018

ITN waren im Kulttempel in Oberhausen – veranstaltet vom Zwischenfall, der auch gleich seinen früheren DJ Michael Z. mitgebracht hat. Leider nicht ausverkauft, vielleicht weil es in der Woche war und erst um 21.00 h los ging? Keine Ahnung, die Musik hat es jedenfalls nicht verdient!

Vorband war Spherical Disrupted. Ein Typ namens Mirko Hentrich, ein elektronisches Gerät, das Töne machte, eine Hintergrundbildinstallation mit pixeligen Bildern von Sternen, wenn ich das richtig gedeutet habe. Kein Gesang, nur Ton. War tatsächlich schön, kann aber nicht einordnen, was das war. Hat mir aber gut gefallen, war irgendwie unaufgeregt, die Songs bauten sich langsam auf, irgendwie schön. Nicht so sehr vielleicht was für ein Konzert, aber fürs Wohnzimmer, als Hintergrundmusik zum lesen, träumen oder so. Hab so recht nichts gefunden, daher oben mal die Facebook-Seite verlinkt. War leider schon angefangen als ich eintraf, hat bis ca. 21.05 h gespielt.

Start ITN - Nigel und Klive Humberstone sowie Sängerin Dolores Marguerite C und ein zusätzlicher Drummer (David Electrik) - um 21:39 h. Aufbau wie beim letzten Konzert: ganz viel Trommel in der Mitte, ein separates Drumkit für den zusätzlichen Drummer links, Keyboard und Samples auf der rechten Seite der Bühne, in der Mitte irgendwo ein Mikro für Dolores. Gesang gab es sowohl vom für Keyboard und Bass zuständigen Zwilling als auch vom für die Drums und die Gitarre verantwortlichen anderen Zwilling. Mittlerweile kann man sie auch anders auseinander halten: ersterer hat eine sehr kleidsame Brille ;-). Schon der Aufbau der Instrumente auf der Bühne versprach nur  Gutes, ich liebe Trommeln und ITN ist, was Trommeln angeht, ja immer gut dabei. Habe erschreckenderweise festgestellt, dass ich die Herrschaften das letzte Mal gesehen habe, als Dolores schwanger war und wir uns noch gefragt haben, ob so laute Trommeln denn wohl gut sind für's Kind sind, – musste aber tatsächlich erst nachschauen, wann das war und wo. Geschätzt hatte ich, dass es noch das letzte Jahrtausend war. Knapp daneben, siehe oben ;-).

Ein sehr schönes Konzert, viele Trommeln, neue Stücke, alte Stücke, durchaus auch unterschiedlich, vieles orchestral und filmreif, Gesang sowohl von dem einen als auch von dem anderen Zwilling als auch, wie schon früher, von Dolores, gerne auch in französisch. Beim nochmal nachlesen über die Band hab ich gelernt, dass sie in der Zwischenzeit alte Stummfilme vertont haben, zuletzt den Untergang des Hauses Usher. Auch scheinen sie Musik gemacht zu haben zu einem Krimi von Simon Beckett (Verwesung - hab ich gelesen, würde ich sehr gerne hören!) und zu Film-Soundtracks oder Fernsehserien. Kann ich mir sehr, sehr gut vorstellen. Manche Stücke wurden von Klive gesungen, manche von Nigel, die meisten von Dolores, einige waren aber auch nur instrumental mit viel Getrommel, der klassische ITN-Sound eben. Was man aber festhalten kann ist, dass es mir richtig gut gefallen hat und das obwohl ich erst überlegt habe, gar nicht hinzufahren (viel Stress, will morgen und übermorgen zu New Model Army nach London), aber habe es nicht bereut, höchstens, dass ich sie so lange nicht gesehen habe und dringenden Nachholbedarf habe, was die Platten angeht. Mindestens in die beiden letzten, Blind Sound und 1961 (Geburtsjahr der Zwillinge, es werden Höhepunkte, prägnante Ereignisse verarbeitet, u.a. die Gründung von Amnesty International oder den Bau der Berliner Mauer in "Torschlusspanik" - eigenartiger Titel) werde ich auf jeden Fall reinhören. Dem ex-Zwischenfall-DJ wohl auch, hat er auch lautstark kundgetan, manchmal leider an eher unpassenden Stellen.

Das einzige, das man den Herrschaften vorwerfen kann, ist, dass es viel, viel, viel zu kurz war, nur knapp eine Stunde bis 22:46 h und es nur eine einzige Zugabe gegeben hat. Vielleicht beim Preis von nur 17,- verständlich, vielleicht auch verständlich aufgrund der geringen Zahl an Zuhörern, was ich wirklich absolunt nicht nachvollziehen kann, aber dennoch schade.

Werde jedenfalls nicht wieder so lange warten, bis ich sie mir das nächste Mal anschaue – vorausgesetzt sie sind dann auch mal in der Nähe auf Tour. Lohnt sich auf jeden Fall.

die Setlist wird leider nix, ich hab nur Anhaltspunkte und sucht mal in the nursery, ihr bekommt die dollsten Ergebnisse, von Annabelle im Kindergarten und man weiß nicht alles noch, nur keine Songtexte dieser Band - vielleicht stell ich mich beim Suchen aber auch einfach zu blöd an ;-). Vielleicht hat ja jemand mehr Plan und kann mir aushelfen...

Intro
01 Until before after ? (war in jedem Fall vom neuen Album und der Zwilling mit Brille hat gesungen: I hear it now)
02 Shouldn't be (Dolores, von der Blind Sound)
03 Cry?
04 was instrumentales
05 See me now all alone? (Zwilling ohne Brille an den Drums singt)
06 Life begins, life begins? (Dolores)
07 Prisoner of Conscience (von der 1961, über die Gründung von Anmesty, Dolores, französisch)
08 Mystery (aus 1983)
09 Wonder, Stone, Solve (?) - Dolores an der großen Trommel, Gesang vom Keyboard-Zwilling mit Brille
10 a rebours (Dolores, französisch), ganz tolle Trommeln, großartiger Song
11 Instrumental (von der 1961)
12 You?
13 Tell me, compell me?
14 Instrumental
---22:37---
15 too much to have it all?
22:46 h

(c) bat 04/2018


zurück zur KonzertseiteZurück zur Konzertseite