Zeitreise am Tag der Jahrhundert-Mondfinsternis - Nik Kershaw, 27.07.2018, Christuskirche, Bochum

Am 27.07.2018 hab ich eine Zeitreise unternommen. Nicht, wie alle anderen in die Unendlichkeit des Alls (Mondfinsternis, Blutmond, Mars, ISS und "unser Alexander"), sondern nur in die 80er. Zusammen mit vielen Leuten und Robin Beck sowie – natürlich dem Hauptgrund – Nik Kershaw.

Ort: fast direkt neben der Luna-Party in der Bochumer Sternwarte, nämlich in der Christuskirche um die Ecke (naja, nicht ganz). Und meine Güte, war die Schlage lang! Heißt, dass ich hier entweder nur Konzerte angeschaut habe, die nur wenige Leute interessieren oder ich war einfach spät dran, aber so weit hinten in der Schlange hab ich noch nie gestanden, auf dem Bürgersteig quasi. Wow. Dabei war es scheinbar noch nicht mal ausverkauft. Ein paar Schüleraustausch-Jugendliche fragten die Frau dann hinter mir auch, warum denn so viele Leute an einer Kirche anstehen würden, kam ihnen wohl seltsam vor. Mit den auftretenden Künstlern konnte sie aber nix anstellen, die waren wohl schon wieder in der Versenkung verschwunden als sie das Licht der Welt erblickt haben.

Start mit Robin Beck. Hmm. Kannte ich vorher zwar dem Namen nach, mir wurde dann auch ein Nummer-eins-Hit ans Herz gelegt, den ich dann wohl tatsächlich auch mal gehört habe, war aber nie mein Beuteschema.

Auf der Bühne war sie in schwarzen Klamotten mit runder Sonnenbrille (kann man für eine Mondfinsternis – und natürlich auch in einer Kirche – sicher gut gebrauchen), einem Bassisten, einem Gitarristen und einem Drummer. Auf der Bühne selber war's ganz schön voll, weil die Sachen, die Nik später brauchen würde, auch schon aufgebaut waren, mindestens mal das Drumkit. In der Kirche war's auch voll, wenn vielleicht auch nicht ausverkauft, hat sicher nicht viel dran gefehlt.

Start um Punkt 21:00 h mit eben genau Frau Beck, die doch tatsächlich mit einem Song gestartet ist, den ich wider Erwarten kannte und der live auch ganz gut war: If you were a woman (and I was a man). Weiter mit einem, das ich nicht kannte: Don't lose any sleep, aber auch schon von 1989, wie ich jetzt beim Schreiben feststellen darf. Und schon wieder einem, das mir vage bekannt vorkam: Tears in the rain. Dann gab's zwei neue Lieder, Robin scheint grade in der Produktion einer neuen CD zu stecken, die dieses Jahr noch erscheinen soll (sie hat tatsächlich auch einmal während des Auftritts und noch am Ende ein paar CDs verschenkt, ob das schon die neuen waren, weiß ich allerdings nicht, einen merch hatte sie nicht dabei, wie sie erzählte). Das neue Album soll jedenfalls Love is coming heißen und das erste Stück daraus hieß Me, just being me, ganz nett. Das nächste war dann das Titelstück - Love is coming - , auch ganz gut, bevor es wieder weiter ging mit einem Song aus 1988: Damals haben wir viel geweint, oder Tränen gespart oder so, in jedem Fall ging viel nur mit Tränen, damals. Sagte sie noch, bevor dann Save up all your tears kam. Hier musste sie sehr hoch singen, das war nicht schön, der Gitarrist grinste sie an, selber gemerkt hat sie's wohl auch, aber nicht kommentiert. Vielleicht waren wir auch einfach nochmal eine Art Testauftritt, bevor es dann wieder ernsthaft losgeht, wenn die neue Platte raus ist. Dann hat sie ein bisschen was, an dem sie noch arbeiten kann, der Rest war schon super ;-). Zum Schluss noch der Nummer-eins-Hit First time und dann war es nach 35 Minuten um 21:35 h auch schon wieder vorbei und der Umbau konnte starten. Ein bisschen schade war, dass sie, obwohl sie drum gebeten wurde, keine Zugabe parat hatte.

