Die Krupps et al, Krefeld, KuFa, 17.09.2015

Abwechselungsreich..

...trifft diesen Abend vermutlich am besten.

Es war... anders als ich erwartet habe, also das Gesamtpaket, nicht die Krupps. Es startete damit, dass ein Duo auf der Bühne auftauchte, ein im Gesicht etwas angemalter Mann am Keyboard und ein kleiner, sehr schlanker Mann am Mikro, der vermutlich deshalb so schlank ist, weil er unglaublich, wahnsinnig, irre viel auf der Bühne rumgehopst ist und vermutlich jede Kalorie, die er heute zu sich genommen hat, auf der Bühne wieder losgeworden ist. Janosch Moldau, gar kein so Unbekannter (mir allerdings schon) in der Synthiepop-/Elektro-/Wave-Ecke, an mir aber bislang vorbei gegangen. Sehr schöne, mir ein kleines bisschen zu hohe, Stimme, die wirklich, aber auch jeden Ton getroffen hat. Ich weiß es nicht, aber ich würde auf Kirchenchor oder Kinderchor oder irgendsowas wetten. Jetzt aber mal sachlich. Aus Ulm, Jahrgang 1974, also wirklich nicht mehr ganz so frisch dabei, obwohl die Bühnenshow so aussah: als hätte er sie zuhause vor dem Spiegel geprobt und wollte das Ganze hier unbedingt unter die Leute bringen. Sympathisch, alles um uns rum schmunzelte. Die Lieder - auf die man vielleicht ohne dieses fast etwas zu viel an Rumgehopse noch ein bisschen mehr geachtet hätte, waren schöne, solide Synthiepoparbeit, nichts, was man noch nie gehört hat, aber nett. Die aktuelle CD Minor ist schon das vierte Album und er feiert damit sein 10-jähriges Bestehen - hat auch einige der Songs heute abend gespielt, siehe unten. Wer De/Vision mag oder Pitchfork hat ihn vielleicht schon mal im Vorprogramm gesehen - nicht so ganz meins, wie auch die Krupps, daher mir wohl nie begegnet. Obwohl mich die Songs ab und an ein bisschen an frühe Depeche Mode erinnert haben - aber doch etwas elektronischer mit ein bisschen Psyche im Auftritt und ein bisschen Apoptygma Berzerk-Optik (liege vermutlich meilenweit daneben, wenn man ihn häufiger gesehen hat, aber das ist mir dazu eben eingefallen, müsst ihr jetzt durch). Ach ja, der Mann kommt aus Ulm, was man ein bisschen beim Dankeschön sagen auch gehört hat. Habe sehr gerne mitgewippt und die Stimme oder besser das Gesangstalent ist gewaltig, Hut ab! Hat mir gefallen.

Er spielte ca. 40 Minuten, Start um 20:00 h. Die songs bekomm ich nicht ganz zusammen, hier mal ein Versuch:

1 Done wrong (Minor)
2 my love my.. slave to your... (?)
3 The other side (Minor)
4 I'll still be there
5 should have known... it's so sad.. (?)
6 State of hurt (Minor)
7 The Harbour (Minor)
8 We've been blessed devoutees
9 Shiner (Album Minor)
10 Jesus denies (Minor)
11 Minor (Minor)

