New Waves Day 2017, Turbinenhalle, Oberhausen, 13.05.2017

Uff. Und noch ein Tag mit nostalgischen Klängen, bei denen ich keine neuen Musikideen erwartete, sondern gutes altes Zeugs ;-). Hab ich auch bekommen. Hätte mir gerne auch noch Boytronic angehört (kennt irgendjemand noch ein anderes Lied - ohne Nachgucken! - außer "You"? Ich nicht, obwohl ich damals die Platte hatte. Die war aber in der Sonne irgendwie warm geworden und verbogen, so dass ich nur einen Teil davon hören konnte, bevor sie anfing zu springen ;-). Ich hab sie sogar noch, letztlich noch in den Keller geräumt. Hab mir Boytronic aber nicht angeschaut und angehört, weil zwischen ihnen und Cassandra Complex, The Chameleons (Vox) und The Mission die Bollock Brothers waren. Und die müssen nicht. Sind nicht schlimm, müssen aber auch nicht. Und ich hatte noch platte Füße von gestern ;-).

Bin daher angekommen als die Bollock Brothers in den letzten Zügen lagen, hab noch drei Songs mitbekommen, u.a. das einzige, das ich bewusst von den Bollock Brothers - aus dem Zwischenfall - kenne: Faith Healer. Da hab ich sie auch das erste und letzte Mal live gesehen. Lang, lang ist's her.

Die Halle ist riesig, hätte ich nicht vermutet. Es waren auch eine Menge Leute da - das wiederum hatte ich vermutet, auch die netten schwarzen Outfits und Band-T-Shirts und Frisuren und Mützen. Einer (vermutlich mehrere, aber dieser hier stand halt direkt neben mir) sah aus wie der Tänzer auf dem alten Zwischenfall-Logo. Ein T-Shirt mit diesem Logo hab ich auch gesehen, sehr schön ;-).

Bevor ich mich jetzt aber weiter über Cassandra Complex, Chameleons und Mission auslasse, schick ich Euch mal ein paar Fotos. Den Rest des Konzertberichts gibt's im Lauf der Woche. War toll, hat mir richtig gut gefallen. Allerdings fand ich eins so richtig schlecht: die Plastik-Becher-Berge auf dem Boden der Halle während und nach der Veranstaltung. Da gibt's echt bessere Lösungen!

So, bevor die Woche zuende geht, erzähl ich mal ein bisschen mehr, wie versprochen. Cassandra Complex - Rodney Orpheus (Gesang), Andy Booth, Volker Zacharias und Axel Ermes (und ich hab mich letztlich als ich alte Indie-Songs gehört habe, noch gefragt, was denn eigentlich aus den Girls under Glass geworden ist - jetzt weiß ich's ;-)) , gegründet von Rodney Orpheus 1982. Start um 19:45 h, vorher ein kurzer Live-Soundcheck. Bilder hab ich zwar zwei gemacht, sind aber nicht schön geworden, deutlich zu weit weg. Start mit one millionth happy customer gefolgt von too stupid to sin. Danach what can I do for you? gefolgt von vermutlich Datakill (irgendwas mit behaviour). Dann von der letzten Platte motherad gefolgt von dem einen song, den ich vermutlich bewusst und schon vorher von ihnen kannte: second shot. Jetzt wurde es sehr viel schneller mit the war against sleep und dem ebenfalls bekannten Moscow Idaho (einer der ersten Hits aus 1984). das letzte weiß ich leider nicht, war irgendwas mit and you keep me down. Ende um 20:30 h, keine Zugabe. War ganz nett, war dann aber auch genug. Richtung? Elektro-Goth-Rock oder so. Hätte glaub ich lieber die Girls under Glass gehört, war aber ein netter Einstieg in das, was noch kommen sollte und von dem ich mir deutlich mehr versprach. Bei Cassandra Complex hatte ich keine Erwartungen, also war's ok.Wenn sie irgendwo sind, kann man sie sich gerne anhören, extra für nur Cassandra Complex würde ich aber wohl eher keine Karte kaufen.

Weiter mit Chameleons Vox. Die Konzerte sind immer recht ähnlich, immer oder mindestens mal einen Großteil gleiche Lieder, aber das sind ja auch genau die, die man hören will ;-). Hier war's eine gute Mischung aus Sachen, wo der Chor in der Halle ein sehr beeindruckender war und etwas weniger bekannte, wo der Chor trotzdem da war, nur nicht ganz so laut ;-). Hat mir richtig gut gefallen, auch besser als die letzten zwei Male in der Matrix in Bochum. Start um 20:50 h direkt mit Swamp Thing. Das nächste kannte ich nicht (he's gone, tonight, working on), vielleicht war's things I wish I'd said? Wer's weiß, möge sich gerne melden. Weiter auf jeden Fall mit Monkeyland - der Chor war genial! - und Looking inwardly. Danach up the down escalator und thursday's child. Dann wieder ein sehr genialer Chor bei Second Skin, natürlich ;-). Hier wurde durch Mark Burgess, Bass, dann freundlicherweise der Rest der Band vorgestellt (leider hab ich mir die Namen nicht gemerkt und hab sie auch nirgends gefunden). Der letzte song war Working class hero - mit eingebauten Transmission von Joy Division (dance, dance, dance, dance, dance to the radio), sehr genial. Super Auftritt, großes Kino. Bis 21:37 h.

