Peter Hook & the Light, 29.07.2012, Tivoli, Utrecht  

"Hey, Peter Hook ist in Utrecht, wer will mit?" Peter wer? Habe ein wenig auf dem Schlauch gestanden, wurde aber sehr schnell aufgeklärt, dass der gute Mann Bassist _der_ Kultband war, die viele meine Lieblinge beeinflusst hat und in der Nachfolge bis 2007 auch mit New Order Erfolge feierte. Und bei mir klingelt es nicht sofort, wenn ich den Namen höre, obwohl ich doch "Control", den Joy-Division-Film von Anton Corbijn, so genial finde! Geht echt gar nicht! ;-). Bernhard Sumner hätte mir mehr gesagt, Ian Curtis natürlich auch, die armen Bassisten werden immer missachtet...

So eine Chance, eine solche Legende anzuschauen, bekommt man nicht dauernd, also hin. Die Tour war schwerpunktmäßig der "Closer" gewidmet, scheint es aber auch für die anderen Platten zu geben. Ich war einerseits gespannt – und fand es andererseits auch traurig, dass jemand hauptsächlich nach wie vielen, 32?, Jahren nach dem Selbstmord von Ian Curtis (1980) immer noch die "ollen Kamellen" spielt. Ich hab aber gelernt, dass er das noch gar nicht so lange macht und dass er nebenbei noch allerlei andere Dinge getan hat, wie als Gastmusiker auf Alben anderer Leute aufzutauchen oder Band zu produzieren. Also hab ich ihm Unrecht getan und die Idee, die Joy-Division-Songs auf die Bühne zu bekommen eine wirklich gute ;-). Für uns also genial, weil wir die Chance, Joy Division live zu sehen, damals nicht hatten (da hab ich glaub ich noch Biene Maja gehört, vielleicht noch Joachim Witt und Nena, aber definitiv noch nix in Richtung Alternative, Indie, Goth, Punk).

Peter Hook and the Light traten auf im Rahmen des Summer Darkness Festivals in Utrecht (zum Auftakt haben die Glocken der Kathedrale übrigens Enjoy the silence gebimmelt, hab ich aber leider nur gelesen und nicht gehört), dementsprechend schwarz war auch das Publikum, wobei heutzutage schwarz nicht mehr schwarz ist, wäre ja auch langweilig, wenn nicht jede Generation dem "Gruftitum" eine eigene Note geben würde, hier jedenfalls war doch einiges an Neonfarben ins schwarz gemischt (oder war es eher andersherum? ;-) ). Viel Manga-Look und auch der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland ward gesehen beim Warten auf den Einlass ins Tivoli. Sehr entspannt kam etwa eine Stunde vorher auch Peter Hook in einem Van mit Fahrer angereist, sah richtig gut erholt und braun gebrannt aus (Hä? Braungebrannt? Das ist ein Engländer und da regnet's! ;-) So kann man irren).

Die Halle – mit Empore und sehr schicker, höhergestellter Bühne - war größentechnisch irgendwas zwischen Zeche Carl und Zeche Bochum. Die DJs waren mir direkt sympathisch: als wir reinkamen lief Siouxie gefolgt von Cure – sprich, extra Musik für die alten Leute, die wohl zum Konzert erwartet wurden... War aber recht gemischt – den Wegweiser für viele Bands der 80er bis heute will halt am Ende dann doch jeder sehen, egal wie alt.

Peter Hook, begleitet von einem Bassisten (Jack Bates), einem Gitarristen (Nat Wason), einem Keyboarder (Andy Poole) und einem Drummer (Paul Kehoe), startete pünktlich um 21.00 h. Sehr guter Sound – zumindest zu Beginn. Zwischendrin war der Gesang aber so gut wie nicht mehr zu verstehen. Ich war nicht sicher, ob das das alte Feeling des schlecht abgemischten Sounds der damaligen Joy Division wiedergeben sollte oder ob es unbeabsichtigt war. Vermute letzteres, weil die Stimme im Zugabenset –- das mir noch besser gefallen hat als das Hauptset -– dann wieder da war, und wie! Sehr genial! Irgendwie war das hier die Wurzel all dessen, was bis heute noch deutlich in der Musik diverser Bands wie New Order (was nahe liegt ;-)), Depeche Mode oder auch den Editors wiederzufinden ist – und Joy Division wird von Bands selber ja auch häufig genug als einer der Einflüsse genannt. Gewöhnungsbedürftig aber für heutige Ohren die Kürze der Songs und auch das mehr oder minder abrupte Ende. Im Hintergrund wurden übrigens abwechselnd die Cover der Closer sowie der Unknown Pleasures eingeblendet, nettes Licht, sonst kein Schnickschnack. Erstes Set bis 22:00 h. Ohne viel Gezappel ging's an die Zugaben (2 Sets). Ende mit Ausblick: Ceremony, einer der letzten Joy Division Songs und erste Single der nach Ians Tod neu gegründeten New Order. Schluss um 22:45 h. Danach noch zwei Lieder für die alten Leute vom DJ (Gothfather sagte sein T-shirt – hatte übrigens seinen Sohn dabei – Son of gothfather) - Smiths und weiß-nicht-mehr und dann – wie ich mittlerweile glaube herausgefunden zu haben – "Frozen Plasma" mit "Tanz die Revolution". Naja, And One singt deutsch und trifft Techno. Hat mich aber an irgendwas anderes aus der 90er-Zwischenfall-Zeit erinnert, ich komm aber grade nicht drauf. Wir sind dann jedenfalls mal ins Bett gegangen ;-).

Ich fand's wirklich klasse und werde bei der nächsten Anfrage sicherlich nicht mehr fragen, wer denn Peter Hook ist und überlegen, ob ich es mir anschaue, werde ich auch nicht mehr und erst recht werde ich es nicht traurig finden, dass er "olle Kamellen" spielt ;-).

Wäre also nett, wenn die Herren sich vielleicht mal aufraffen könnten, nicht nur im Osten oder Süden von Deutschland zu spielen sondern auch mal im Ruhrgebiet oder wenigstens in Köln. Aber wenn nicht, geht's halt wieder in die Niederlande, Stimmung war jedenfalls nett, hat mir gut gefallen in Utrecht und im Tivoli.

Anbei nun noch die Setlist, bei einigen Stücken - Stichwort Stimme weg - hat setlist.fm geholfen:

---Start 21:00 h ----

Atmosphere
Dead souls
Leaders of men
Auto-suggestion
From safety to where...? (setlist.fm)
Atrocity exhibition
Islolation
Passover
Colony
A means to an end
Heart and soul
Twenty Four Hours
Eternal (setlist.fm)
Decades (setlist.fm)

--- Zugabenset – 22:05 h---

Digital
Disorder
New dawn fades
She's lost control
?"sound of the city" (hier sagt setlist.fm nichts, ich meine aber, dazwischen war noch ein song)
Shadowplay
-----

These days
The drawback
Transmission
Love will tear us apart
Ceremony

--- Ende 22.45 h-----

© bat 07/12

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