Ihr habt zwei Konzerte zur Auswahl:

Veljanov, 05.04.1998

Veljanov, 20.02.09


   Alexander Veljanov Bfh Langendreer, Bochum, 05.04.1998     

     Bild: (c) http://www.motor.de

Veljanovs Solovorstellung im Bahnhof ist dem Applaus und der Anzahl der geforderten Zugaben nach zu urteilen sehr gut angekommen, obwohl ich nach dem Konzert von einigen Bekannten auch zu hören bekommen habe, daß es nur teilweise gefallen hat. Na ja, es ist sicherlich nicht mit einem Lakaien-Konzert zu vergleichen gewesen, obwohl Veljanovs Stimme, seine Gestik und Mimik sowie seine Witze und last but not least natürlich auch seine Frisur ;-) dieselben waren. Das Publikum des doch ziemlich vollen Bahnhof Langendreer bestand zum großen Teil aus schwarzgekleideten Leuten, nur vereinzelt sah man auch mal eine andere Farbe. Die Band, bestehend aus Bassist Peter Zierer, Drummer Hermann Beesten jr. (selbiger kam mir doch arg bekannt vor und jetzt endlich weiß ich wohin ich ihn zu stecken hab: er ist auch Drummer bei 'Das Holz', der Band von Christian Komorowski, der live bei den Lakaien geigt und der auch bei der Aufnahme der CD 'Secrets of the Silver Tongue' mitgewirkt hat. Das Holz war außerdem schon Vorgruppe der Lakaien auf der Acoustic-Tour.), Gitarrist El Conde, Gitarrist und Producer Dave Young sowie Ulrich Maiß, Cello, und Veljanov waren ebenfalls größtenteils schwarz gewandet, größtenteils, weil Zierer ein helles Hemd trug (wie auf der Abbildung im Booklet der CD und ebenfalls mit diesem Ding am Kragen, aber zu dem komm ich noch ;-) ) und das Jacket von Veljanov genausogut auch dunkelrot gewesen sein kann, hat man bei dem Licht schlecht sehen können. Ich muß sagen, die Musiker waren absolute Klasse, allen voran El Conde und auch Ulrich Maiß hat mich sehr beeindruckt. Aber das war eigentlich zu erwarten von jemandem, der mit so genialen Leuten wie Michael Popp und Ernst Horn zusammenarbeitet. Veljanov wirkte anfangs etwas nervös, vielleicht auch aufgrund der Menge an schwarzgekleideten Besuchern im Publikum, denn die Songs seiner CD sind ja nun nicht unbedingt in den Gothic-Bereich einzuordnen oder mit den Lakaien zu vergleichen.

Das Konzert begann um 20:35 h mit Slippery world, gefolgt von The Past and forever. Veljanov kündigte die Lieder an und machte nach einiger Zeit auch seine Witzchen oder dumme Andeutungen ;-). Das Eis brach, als er als drittes Lied seinen 'Cowboy Song' The man with the silver gun brachte und das Publikum auch bei diesem gejubelt hat ;-))) Erst gestern sagte mir im Zwischenfall ein gewisser Dirk N. auf meine Frage, ob er denn auch zum Konzert kommen würde, daß ihm dafür noch der Cowboyhut fehlen würde und daß er bei den Cowboystiefeln von Alexander ja schon immer irgendwie skeptisch gewesen wäre und jetzt endlich wisse, warum ;-), aber ich finde, daß der 'Cowboysound', der meiner Meinung nach (und derjenigen einer Kritik, die ich gelesen hab ;-) ), was von Johnny Cash hat und nach Meinung von obigem eher was von Chris Isaac, doch ziemlich auf dieses Lied beschränkt bleibt und daß die Idee, beim Zillo-Festival mit Cowboyhüten in der ersten Reihe zu stehen, doch ein wenig übertrieben ist ;-))) Außerdem bin ich sicher, daß nicht Alexanders Cowboystiefel, sondern dieser Bassist was mit diesem Sound zu tun hat: dieses Teil an seinem Hemd, das bei Cowboy- und country-Fans die Kravatte ersetzt (und das bestimmt auch einen Namen hat, aber einen, den ich nicht kenne ;-)), war mir doch sehr suspekt ;-)