Dann kam - noch 'ne Vorband. Machte auch Sinn, denn die Krupps bekamen Pizza. Also nicht Janosch Moldau and the Red Paintings. Nein. Was eigenes. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es betrat die Bühne eine Frau, in Unterwäsche bekleidet, mit einem Herz (von hinten) bzw. einer Sonne (von vorn) an Stelle des Kopfes, hinten schwarz, vorne silber angemalt. Dann eine Frau, lange schwarze Haare mit roten Fransen und Pony sowie einem mittelalterlich/asiatisch aussehenden Gewand und Geige. Zudem eine weitere schwarzhaarige Frau mit Pony, diesmal mit Zopf und asiatischen Gesichtszügen sowie Klamotten - und Bass. Weiter eine ebenfalls schwarzhaarige Drummerin (ohne Schnick-Schnack-Klamotten, dafür aber mit - ihr ratet es - schwarzen Haaren, Pony, diesmal aber als Bob geschnitten). Und ein Mann. Tatsächlich. Der sah ein bisschen aus wie eine Mischung aus russischem Soldaten und Dschingis Kahn und Gitarre. Hmm, ok. Ich dachte an Mittelalterzeugs. Mag ich, nicht verkehrt - aber als Vorband für die Krupps???? Eher unwahrscheinlich. Das waren also The Red Paintings. Aus Australien, wie der Sänger meinte. Wäre weit weg, 36 Stunden. Aber da wären sie nun mal. Oder so. Müssten wir jetzt durch. Sänger: Trash McSweeney. Alix Kol, Geige, Ginny Eck, Bass, Hiroshi Kamosita, Drums. Stand 2015. Scheint zu wechseln - außer unser Mr. McSweeney. Gegründet schon 2000. 2 Alben, 7 EPs. Dann fing es an, nett, freundlich, melodisch, mittelalterlich... bis es KRACH MACHTE!!!! Ich habe keine wirkliche Ahnung, wie man das, was folgt beschreiben kann. Sprechgesang, Metal, Punk-Texte, Progressive, Industrial? Ich habe keine Ahnung und eine Schublade ist so ziemlich das letzte, was die Herrschaften wollen, wie mir scheint. Ein Einweckglas mit einem Alien spielt mit (kann man dann draußen am Merch für ich glaube 500,- auch kaufen... als wir gegangen sind, war es noch da ;-) ); ein Maler wird gesucht (und gefunden), der bzw. die die eingangs beschriebene lebende Leinwand anmalt während des Gigs. Sind also irgendwie so eine Art Performance Rock/Metal/Punkt-Theatre-Truppe. Es wird jedenfalls schräg und überaus unterhaltsam. Fragt mich aber nicht nach Liedern. Der Mann kann zwar vielleicht singen - nicht so wie Janosch - aber er kann, wenn er denn will. Er will bloß nicht, daher versteht man nichts, außer ab und an was von Alice und Rabbits. Die Sprüche dazwischen sind einerseits politisch (Lob für die Flüchtlingspolitik, Prügel für Amis und Australier) andererseits absurd (irgendwas mit Aliens eben). Gehört halt alles dazu. Vor der Bühne ein kleiner Mann mit nacktem Oberkörper und Hosenträgern, der direkt vor der Geigenfrau hingebungsvoll die ganze Zeit auf und ab hopst - und bestimmt im Oktober bei P.I.L. zu finden ist, den Punk ist defintiv mit von der Partie, mindestens textlich ;-). Überhaupt waren nach nur sehr kurzer Zeit erstaunlich viele Jungs vor der Bühne. Komisch.

Bilder gibt es nicht wirklich (siehe daher weiter unten der Link auf einen weiteren Bericht); war einfach viel zu viel rotes Licht und zu viel Gezappel. Im übrigen von 20:55 h bis 21:42 h. 8 Lieder. Ich versuch's:

Das erste war was mit Vampires are chasing me, danach irgendwas mit Painting?. Das nächste - I found a way out - fand ich sogar gut. Weiter mit Wasps und The streets fall into my window ("Alice was considering"...) - Sprechgesang - auf jeden Fall ist hier der Text glaub ich mal einen Blick wert. Dann wieder was, das ich nicht mal raten konnte, irgendwas mit sail und captain. Dann wieder Gerede: "This is a song from the movie Donnie Darko, that you are gonna hate!": Mad World (Tears for Fears Cover). Ich kann's so nicht bestätigen ;-). Fing langsam an, dann kam das Gedresche, in Summe sehr gelungen. Und das letzte war Revolution is never coming, von der aktuellen CD. Live grandios, wenn auch nicht unbedingt schön anzuhören so doch sehr, sehr sehenswert. Aber freiwillig zuhause eine Platte hören: nö! ;-). Der Merch von den Herrschaften war nachher übrigens sehr belagert, was auch daran gelegen haben könnte, dass Mr. McSweeney allen Tequila versprochen hat, ich weiß es nicht.

