Zur Wahl stehen zwei Konzerte:

Dreadful Shadows und Gitane DeMone, 19.10.1999

Dreadful Shadows und Scream Silence, 09.10.2000


Dreadful Shadows, Zeche Carl, Essen, 19.10.1999
Support: Gitane DeMone

Es begann um Punkt 21:00 h mit Gitane DeMone, einer Frau, die man zwar anhören, aber besser nicht ansehen sollte - zumindest nicht bei diesem Auftritt, im Netz gibt es einige andere Photos, wo sie wirklich gut aussieht!: blondes kurzes Haar, wohl irgendwie in eine Heckenschere geraten, Augen, die vor lauter schwarzer Farbe drumherum gar nicht zu sehen waren, gesteckt in einen schwarzen Lacklederanzug, der irgendwie an einen Taucheranzug erinnerte... die Fans von Gitane DeMone mögen mir verzeihen. Dabei ein Gitarrist, bekleidet mit einer Küchenschürze und einem Stück Heftpflaster auf der Brustwarze... nun ja, wenn man sich mit dem Rücken zur Bühne stellte, war die Stimme des Ex-Christian Death-Mitglieds Gitane DeMone eigentlich ganz angenehm: tief und warm. Und besser, sie kann singen und sieht zum fürchten aus, als wenn sie gut aussieht und man sich beim Singen am liebsten die Ohren zuhalten würde.. ich erinnere da nur an die kleine Freundin von Ronnie Moorings, Bassistin bei Clan of Xymox...
Die Lieder selber ähnelten einander sehr... aber man erkannte ein neues Lied allerspätestens daran, daß das Licht die Farbe wechselte. Genug gemeckert, ich hab schon sehr viel schlimmere Vorgruppen erlebt und sie sang ja auch nur eine halbe Stunde solo.

Die Dreadful Shadows begannen ihre Show gegen 21:45 h. Gitane DeMone als Hintergrundstimme hat mir sehr gut gefallen - sie stand auch ganz im Hintergrund, fast neben dem Schlagzeug von Drummer Ron Thiele, was ja wie gesagt nicht schlimm war, weil ich die Stimme zwar ganz angenehm fand, die Frau rein optisch aber eher weniger.
Sie wird übrigens angeblich am nächsten vierten Freitag im November auch im Zwischenfall als Special Guest zur PaganLovesongs-Disco auftreten... ein ziemlicher Abstieg für die frühere "Queen of Goth", wie ich finde...

Zunächst mal war ich verblüfft über Sänger Sven Friedrich: klein, schmächtig, aber eine Stimme, tief und dunkel, keine Ahnung, woher er die zaubert... aber ähnliche Verwunderung gab es auch schon bei Andrew Eldritch, der ja auch nicht gerade zu den größten gehört ;-)

Die Shadows begannen mit Futility, dem ersten Song des neuen Albums The Cycle. Mir persönlich hat Gitane DeMone's Stimme als Kontrast im Hintergrund zu Svens Stimme bei diesen neueren Liedern - sie hat das neue Album zusammen mit den Shadows aufgenommen - sehr gut gefallen. Weiter ging's mit einem älteren Song: Burning the Shrouds (von der CD Beyond the Maze), der mir auch gut gefallen hat. Weiter ging's erneut mit einem neuen Song: A better God. Danach wieder zwei ältere, Desolated Home und Craving (beide: Beyond the Maze).

Insgesamt waren es 17 songs, eine nette Mischung aus älteren und neueren Songs, die älteren wie immer mehr bejubelt als die neueren. Das Publikum war für ein Indie-Publikum, das ja am liebsten möglichst wenig Regung zeigt und sich schon gar nicht dabei erwischen lassen darf, begeistert zu sein oder mitzusingen - Todsünde! ;-) - richtig gut, man hat gemerkt, daß es sowohl dem Publikum als auch der Band Spaß gemacht hat. Wenn nach den Songs der Applaus hochbrandete, freute sich Sven ganz offensichtlich, grinste, dankte den Leuten. Er wirkte sehr sympathisch, ein wenig schüchtern fast, auf gar keinen Fall cool und abgeklärt, wie viele seiner Indie- Kollegen auf ähnlichen Konzerten. Doch, die Stimmung hat mir wirklich gut gefallen.