Danach ging's jedenfalls weiter mit Lay down und der Ankündigung, daß jetzt ein Lied käme über ein Ding, das man gern zu zweit oder auch zu dritt machen würde, aber nicht unbedingt 'hier' ;-))) Veljanov wurde eben zusehens lockerer und nahm sich selbst auch nicht so fürchterlich wichtig. Dann kam eine sie, schon älter, männermordend und von Alexander abgestaubt, nämlich Jezebel. Absolut klasse!! Generell durften die Musiker live so richtig zeigen, was sie drauf hatten, die Lieder hatten alle mehr Pepp als auf der CD. Weiter ging's mit einem Lied von ihm für uns über uns oder so: Feed on me, dann Trust in me ('I hope you do'). Und weil ihn so viele Leute fragen würden, warum er so selten in seiner Muttersprache mazedonisch singen würde, kamen anschließend gleich zwei Songs in eben dieser Sprache. Da ich selbiger nicht mächtig bin und um mich herum scheinbar auch niemand mazedonisch kann, muß ich Euch den Namen des ersten Titels schuldig bleiben. Veljanov wurde dabei nur begleitet von dem Mann mit dem Cello, wirklich toll. Das zweite mazedonische Lied dürfte Taga sa jug gewesen sein, von der Run Run Vanguard CD Suck Success. Laut A.V. ging's dabei um einen Mann, der im Exil sterben muß und davon träumt, vor seinem Tod noch einmal nach Hause zu kommen, was ihm aber nicht möglich ist. Und ebenso ernst wie das Thema war auch das Lied. Toll. Danach folgten noch Because of you, Glowing eyes in the park (ein neues) und noch zwei, deren Namen ich aber irgendwie nicht mehr weiß. Etwa eine Stunde und 13 songs später war dann der reguläre set zuende.

Nach ewigem Applaus ließen sich die Herrschaften aber dann doch noch mal überreden. Veljanov stellt dann 'doch schon' wie er meinte, seine Musiker vor und nach einem Räusperer von Herrn Veljanov, der für Heiterkeit beim Publikum sorgte, ging's dann weiter. Veljanov selber machte irgendeinen Kommentar, erst zu seiner Räusperei ('singen macht eben eine trockene Stimme') und dann zum folgenden Lied: Fragile litte thing. Und irgendwie mußte er über das eine oder doch vielleicht auch das andere selber so lachen, daß das mit dem singen nicht ganz so einfach war. Er versuchte, sich seitlich zu setzten, mußte dennoch lachen, drehte dem Publikum den Rücken zu, aber auch das half alles nichts, die Band mußte das Lied ohne seine Sangeskünste zuende bringen ;-))) Veljanovs ständige Lachkrämpfe wiederum ließen das Publikum lachen und klatschen und irgendwie war das ganze schon ziemlich genial ;-). Am Ende rief noch jemand aus dem Publikum: Wiederholung!! und das Gelächter ging von vorn los, doch, die Stimmung war klasse ;-) Danach gings weiter mit einer Frau und zwar einer, die schön sei, sehr schön, zu schön, zu schön 'für meinen Mann': Jolene (don't take my man just because you can). Und nach begeistertem Applaus und Alexanders Bemerkung, daß wir wohl auf Frauen mit J stehen würden, verschwanden sie zum zweiten Mal, wurden aber erneut wieder herausgeklatscht und spielten zunächst Summer nights und anschließend Empty Heart ('es ist spät geworden, die Sonne geht bald auf, das Herz ist leer, das Glas auch' Selbiges fiel dann zu Boden und zerbrach ;-) ). Und dann wollten sie erneut endlich Feierabend haben, was aber wieder nicht gelang. Noch einmal mußten sie auf die Bühne zurückkehren. Tja, sagte Alexander, "die Sonne geht ja bald auf und was tut ein Mann dann allein?"das Publikum überlegte eine Weile, lachte dann und Veljanov meinte, hmm, jetzt habe er sich irgendwie reingeritten, aber so meine er das doch gar nicht, nein,er würde sich stattdessen auf den Weg zum Bahnhof machen und nach Bremen fahren. Und weil das so sei, kam noch ein Lied über einen train und eine station und irgendwas mit expectations, das ich, wie ihr sicher schon gemerkt habt, nicht kannte. Tja, und dann, so gegen 22:10 h, war tatsächlich Sense. Alexander machte zwar nicht den Eindruck, als wolle er schon gehen: er saß noch gemütlich auf seinem Hocker, rauchte seine Zigarette und genoß den Applaus, aber seine Musiker rannten ihn fast um, die Instrumente geschultert, so daß ihm nichts anderes übrig blieb als ebenfalls zu gehen...

