Another Tale und Love Like Blood, 17.08.1998, Zeche Carl, Essen

Ganz kurzfristig kam eine mail angeflattert, daß Tale die 'Ehre' haben würden, am Montag den 17.08.1998 in der Zeche Carl als Support von Love Like Blood zu fungieren.

Von Love like blood hatte ich zwar auf irgendwelchen Samplern ein oder zwei Songs aber sie haben mich nicht so vom Hocker gerissen, daß ich dafür etwas über eine Woche vor meiner letzten Klausur zum Konzert gefahren wäre (naja, ohne Klausur vermutlich trotzdem nicht...). So, mit Tale als Support, war ich in einer echten Zwickmühle ;-) Zum einen dachte ich mir, daß die Bühne in der Zeche Carl ziemlich groß ist und daß Another Tale darauf bestimmt ein wirklich gutes Bild abliefern würden. Zum anderen erwartete ich Horden von Leuten, so daß sie die Gelegenheit haben würden, ebenso hordenweise neue Fans zu gewinnen ;-) und als dritten Grund sagte ich mir selber, daß das alles ja bald sowieso ein Ende haben würde, wenn ich in Köln wohnen und arbeiten würde mit Konzerten in the Ruhr-Area unter der Woche.
(Im übrigen schreibe ich heute am 03.09. diesen Bericht nur, weil ich frustriert versuche, nicht daran zu denken, daß Tale gleich in Dortmund im Soundgarden auftreten werden - gutes Gelingen Jungs ;-) ).

Sprich, ich hab mich selbst überredet, doch zu fahren... Klappt immer besser, man muß nur regelmäßig üben ;-)))Zuvor hab ich mich allerdings noch erkundigt, was genau Love Like Blood denn nun machen. Im coolibri stand: Gothic Metal. Und das isses irgendwie nicht. Aber man ver- sicherte mir, daß sie nicht härter seien als Secret Discovery. Letztere haben zwar nur zwei Lieder, ein langsames und ein schnelles - sie heißen nur komischerweise dauernd anders ;-))) - aber von der Härte sind sie durchaus ertragbar (alles natürlich ihmo ;-))) ). Schien also ungefährlich. Denn direkt nach Tale gehen wollte ich eigentlich nicht...

Zumindest eine meiner Erwartungen wurde nicht erfüllt. Von wegen, Love Like Blood ziehen viele Leute! Bei Tale waren es vielleicht 80, bei Love like Blood wurden es eher weniger! Von wegen Tale als Support für Love like Blood ;-))). Die meisten Tale-Fand gaben den LLBs zwar noch ein paar Lieder - wahrscheinlich schon allein wegen des doch imho etwas unverschämten Ein- trittspreises von DM 25,- - aber das war's dann auch. Die Stilrichtungen der beiden liegen ja nun auch nicht sooo nahe beieinander ;-) Leute, die für Tale da waren, konnten vermutlich mit Love Like Blood wirklich nicht sooo viel anfangen... umgekehrt vermutlich genauso, oder?

Another Tale begannen um 21:00 h, große Bühne, toller Nebel, die Lichter... doch, sie stand ihnen ausgezeichnet, die Bühne, besser als diese kleinen Dinger, auf denen sie sonst stehen. Robert und Pierre dem Anlaß angemessen mit Lederhosen (na ja, haben sie häufiger;-) ) und alle außer Sebastian mit Sonnenbrillen, Pierre anfangs mit Hut.

Insgesamt gab es leider nur 7 Lieder und eine dreiviertelstunde Musik von Tale. Schade an sich.
Aber okay, war halt 'nur' Support und viel mehr hatte ich auch nicht erwartet (höchstens erhofft ;-) ), maximal eine Stunde.

Das Publikum stand eher weiter weg, obwohl fast alle applaudiert und auch mit dem Kopf gewackelt haben, trotz der nicht unbedingten Kompatibilität der Musikrichtungen ;-) Na ja, leben und leben lassen, obwohl ich immernoch glaube, daß eher Tale Love Like Blood zusätzliches Publikum beschert haben als umgekehrt... denn die Leute, die wegen Tale da waren, wären so nicht da gewesen, auch nicht für drei oder vier Lieder...und wenn es rechtzeitiger und größer publik (immer vorausgesetzt, die Band hätte es selber eher gewußt ;-) ) gemacht worden wäre, wären diesem Aufruf sicher noch ein paar mehr gefolgt. Außerdem war's Montag, das ist ohnehin nicht der beste Tag für Konzerte.