Dann Mission. War gespannt, Wayne seh und höre ich ja wirklich gerne, bei der letzten Vorstellung der Band - 2011 (!) in Köln - war der Sound schlecht und der Drummer zu schnell, daher lieber nur Wayne solo. War gespannt, ob der Drummer seitdem geübt hat. Ansonsten macht Mission immer Spaß, einige Klassiker sind immer dabei, genau wie man es gerne hat, aber es waren auch ein paar neuere Songs dabei, die sich tatsächlich auch anders anhörten und nicht wie butterfly on a wheel die siebenundzwanzigste ;-). Viele Fans auch aus England und Menschen, die ich sonst eher von New Model Army Konzerten kenne, wirklich gut, mitsamt Türmchenbauen und Armbewegungen wie bei NMA machen und Fahnen schwenken. Das Konzert war wirklich klasse, hat das letzte um Längen getoppt - der Drummer ist nur leider immer noch zu schnell, insbesondere bei Wasteland nicht schön. Da war mir fast die Drum-Machine lieber, auch wenn das Schlagzeug schon beeindruckend gut aussah (ohne dass ich davon Ahnung habe, war es einfach nett beleuchtet ;-) ). Neben den üblichen Verdächtigen Simon Hinkler (Gitarre), Craig Adams (Bass) und Mike Kelly war auch noch eine Dame auf der Bühne. Hmm. Hab später erfahren, dass sie Jemand Bekanntes aus irgendeiner Band war (Julianne Regan??), deren Namen ich leider nicht wirklich verstanden habe (all about eve???). Vielleicht erkennt sie ja jemand auf den Bildern? War optisch eine Bereicherung, gesanglich meistens, manchmal war sie etwas... penetrant ;-). Wayne hat jedenfalls die Bühne gerockt, der Rest ist ja immer eher zurückhaltend. Start jedenfalls mit einem eher langen Intro um 22:08 h. Damit die Leute auch gleich wach sind und richtig Bock haben, Start mit Beyond the Pale. Weiter mit einem von der neuen Platte, konnte es aber nicht genau zuordnen (irgendwas mit change und this is, ggf. war's Meth-Amor-Phosis). Das nächste war Serpent's kiss, wieder natürlich allen Beteiligten in der Halle bekannt, super. Dann wieder ein neues, vielleicht another fall from grace von der gleichnamigen Platte (hier beim "rush, rush" im Hintergrund war mir die Dame etwas zu penetrant). Dann Garden of delight - gleich mit einem eher unangenehmen Toneffekt, den sie aber zum Glück wieder in den Griff bekommen haben. Dann schön im Wechsel wieder ein neues von der aktuellen Platte - can't see the ocean for the rain. Geredet hat Herr Hussey nicht soo viel, macht aber nix, wenn er schön motiviert seine Lieder singt. Und motiviert war er. Reden kann er dann wieder, wenn er solo unterwegs ist, was er dann ja auch ausführlichst tut. Und das mit der Motivation... hab ich auch schon deutlich anders gesehen, klasse also, wirklich mit Einsatz. Weiter dann mit Savage und Severina, beim nächsten bin ich wieder nicht sicher Secret waters? Dann wieder was zum Mitsingen: like a child again und dann Tower of Strenght mit Türmchenbauen (siehe Bild unten) und Fahne und Armgeschwenke und Chor und allem, was dazu gehört. Großes Kino. Ging von der Stimmung her gleich so weiter mit Wasteland - leider hat der Drummer das mit dem Takt immer noch nicht gelernt - zumindest war mein Gefühl, dass er hier deutlich zu schnell unterwegs war. Vielleicht hatte er auch schon zu viel Wein intus - im Gegensatz zu Wayne's Rotwein war's allerdings Weißwein. Wenn man ihn allerdings nicht vertragen kann, sollte man das vielleicht auf die Aftershow vertagen... ;-). Denn so schnell wie ich das hier runtergeschrieben habe, so schnell war's das auch schon. Vorbei. 23:12 h. Schade. Aber anders als die anderen Bands durften Mission eine Zugabe geben: Butterfly on a Wheel, stimmlich stark unterstützt von der geheimnisvollen Frau. Zwischendrin - also schon vor der Zugabe - schrie von den englischen Fans schon jemand "Marian", Wayne's Antwort: "depends on the mood I'm in, you know that". Scheinbar war die Stimmung aber reif und es gab tatsächlich ohne Gemecker ein komplettes Marian. Sehr, sehr gut, so schön, dass ich - Shame on me - auf der Rückfahrt nach Hause die Floodland angeworfen habe ;-). Bei Marian haben sie vorsichtshalber zwar unseren freundlichen, taktlosen Freund unterstützen lassen, haben aber lieber auf eine Drum-Machine gesetzt. Besser war das. Den deutschen Teil hat Craig versucht, war aber jetzt nicht _so_ gut zu verstehen ;-). Bis 22:27 h. Und sie kamen nochmal wieder für den Swan Song und für Deliverance, wieder mit Turm, diesmal war ein Mann oben, die unbekannte Dame hat auch wieder mitgesungen und der Drummer war wieder zu schnell. Ende um 23:44 h, aber nicht bevor Wayne noch Rosen ins Publikum geworfen hat, eine sehr schöne Geste! ;-)

Hat mir wirklich gut gefallen, sollte es ein nächtes Mal geben, werde ich mir auch die mir unbekannteren Bands anhören - allerdings vielleicht in die Woche dann nicht ganz so viele Termine legen - nach The Red Paintings und The Arch/Clan of Xymox an 3 Tagen war einfach die Luft ein bisschen raus und meine Füße ein bisschen zu platt für einen ganzen Tag Festival.

Und wenn dann das nächste Mal das mit den Plastikbechern noch anders gelöst wäre, wäre ich noch begeisterter ;-).

Jetzt noch ein paar Bilder, bin aber zuversichtlich, dass ihr auf Monkeypress sehr bald sehr viel schönere von Micha finden werdet ;-).

Heart of Oak Safetyville
Joel Havea und Leo Lazar Niall Connolly
North Alone David Berkeley
One Eye Open One Eye Open
One Eye Open
Ushti Baba
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