Alles in allem ein nettes Konzert, ein gut gelaunter, wenn auch anfangs etwas unsicherer Veljanov, brilliante Musiker und ein Publikum, das ihn auch solo zu feiern wußte. Sicherlich war es aber nichts für Leute, die Musik wie von den Lakaien erwartet haben, auch wenn er kurz vor der letzten Zugabe noch mal eben 'love me to the end' angesungen hat und die Lieder auch nicht gerade vor Fröhlichkeit platzen.

(c) bat, 1998


   Alexander Veljanov Zeche, Bochum, 20.02.2009     

     Bild: (c) http//www.deine-lakaien.com

Wahnsinn, das letzte Veljanov-Solo-Konzert hab ich vor über 10 Jahren gesehen. Der Cowboy-Sound der ersten CD ist mittlerweile abgelegt, CD 2, The sweet life, lehnt sich für meinen Geschmack eher an den Lakaien-Sound an (gefällt mir daher ausgesprochen gut) und bei CD 3, der aktuellen Porta Macedonia, bin ich etwas zwiegespalten: ein Teil ist richtig gut und ein anderer Teil hört sich an wie Kirmesmusik, für meinen Geschmack gibt's auch zu viel deutschen Text auf der CD, so dass ich ein bisschen skeptisch war, was das Konzert anging. Aber, um es vorweg zu nehmen, es war wirklich großartig! Die neuen Lieder sind live noch ein ganzes Stück besser als auf der CD, mit mehr power, nicht so verhalten. Aber die Kirmesmusik-Stücke der CD gingen mir auch live leicht auf die Nerven, nur die Mischung hat's gerettet ;-).

Start in der nicht gerade brechend gefüllten Zeche war Punkt 20:00 h. Veljanov mit schwarzem Hemd und schwarzem Anzug kam auf die Bühne, mit ihm noch 5 weitere Musiker (Gitarre, Keyboard (2x?), Bass, Schlagzeug). Sie starteten mit dem Kongress, dem Lied, das ich auf der CD am allerwenigsten mag. Super Anfang. Veljanovs Stimme hörte sich noch etwas uneingesungen an und sprechen war zu diesem Zeitpunkt des Konzerts auch noch nicht so sein Ding. Er braucht ja ab und ein ein bisschen, um warm zu werden mit den Leuten und dem Auftritt. Es ging weiter mit einem weiteren Song aus dem neuen Album, His vita. Veljanov nannte uns im Anschluss netterweise sogar den Namen des Liedes. Wirklich ein gutes Lied, eines von den Nicht-Kirmessongs ;-). Sie blieben dabei, die neue CD vorzustellen und Alexander verriet uns auch diesen Titel: We can't turn back. Neben dem tollen, kraftvollen Sound war auch das Licht super, kräftige blaue, grüne oder rote Farben und sternförmige Strahlenscheinwerfer, die von der Bühne aus ins Publikum leuchteten und nach dem Einpusten von Nebel (Rauchen war während des Konzerts verboten, also musste man nachhelfen ;-) ) sah es noch schöner aus. Auch dieser song war einer der guten. Danach kam dann die Kirmesmusikfraktion wieder zum Tragen mit Königin aus Eis, das mir noch ganz gut gefällt und Lilly B., das immerhin besser ist als Der Kongress (was nicht wirklich schwierig ist, zugegeben), das mir aber live tatsächlich ganz gut gefallen hat. Zum Schluss hat dann aber das Publikum doch zu früh geklatscht, Alexander winkte ab, wir waren wieder ruhig und ließen die Musiker die letzten Töne des Songs noch spielen, bevor wir das mit den Applaus nochmal versuchten, diesmal ohne Alexanders Unmut hervorzurufen. Sie blieben bei der Porta Macedonia und kamen wieder zu einem der besseren Stücke, The New Order, hat mir live ausgesprochen gut gefallen. Danach leider wieder Kirmesmusik mit 3 vor und 2 zurück und einem mittlerweile warmgesungenen Veljanov, der mitsamt seinen Musikern live dieses Stück ganz schön aufgepeppt hat. In Verbindung mit den anderen Stücken hat mir auch diese Art von Sound gut gefallen, ist halt was anderes als vorher und dass Veljanov solo nicht Deine Lakaien ist, wusste ich vorher und würde es auch nicht anders haben wollen.

