Herman van Veen und Edith Leerkes Christuskirche, Bochum, 11.12.2007

Herman van Veen singt und erzählt von Weihnachten heißt das Programm. Na gut, warum nicht? Wenn Herman das macht, ist das zumindest eines nicht: zu kitschig und zu religiös, aber gewiss ist auch, dass er uns verzaubern wird und wir mit verklärtem Grinsen wieder in die kalte Welt hinausgehen werden ;-).

So war es dann auch. Es startete mit Edith, die erstmal an der Gitarre zeigte was sie konnte, bevor Herman auf die Bühne der Kirche kam. Diesmal war sie wirklich rappelvoll, die Kirche, selbst die Empore war noch besetzt. Als wir all die Leute draußen stehen gesehen haben, in wellenförmigen Schlagen von der Straße über den Parkplatz bis zur Eingangstür, dachten wir wirklich nicht, dass alle Platz haben werden. Aber die Kirche ist größer als man - nach einem Estampie-Konzert mit ca. 60 Leuten - so annimmt und es haben alle Platz gefunden.

Herman van Veen hat sich in den letzten Jahren irgendwie nicht verändert; die Haarbüschel sind vielleicht nicht mehr ganz so blond, sondern eher grau, aber ansonsten ist alles wie gehabt, der gleiche Charme, der gleiche sanft angekündigte, dann aber doch kräftige Hieb mit dem Zaunpfahl, der einen immer irgendwie unverhofft trifft und dann nachdenklich zurücklässt, Herman hat nichts verlernt und ich hab mich gefreut, wieder mal den Weg zu einem seiner Konzerte gefunden zu haben. Er hatte ein großes Liederbuch auf der Bühne stehen, er und Edith wechselten immer mal wieder den Platz, mal erzählte auch sie und auch beim Singen haben sie sich abgewechselt, alles sehr sehr schön. Mindestens drei der Geschichten oder der Dinge, die er gesagt oder gesungen hat, sind hängengeblieben und lohnen vielleicht eine Wiedergabe. Zuerst das Singen von "stille Nacht, heilige Nacht" in französisch, niederländisch, englisch und dann - von uns - in deutsch - und ganz, ganz kurz, bevor es rührend und ktischig wurde, die mit gleicher Melodie gesungene Auffoderung zur Pipipause.. ;-). Die Geschichte über seine "Bekehrung" zum Katholizismus, damit er am Heiligen Abend in der Kirche Ave Maria singen durfte und darüber, wie schnell doch Fische nach dem Regen wieder verschwinden und damit auch die Bekehrung wieder umgekehrt wird (zu viel verraten wäre doch auch nicht schön.. ;-) ). Das Ave Maria hat er übrigens wirklich in knabenhafter Stimme gesungen - zumindest einen Teil. Wow. Und die Geschichte darüber, was man mit Menschen macht, die man nicht mag oder die einem unheimlich sind, so wie's vielleicht damals bei Jesus war: Man beneidet sie, man redet schlecht über sie, man tötet sie vielleicht sogar und wenn man dann ein schlechtes Gewissen hat, spricht man sie im Anschluss heilig und sagt, es war ein Märtyrer. Herman mag nicht wirklich religiös sein, aber er predigt Liebe und schimpft auf Hass und Gleichgültigkeit und das macht er sehr eindrucksvoll, so dass man - zumindest für eine Weile - das Gefühl hat, dass es klappen könnte, nett zueinander zu sein und diesen ganzen fiesen Quatsch zu lassen und zwar vollkommen unabhängig davon, welcher Religion man angehört oder eben auch nicht.

Das Ende kam nach gut zwei Stunden heimlich. Zuvor gab es schon diverse Zugaben, Blumen und nochmal Blumen, standing ovations und wieder eine Zugabe, wir wollten nicht, dass die beiden gehen und die beiden wollten irgendwie auch nicht. Jedenfalls war's ein Lied über König Salomon und seine vielen Frauen ... wir mussten mitsingen und eh wir uns versahen, waren sie weg und kamen auch nicht wieder. Davor gab es noch das Eingeständnis, dass sie nun keine passenden Lieder mehr hätten und deshalb gab es ein Lied in Niederländisch über Amsterdam wenn es regnet, was es wohl vorwiegend tut ;-). Unbedingt ansehen, sehr lohnend.

Schöne Weihnachten.

(c)bat 12/07


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