Nach den beiden älteren Stücken ging es zurück zur aktuellen CD mit Torn being, das ich nicht ganz so toll finde und Vagrants in Space. Über die Texte dieser neuen CD möchte ich mich übrigens lieber nicht weiter auslassen ;-) Danach wieder abwechselnd Stücke von der beyond the maze und der Cycle: Figures of Disguise und The Vortex. Bisher wurden die älteren Stücke doch arg vernachlässigt, wie ich feststellen muß (wenn denn die Setlist auch stimmt - falls nicht, bitte ich Frank und Frank Peter doch nochmal korrigierend einzuschreiten, heißen Dank! ;-) ). Aber jetzt folgte A Sea of Tears von der Estrangement (oder auch der Homeless). Wenn ich mich recht erinnere, war dies ein sehr langsames Stück, der Computer zauberte Pianotäne, schon schön.... aber lieber hätte ich noch Funeral Procession gehört, war schließlich meine erste Begegnung mit den Shadows ;-)
Es folgte Intransigence, wieder von der neuen CD, danach Chains (Buried Again), New Day (Cycle)und Condemnation (Buried again), an das ich mich gar nicht erinnern kann. Wie Ihr vielleicht feststellt, wurde anfangs gesprungen zwischen der neuen CD und der Beyond the Maze, nun ging es immer hin und her zwischen Cycle und Buried again.

Während des ganzen Konzerts stand vorn in der gut gefüllten Zeche jemand, der True Faith, True Faith schrie. Tja und nach Beendigung von Condemnation (so sie es denn wirkich gespielt haben) meinte dann Sven: "Und nun ein Song für jemanden, der nur für dieses eine Lied so viel Geld ausgegeben hat - schön blöd " ;-))): True faith, im Original von New Order. War schon witzig, aber wie bei fast allen Covern gefällt mir das Original natürlich besser. Wobei die beiden Versionen so unterschiedlich sind, daß man sie eigentlich fast als eigenständig zu sehen hat, sehr schlecht zu vergleichen. Ähnlich geht es mir bei the sun and the rainfall, ursprünglich von Depeche Mode, auch eher synthielastig, und gecovert von den Merry Thoughts, gitarrelastig mit einer ähnlich tiefen Stimme wie derjenigen von Sven Friedrich. Doch, zumindest liebevoll gemacht ;-)
Das letzte Stück war dann The Cycle, das Titelstück der neuen CD. Schön, ruhig, aber textlich zumindest mir ein wenig sehr ins Klischee gegriffen ;-)

Nach lautem Protest- und Zugabegeschrei gab es zunächst mal drei Zugaben. Wir blieben beim covern und hörten Twist in my Sobriety, was mir von den Shadows eindeutig besser gefällt, und Lullaby von Cure. Hier muß ich wieder sagen: schlecht zu vergleichen, aber das Original ist um Längen besser. Zum Schluß des ersten Zugabensets gabs noch Homeless (cyber edit) (kann auch anders positioniert gewesen sein). Hier, bei diesem schönen Song, spielte dann leider die Technik ein wenig verrückt, so daß die Musik und der Gesang plötzlich nicht mehr ganz so viel miteinander zu tun hatten... Sven guckte auch leicht verwirrt drein.

Das zweite Zugabenset bestand, glaub ich zumindest, aus Dusk (Buried again) und Dead can wait (Estrangement/Homeless).

Beim dritten Zugabenset, ebenfalls nochmal bestehend aus zwei Songs, muß ich passen. Wenn ich einfach die Setlist weiter abklappere, könnte es sich um Mortal Hope und Over the worst gehandelt haben, aber da warte ich nochmal die Rückmeldung meiner Shadows-Experten ab.