Dann gab es doch noch ein altes Stück von der 2001er CD The Sweet Life, nämlich Black girl, absolut genial. Und danach das einzige Lied von der Secrets of the silver tongue, ausgerechnet das "cowboy-Musik-ähnlichste": Man with the silver gun (find me a warm place near the setting sun)... uaaah, dieser Text zieht einem echt die Schuhe aus, aber live war's super ;-).

Zurück zur Porta Macedonia gab es ein weiteres deutsches Lied, Mein Weg, wirklich super. Der Text hätte auch zu einem Heppner/Wolfsheim-song passen können, wirklich schön. Zum Schluss des Hauptsets gab es noch your house on my hill, hat mir auch gut gefallen. Und dann war es wirklich schon 21:10 h und die Jungs verschwanden. So schnell vorbei! Aber sie kamen wieder, ein etwas aufgetauter Alexander stellte die Band vor, allesamt außer dem Drummer, der aus Bosnien-Herzegowina stammt, aus Macedonien, wo in den letzten 5 Jahren das Album auch entstand, wie er erzählte. Er meinte, dass er seine Musiker auch hätte überreden können, einige alte Songs einzustudieren, und dass das doch bestimmt in unserem Sinne sei. Klar ;-). Aber von der Porta Macedonia waren ja auch für eine mindestens 30-minütige Zugabe auch gar nicht mehr genug songs übrig ;-). Von der Sweet Life kam nun also zunächst Seraphim und danach das Titelstück Sweet life/blag zhivot, beide super! Sie blieben bei der CD und spielten noch Fly away, bevor sie wieder verschwanden. Wieder zurück gab es tatsächlich noch ein kleines Intermezzo zwischen Herrn Veljanov und dem Publikum und dann gab es zum Schluss noch die beiden letzten übrigen Lieder der Porta Macedonia, Nie mehr und Dirt. Beide wirklich gut, Dirt sehr laut, kraftvoll und intensiv, anders als auf der CD, wow. Toller Abschluss um 21:50 h, die Leute waren begeistert und ließen die Band und Alexander nur sehr ungern ziehen. Ein klasse Konzert, ein zu anfang leider etwas eingefrorener Alexander, der aber mit der Zeit auftaute und eine eindrucksvolle Vorstellung der Lieder, sehr viel eindrucksvoller als sie auf der CD gewirkt haben. Vielleicht hab ich sie vorab auch nur zu selten gehört oder mich von diesem "Kirmesliedern" von den anderen ablenken lassen. Schön war auch das Licht, insbesondere das eine Bild, als Veljanov auf seinem Barhocker saß, dem Publikum sein Profil zuwandte und außer den kleinen weißen, Scheinwerfern, die ihr nebelverzerrtes Licht auf ihn warfen, alle anderen Lichter ausgeschaltet waren.

Das nächste Mal dauert hoffentlich nicht wieder 11 Jahre.

(c) bat, 02/09


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