Bühnenumbau, Start der Hauptband um 22:08 h. Ein oder zwei Worte noch zur Band. Die Krupps. Gegründet 1980, aus Düsseldorf. Neben Sänger Jürgen Engler ist noch Ralf Dörper (Synthesizer) mit von der Partie sowie (ich hoffe, ich hab's richtig rausgefunden) Marcel Zürcher (Gitarre), Volker Borchert (Drums) und Steve Römhild (Gitarre). Es war voll, aber nicht zu voll. Nicht ausverkauft. Hat mich gewundert. Das Publikum ging sofort gut mit, die alten Sachen natürlich bejubelter als die neueren. Für mich Unterscheidung in EBM, Industrial und beidem gemischt mit Metal. Ersteres gefällt mir noch am besten. Alles aber tanzbar, sehr intensiv und irgendwie schonmal gehört, sei's tatsächlich "früher" oder als Einfluss in Bands wie Nitzer Ebb oder Front 242 - oder auch der Metal-Anteil bei Paradise Lost??. Klassiker eben, die man mal gesehen haben muss. Nicht öfter, aber mal und gerne auf Festivals.

Start hier mit Crossfire, Dawning of Doom und Isolation, sehr schön, insbesondere letzteres. Dann zwei neuere : Risikofaktor (Machinists of Joy) und Kaltes Herz (Metal Machine Music). Nicht ganz so meins, geht aber gut ab. Danach Metal machine music (der Titelsong unseres neuen Albums - sprach Engler). Weiter mit Scent - super. Dann das neue Alive in a glass cage, das mir auch gefällt. Das danach - Road Rage Warrior - von der neuen Platte - ist dann wieder eher nix für mich. Tanzen geht trotzdem ;-). Danach Black Beauty White Heat, Fly, martyrs, fly (neue Platte), Nazis auf Speed (bisschen viel Rammstein). Das nächste weiß ich nicht, endlich kam jedenfalls die Stahltrommel zum Einsatz; es könnte Odyssey of the Mind gewesen sein, das bei anderen Konzerten immer an der Stelle der Metal machine music kam - oder Machineries of Joy? Danach Robo sapien (bisschen cliché, aber ich fand's catchy ;-) ), to the hilt (was mir auch gefallen hat) und dann endlich - aus gegebenem Anlass wie Engler richtig sagte - Fatherland. Sehr genial. Ende um 23:30 h. Zugaben: Die Sache mit der Stahltrommel und der Trillerpfeife ("Kenner werden es schon ahnen"): Wahre Arbeit, wahrer Lohn; zweite Zugabe: Bloodsuckers. Ende um 23:42 h.

Den Jungs scheint es Spaß gemacht zu haben, dem Publikum sicherlich auch. Ich fand's... ok. Es war sicherlich wert, es mal gesehen und gehört zu haben. Wie ich aber schon gesagt habe, ist mir das ein bisschen zu wenig elektro, dafür zu viel Metal, aber um des Einflusses willen und so - und natürlich wegen Fatherland! Nein, war gut. Nicht jede Woche allerdings. Auf jeden Fall war es sehr, sehr tanzbar und alles in allem mit den beiden Bands davor sehr lohnend - auch wenn ich morgen sehr, sehr müde sein werde ;-).

Bilder waren eher schwierig, daher nur drei davon.

PS: die Setlist in der KuFa vor und zwischen den Gigs war auch echt großartig, Dinge elektronischer Art, die ich ewig nicht gehört hatte, DAF ist mir aufgefallen, Fad Gadget glaub ich, hätte nur noch Malaria gefehlt ;-)

(c) bat 09/15