Das Konzert begann um 21:00 h mit dem bereits bekannten Intro ohne Tale aber mit viel Licht und Nebel, dann Not a lovesong, gefolgt von On falling leaves und Dancehouse Flair. Das 'hey', das sonst das Publikum abwechselnd mit RPD singt, mußte Pierre übernehmen, man hat ihn jedoch kaum gehört. ;-( Dann kam Conny, auch sie mit Sonnenbrille, um Hey H.B. mit der Geige zu begleiten. Das, was dann kam, hab ich zunächst mal nicht erkannt, dann kam mir der Text geringfügig bekannt vor und schließlich stellte es sich als Reggae-Version (!) von Say goodbye heraus, begleitet von Conny's Geige und dem Grinsen von Robert.
Ich mein, war witzig, aber das Original - ich sollte besser schreiben: die Original-Live-Version ;-) - ist um Längen besser! Aber so als kleiner Gag am Rande durchaus gelungen ;-)

Danach ebenfalls anders - anfangs nur mit Pierre, dann mit ganz verhaltenem Instrumenteneinsatz - I'm going home. Nur beim Refrain haben die Jungs und das Mädel aufgedreht, die Geige hat mir dabei sehr gut gefallen. Im Anschluß spielte Tale noch Amok, auch anders als auf der CD, aber welcher Song ist schon live so wie auf den ersten CDs?? ;-)

Zum Schluß nach etwa einer dreiviertelstunde gab's noch Hellfire Tourist, allerdings ohne Conny, die übrigens ihre Sonnenbrille zwischenzeitlich abgesetzt hatte (ebenso wie Robert; der Hut von Pierre war auch schon weg ;-) ). Keine Zugabe.

Sie sind aber laut Robert, der zwischenzeitlich beim Reklame machen für die Once das Mikro fallenließ und entsprechend Bedenken bekam, ob sie wirklich wiederkommen dürfen ;-) am 5.12. wieder in der Zeche Carl. Mal abwarten, ob man ihm verziehen hat ;-)

Love like Blood fingen um 20 nach 10 an. Nebel, klassisches Intro, mitGeigen und Cello. Die Band selber ist aber nur mit zwei Gitarristen, einem Sänger einem Bassisten und einem Drummer ausgestattet. Die Leute stürmten - anders als bei Tale - auch direkt nach vorn, obwohl es eher weniger als mehr waren. Natürlich bis auf die Tale-Fans, die blieben hinten und harrten der Dinge, die da kommen würden - oder sie gingen direkt.

Fields-Verschnitt. Gitarrengeschreddel. Ich mag es nicht, wenn Gitarren nur so einen Hintergrundbrei spielen, keine Melodie zu erkennen ist ;-(
Aber die beiden Gitarristen hatten auch so lange Haare, die ihnen dauernd im Gesicht hingen, daß an Melodiespielen vermutlich gar nicht zu denken war ;-) Nein, das war jetzt gemein, ein oder zwei Lieder hatten durchaus erkennbaren Melodien und die fand ich auch ganz gelungen.
Die anderen waren auch nicht unbedingt schlecht, auch nicht sooo ähnlich, wie ich anfangs dachte (so als Parallele zu Secret Discovery), aber besonders viel damit anfangen konnte ich dennoch nicht - eben wie die Fields, auf Dauer nervt's irgendwie. Außerdem war's mal wieder viel zu laut. Bei Tale komischerweise nicht so extrem...

Egal, nach 13 Liedern und etwas über einer Stunde bin ich um halb 12 abgehauen, es hat gereicht und meine Ohren taten weh. Aber sie waren nicht eigentlich schlecht, nur halt nicht ganz so mein Geschmack und außerdem war ich vermutlich doch ein wenig genervt wegen der bevorstehenden Klausur.

Den verbliebenen Leuten hat's jedenfalls gefallen und dank eines Bekannten kann ich euch auch berichten, daß sie insgesamt nicht 60, sondern 90 Minuten gespielt haben und auch die Songs kann ich euch mitteilen:

Intro, Fallacious world, Pale sky, The everlasting dream, Doomsday, Phrases, Ylene, Night is young, Lethal radiation, Johannesburg, Walking in demimondes, Within the realm of the dying sun (hmm haben wir da ein wenig von Dead Can Dance geklaut??? ;)), Look out, Liberation, Kiss & tell, Heroes, Snakekiller, Exposure (inklusive Zugaben).

Fazit: es hat sich nicht wirklich gelohnt. Ich dachte, Love Like Blood würden mehr Leute anziehen und Tale würde vor einem richtig großen Publikum spielen, so daß mehr Leute sie sehen, geil finden und der wohlverdiente Ruhm in greifbarere Nähe rückt ;-) Dann hätte man als Tale-Fan natürlich auch die geringe Konzertdauer in Kauf genommen..... aber so war's eben für den gemeinen Tale-Fan, der in bezug auf die Konzertlänge von dieser Band wirklich verwöhnt wird (vorausgesetzt, kein Festival-Veranstalter oder Mischpult-Dreher macht Zicken) ganz einfach viel zu kurz!

Allerdings stand die Bühne ihnen wirklich gut (und sie der Bühne ;-) ) und das entschädigte wenigstes ein bißchen.... Mögen sie häufiger die Gelegenheit bekommen, auf großen Bühnen zu spielen, möglichst mit mehr Publikum und möglichst ohne störende 'Hauptacts';-)). Wobei aber hoffentlich der Flair der kleineren Konzerte nicht auf der Strecke bleibt, denn sonst wäre der Erfolg teuer erkauft...

Dank an Michael Carstens für die Love Like Blood-Titel ;-)

(c) bat

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