Sie wurde ganz gut bejubelt, die Leute hatten Spaß. Ich fand's in Ordnung, insbesondere weil es auch nicht so lang war, aber ist immer noch nicht mein Beuteschema, egal ob neue oder alte Songs. Allerdings auch nichts, was mich veranlassen würde, den Sender zu wechseln, wenn es denn im Radio kommt. A propos Radio: ich war ja schon entsetzt, dass dieses Konzert von WDR 4 (!!!) gesponsort wurde; es wurden auch Programmheftchen mit Gummibärchen oder sowas verteilt draußen. Diejenigen, die sich das haben andrehen lassen, waren wirklich weise, denn das Heftchen hat sich sehr gut geeignet, um damit in der unerträglich heißen Kirche Wind zu machen ;-).

Nun also Umbau und nette Gespräche mit meiner Nachbarin, die Zeit verging wie im Flug. Nik Kershaw mit einem Bassisten, einem Gitarristen, einem Drummer und natürlich einem Keyboarder – hey, 80er! – machte weiter ab 22:18 h tatsächlich mit einem Song, den ich zumindest mal nicht kannte: These tears (vom Album eight, 2012). Mir war irgendwie nicht bewusst, dass der Mann eine so hohe Stimme hat. Gar nicht meins eigentlich, aber bei den Sachen aus dem 80ern einfach sehr großartig. Bei den neueren Sachen (also allem nach 1989 und The Works), die mir gut gefallen haben, würde ich mir fast eine andere Stimme wünschen, vielleicht ist er doch eher der großartige Songwriter, der für andere schreibt und damit vielleicht sogar mehr Erfolg hat als wenn er selber singt? Ich weiß es nicht, habe glaub ich auch nach der The Works keine Platte mehr von ihm gekauft, irgendwie ist er dann damals auch verschwunden in den Hintergrund des Musikgeschehens. Als nächstes kam dann eins, das alle kannten – Wide Boy. Die Stimmung war wirklich großartig und die Leute haben toll mitgesungen – wirklich erstaunlich, was man aus seinen Gehirnzellen so hervorkramen kann ;-). Schön fand ich, dass man natürlich die alten Melodien – insbesondere die Keyboard-Melodien – wiedererkannt hat, dass sie dem Ganzen aber doch auch einen bisschen zeitgemäßeren Klang verpasst haben – und auch optisch war das nix mehr mit hochtoupierten Haaren und Schulterpolstern ;-). Danach ein Lied vom Album You've got to laugh aus 2006: Can’t get arrested, ein Rumba-Rhythmus. Danach wieder was zum Thema Zeitreise: Dancing Girls und im Anschluss von der Radio Musicola When a Heart beats. Sehr schön. Dann erzählte er, er hätte vor –zig Jahren ein Lied für seinen Sohn geschrieben, als dieser geboren wurde (15 Minutes, 1999). Have a nice life. Und eben dieser Sohn würde nun in einem Monat selber Vater – und er Opa ;-). Großes Gejubel. Tatsächlich sind auch die neuen songs gut aufgenommen worden, keine genervten Rufe nach dem Motto "spiel doch mal endlich dies und das..". Fand ich sehr angenehm. Aber es ging nach einem unbekannterem Song ja auch immer wieder sofort weiter mit dem, was das Fanherz begehrte (wobei diejenigen, die die Karriere weiter verfolgt haben, bestimmt sehr dankbar dafür waren, dass nicht nur der olle Kram abgearbeitet wurde ;-)), das nächste war nämlich The Riddle und spätestens hier war's vorbei mit dem Sitzen – und dem Sehen für mich. Aber egal, zwischendrin gab es immer mal wieder Sitzperioden, so dass das alles kein Problem war. Eine noch kleinere Frau eine Reihe vor uns außen hatte sich ein Fußbänkchen mitgebracht und kletterte auch drauf als das mit dem Stehen anfing. Super Idee!! Mal sehen, vielleicht diskutiere ich die Notwendigkeit einer Fußbank an Sonntag bei The Gaslight Anthem (und vor Weihnachten bei New Model Army) mal mit den Herrschaften vom Palladium in Köln aus :-).