Alles in allem waren es nette 1 1/2 Stunden. Ich war angenehm überrascht, fand die songs aber insgesamt relativ ähnlich. Ein wenig mehr Melodie und Einfallsreichtum was das Gitarrespielen angeht, hätte ich auch zu würdigen gewußt. Bereut hab ich es dennoch nicht, eine wirklich sympathische Band, die ich mir sicher nicht zum letzten Mal angesehen habe.

© bat, 1999
Bild: © Thomas Nitz, 1997, zu finden auf der Shadows-Homepage, Link unter dem Bild
Hier ein weiterer Link, noch 'under construction'.
Gesehen hab ich auch noch diesen link, allerdings hab ich ihn selber noch nicht getestet, sorry!


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Dreadful Shadows, Zeche Carl, Essen, 09.10.2000
Support: Scream Silence

Die Abschiedstour der Shadows und die Vorband, deren CD ich gar nicht mal schlecht finde, waren Grund genug, Montag in die Zeche Carl zu fahren. Weil ich aber auf dem letzten Konzert der Shadows in Mülheim (siehe Bericht Another Tale vom 01.07.2000) nicht sonderlich angetan war, muß ich zugeben, daß ich eigentlich eher für die Vorband dort gewesen bin... zunächst ;-)

Scream Silence begannen gegen 20.20 h, schon optisch besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden Sängern. Stimmlich und musikalisch ist diese Ähnlichkeit dann noch größer - wollten die Shadows etwa ihre Nachfolger präsentieren?

Scream Silence spielten 40 Minuten klasse Musik, Songs von ihrer ersten CD "... to die for". Neben den dort zu findenden Songs (lost children, promise, deliverance, immortal, vampyr, illumination, secret twilight, dust of souls, to die for) spielten sie auch 2 neue Songs. Einer hieß The Game, hat mir gut gefallen, er war allerdings sehr ähnlich den anderen. Das zweite Lied war ein Cover, angepaßt an ihren eigenen Stil. Auch hier Parallelen zu den Shadows.. nur, daß deren Cover klasse sind.. The Sparrows and the Nightingales von Wolfsheim in der Version von Scream Silence war es leider nicht, es war eher peinlich, imho. Irgendwie einfach unpassend. Nicht, daß ich der Riesen-Wolfsheim-Fan bin, bewahre (siehe auch Bericht vom letzten Wolfsheim-Konzert ;-) ), aber The Sparrows and the Nightingales ist neben Annie eines der wirklich genialen Lieder dieser Band und gerade das Ruhige und Melancholische sowie die im Grunde sehr schöne Stimme von Heppner zeichnen dieses Lied aus. Wenn es dann laut und "schreddelig" daherkommt, geht irgendwie die Stimmung, die Seele verloren. Wie gesagt, mir hat's nicht gefallen, aber ich werde nicht behaupten, daß der Rest der Leute in der Zeche auch dieser Ansicht war: es gab eine Menge Applaus.

Noch ein Wort zum Drummer: er strahlte, er grinste die ganze Zeit vor sich hin, wirklich witztig. Nicht so, wie der Gitarrist oder der Sänger, die sich ab und an mal sichtbar freuten, weil das Publikum klatschte und jubelte, sondern er freute sich die ganze Zeit, wirklich. Wer weiß, in welchen Sphären er sich befand?!? ;-)

In jedem Fall eine gute Wahl als Vorband und über die Shadows-Nachfolge kann man auch nochmal reden.

Die Dreadful Shadows begannen um 21:40 h, Sänger Sven hatte eine ziemliche Erkältung, aber zum einen hat er dennoch sein Bestes gegeben zum anderen waren die Männer am Mischpult echt auf Zack und unterstützten ihn nach besten Kräften.

Der Sound war anfangs noch mies, ähnlich wie bei den Screams zwischendrin. Aber es besserte sich,obwohl ich irgendwie das Gefühl hatte, mit den Bässen stimmte etwas nicht. Außerdem war es mal wieder zu laut, aber das ist es in der Zeche Carl ja immer.

Lt. Setlist (Dank dem edlen Spender!) ging's los mit Futility, dem ersten Song der letzten CD 'The Cycle', die sowieso überdurchschnittlich oft vertreten war, eigentlich seltsam für eine 'Last Tour'. Danach Burning the shrouds und A better God.

Im Vergleich waren sie doch musikalisch etwas versierter als Scream Silence, aber ebenso wie bei der Vorband sind sich die Songs der Shadows im Grunde musikalisch sehr ähnlich, allerdings ist es mir diesmal weniger stark aufgefallen als noch in Mülheim. Je länger das Konzert dauerte, desto besser gefiel es mir und ich stellte fest, daß ich nicht mehr nur für die Vorband hier war ;-)

Weiter ging's in jedem Fall mit Desolated home, Craving, Torn being, Vagrants in space, Figures of disguise, The Vortex. Sven erzählte zwischendrin nicht besonders viel, und wenn, dann hörte er sich ganz schön erkältet an, der Arme. Abschlußtour und dann sowas! Aber er hielt durch, und zwar richtig lange!

Sie machten weiter mit A sea of tears, Calling the sun, Intransigence, Chains, New Day, Condemnation. Dann gab's auch von ihnen ein Cover, aber ein echt gut gemachtes: True Faith (New Order), auch im Original komplett anders, ähnlich wie The Sparrows and the Nightingales und ich mag es nicht weniger, aber es ist dennoch gut gecovert worden und hat einen gewissen Charme. Zum Abschluß des regulären Sets spielten sie noch das titelstück der letzten CD: The Cycle.

Das erste Zugabenset bestand aus drei Stücken und zwar laut Setlist aus einem weiteren klasse Cover: Twist in my Sobriety (Tanita Tikaram), dem 'Kultsong' Homeless in der Cyber-Edition (wirklich komplett anders als alles andere) und Mortal Hope.

Das zweite Set bestand aus vier Songs, Over the worst, Everlasting Words, dem tollen Dead Can Wait und aus dem Song, auf den ich persönlich am meisten gehofft hatte: Funeral Procession.

Sven bedankte sich, erzählte, daß sie am 01.12. zum allerletzten Mal auf der Bühne stehen würden, in Berlin, und daß wir doch alle kommen sollten.. und schränkte dann ein: "Naja, vielleicht doch ein bißchen weit".

Das schien es wirklich gewesen zu sein, aaber die Leute gaben nicht auf und die Shadows ließen sich tatsächlich noch mal erweichen. Sven wirkte plötzlich irgendwie aufgedreht, mit mehr Energie als vorher, und erzählte, daß 'die nächsten paar Lieder' Lieder seien, die sie schon lange Zeit begleiten würden, eigene und fremde. Das ganze war übrigens akustisch, wirklich toll, und auch so als akustisch auf der Setlist vermerkt.

Sie starteten mit einem Cover, Smoke. Danach ein eigenes, lange nicht gespielt (lt. Sven), Paradize. Dann ein weiteres Cover (auch lt. Sven): Coma white, gefolgt von Empty names. Zum Abschluß ein song ihrer Lieblingsband: The Crawl. Wunderschön.

Und damit war das Konzert nach gut 2 Stunden um 23:50 h vorbei. Sie verabschiedeten sich und Sven sagte noch ganz leise ins Mikro: Es war schön, danke.

Dem kann ich mich nur anschließen. Erstaunlicherweise.

(c) bat, 10/00

PS: Die setlist spricht noch von Lullaby, Dusk, Estrangement und Beyond the maze, aber als Zugaben. Song 1 kann ich definitiv ausschließen, die anderen drei gab's jedenfals nicht als Zugaben, vielleicht waren sie irgendwo dazwischen, wer's weiß, möge sich melden. Wonderwall steht dort noch nach The Crawl, aber leider, leider haben sie diesen Song auch nicht mehr gebracht, wäre bestimmt witzig gewesen ;-)


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