Danach eines, das ich sehr mochte, aber nicht ganz so viele textlich zu kennen schienen: Bogart, von der Human Racing, sehr schön! Danach hat er dann auch mal was gecovert, man kann ja nicht immer nur eigenes spielen: Space Oddity, Bowie, einer seiner großen Helden, wie er berichtete. Hmm. Irgendwie komisch mit dieser hohen Stimme. Das zweite Cover war irgendwie besser geeignet als dieses. Danach kam Radio Musicola und eines, das er – wie so viele – für andere geschrieben hat und das wir alle erschreckenderweise mitsingen konnten, obwohl ich nicht drauf gekommen bin, wer das denn wohl gesungen haben könnte. One-Hit-Wonder? Vermutlich: I am the one and only (gesungen damals von Chesney Hawkes. Nie gehört, könnte ich jetzt sagen. Ich kannte aber das Lied…

Danach dann ein echter Gänsehautmoment mit Human Racing, ganz großartig mit großartigem Chor. Der Herr hinter mir war auch glücklich, war nur für dieses Lied da und damit jetzt hochzufrieden ;-). Dann kam Nik zu den, wie er sagte, obscure album tracks, vom Album The works (dachte, das hätte ich nicht mehr gehabt, stimmt aber nicht, hab ich nur nicht so häufig gehört wie die anderen Platten und das Lied kannte ich dann aber doch): Cowboys and Indians.. eine kleinere Gruppe am anderen Ende der Kirche hat das Lied sehr bejubelt. Dann wurde wieder jemand um Rat gefragt, diesmal nicht Bogart sondern Don Quixote, auch sehr schön! Und es wurde wieder dezent was Neueres eingeflochten mit The Sky's the Limit von der letzten Platte aus 2012 (eight), auch schon wieder eine Weile her. Dann nochmal was Nettes aus den 80ern mit You might, gefolgt von I won’t let the sun go down on me, mit großartigem Chor. Zwischendrin wurde die Musik mal moderner, weg vom Keyboard der 80er, bewegte sich dann aber wieder zurück. Nik – dem mittlerweile wie uns allen mächtig warm war – hat dann erstmal seine Band vorgestellt, ich hoffe ich hab die Namen einigermaßen richtig verstanden – zumindest hörten sie sich so an, d.h. die Vornamen sind vermutlich richtig ;-):

Drums: Robert Knight (bestätigte Schreibweise durch Niks Homepage :-))
Gitarre: Nick Bentley
Bass: Diego Rodriguez
Keyboard: Phil Peskett (auch)

Und damit war Schluss um 23:44 h.

Natürlich hat er sich – anders als Frau Beck, obwohl man es gefordert hat – nicht lange bitten lassen und es gab noch eine Zugabe:

Zunächst Roses. Hmm. War schon damals ja nicht sooo meins, aber den Text konnte ich trotzdem… flöt. Und zum Schluss noch eins, dass mir als Cover von ihm richtig gut gefallen hat, nämlich Human von den Killers. Sehr schön passend. Hat er aber nicht geschrieben, sondern tatsächlich "nur" gecovert, ich hab vorsichtshalber nochmal nachgesehen ;-).

Schluss dann um 23.54 h.

Hat mir richtig gut gefallen, der Nik, insbesondere, weil ich ihn solo damals nie gesehen habe, wenn überhaupt, dann vielleicht mal bei Tommy's Popshow in der Dortmunder Westfalenhalle? Hab jetzt aber nicht nachgeforscht, ob er da überhaupt mal dabei war.

Doch, hat sich gelohnt. Aber die Songs sind einfach sehr eindeutig den 80ern zuzuordnen und sind insofern nicht zeitlos. Aber war ja auch nicht Ziel der heutigen Übung ;-).

Vielen Dank nochmal an meine nette Banknachbarin, war ein sehr unterhaltsamer Abend und mal sehen, ob ich den Dortmund-Tipp noch umgesetzt bekomme!

Nochmal die Songs in kompakt:

These tears
Wide boy
can't get arrested
Dancing girls
When a heart beats
Have a nice life
Bogart
Space Oddity (Bowie Cover)
Radio Musicola
I am the one and only (for Chesney Hawkes)
Human Racing
Cowboys and Indians
Don Quixote
Sky's the Limit
---
Roses
Human (The Killers Cover)

Hier noch ein paar Bilder:

Robin Beck

(c) bat 07/2018


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