Zwischenfall Festival Vol. 1,
04.05.2016,
Bahnhof Langendreer, Bochum


Zwischenfall-Festival lässt Erinnerungen lebendig werden - liefert aber keine neuen Musik-Impulse

Auf dem genialen Frank-Turner-Konzert anfang des Jahres in Münster (am Tag als David Bowie starb) erzählte man mir, es gäbe im Mai ein Zwischenfall-Revival-Festival. Ok, also rumgefragt, wer mit will und am nächsten Tag Karten gekauft. Bands: No more (hmm?), Psyche (yes, sehr, sehr lange schon nicht mehr gesehen), Secret Discovery (na gut) und The Invincible Spirit (Push!). Gute Aussichten, zusammen mit derjenigen, bestimmt eine Menge an alten (im wahrsten Sinne ;-) ) Bekannten aus dem Zwischenfall zu treffen, der ja leider 2011 abgebrannt ist. Folglich natürlich das Festival, wie auch die Revival-Parties, an anderer Stelle, diesmal dem Bahnhof Langendreer. Immerhin der gleiche Stadtteil ;-).

Start schon recht früh - aber man hatte ja auch einiges vor - um 20:10 h mit No more. Gegründet 1979, Sänger Andy A. Schwarz (Gesang, Gitarre, Bass) und Tina Sanudakura (Snythesizer). Tina spielte neben den Synthesizern auch noch dieses geniale Instrument, dessen Namen ich immer vergesse und das Töne oder besser Tonhöhen per Handbewegung steuern lässt: Theremin. Die Musik nett aber ein bisschen nichtssagend. Ein Song gefiel mir,der nächste wieder nicht so. Rausgerissen hat es dann der eine Hit (zumindest das einzige Lied, das ich bewusst von No More kenne) Suicide Commando als vorletztes von ca. 7 Songs. Das letzte war ein cover Heroes - womit wir wieder bei David Bowie wären.

Sie spielten bis 20:54 h, danach kurze Umbaupause und weiter mit Psyche ;-). Zwischendrin sind wir ein bisschen rumgelaufen und haben alte Zwischenfall-Bekannte getroffen, das Merchandising angeschaut (warum denn bitte gab es das Zwischenfall-T-Shirt nur noch in S??) und uns drüber unterhalten, wann und ob überhaupt wir denn welche Band schon mal live gesehen haben und welche Lieder wir denn so kennen - was man halt so macht an solchen Zurück-in-die-Vergangenheit-Tagen ;-).

Weiter also um 21:13 h mit Darrin C. Huss und seinem neuen Keyboarder (der wie vielte?) Stefan Rabura (von dem ich hoffe, dass er es auch war ;-) ). Darrin mit Psyche-T-shirt, Weste und Hut, sehr nett ;-). Die hinter der Bühne angebrachte Leinwand, die bei No more noch keine Funktion hatte, zeigte jetzt den bekannten Psyche-Schriftzug - und ich fühlte mich versetzt in eines der vielen Konzerte, bei denen ich diese Band - oder vielmehr bei denen ich Darrin - schon live gesehen hatte. Erstaunlicherweise hab ich fast alle Songs sofort erkannt und erstanulicherweise zwei konnte ich sogar noch diverse Textpassagen, und das obwohl ich keine Zeit hatte, mich anständig auf das Festival vorzubereiten ;-).

Start mit The crawler (das einzige, das ich nicht sofort erkannt habe), weiter mit Brain Collapses - gleich mit Gast Thomas Lüdke. Weiter mit einer brandneuen Version von Angel lies sleeping, hat mir gut gefallen. Weiter mit Uncivilized und Eternal. Darrin erzählte zwischendrin ein bisschen, auf englisch, obwohl er doch in Bochum wohnt und das mit dem Deutsch eigentlich ganz gut kann. Legte den Hut ab und setzte ihn wieder auf, fand es zu warm und forderte alle auf, sich doch auszuziehen - beließ es aber bei der Weste ... Weiter mit Misery und The Outsider. Die Leute hatten übrigens wirklich Spaß, haben mitgetanzt und mitgesungen. Bei Darrin ist es aber auch ganz, ganz schwierig, schlechte Laune zu haben, er strahlt eine derartige Fröhlichkeit aus (und das für eine dark-pop-indie-Band, die dazu noch auf einem "dunklen" Festival spielt ;-) ). Schon immer. Hat richtig Spaß gemacht, auch schon immer. Auch früher schon hat er sich nicht wirklich um die Konventionen geschert und hatte immer sehr viel Spaß als Gast im Zwischenfall die verbissen Einen-Schritt-vor-und-zwei-zurück-Tänzer zu veralbern ;-). Wobei mir einfällt, dass ich den Pausenclown - ähm, Moderator oder Bandansager - ganz vergessen habe: habe mich wirklcih gefreut, meinen damaligen Lieblings-DJ Michael Zöller auf der Bühne zu sehen, der sehr unterhaltend die eine oder andere Anekdote zu den Bands erzählt hat, natürlich immer bezogen auf seine persönliche erste Begegnung mit ihnen, möglichst im Zwischenfall. Bei Psyche (aus Kanada!) war er sehr aufgeregt und wollte - als Darrin Gast im Zwischenfall war - unbedingt einen Song von ihnen spielen (aber einen nicht so bekannten, abgedroschenen, sondern einen, der den "Kenner" zeigt). Was er nicht wusste, war, dass Darrin damals schon in Bochum gewohnt hat (irgendwer schrie aus dem Publikum die genaue Straße) und die ausgewählte, vermeindlich alte Platte grade remastered hatte, sie also durchaus grade gar nicht mehr so alt und unbekannt war ;-). Tja, ich bin sicher, Darrin hat drüber gelacht! Michael selber war nicht wirklich glücklich mit seiner Rolle als Ansager - so hat er es jedenfalls verkauft - er habe das kürzere Streichholz gezogen (oder so). Naja, dafür hat er es ganz gut hinbekommen ;-).

Weiter mit Psyche. Der nächste Song war Sanctuary, gefolgt von - natürlich - goodbye horses. Fand ich persönlich nie sooo toll, ist aber natürlich ein Klassiker (ursprünglich von Q Lazzarus gesungen, u.a. verwendet im Schweigen der Lämmer). Danach noch _das_ Psyche-Lied an sich: Unveiling the Secret. Schluss um 22:02 h - aber die Fans forderten eine Zugabe und sie durften noch ein Lied: Prisoner to desire. Endgültig Schluss um 22:09 h. Sehr sehr schön.

Danach dann Secret Discovery. Kann sein, dass ich sie mal in der Zeche gesehen habe, habe aber keinen Konzertbericht von diesem irgendwann in den 90er Jahren gewesenen Event. Ich weiß es also nicht mehr. Wäre auch wenn dann etwas gewesen, zu dem ich irgendjemanden begleitet hätte, ist nicht so ganz meins, ein bisschen zu viel Metal im Goth. Start um 22:25 h. Die Leinwand wurde dieses Mal genutzt um Landschaften, Videos oder - in erster Linie - alte Konzertbilder von der Band selber, aber auch von ihrem Publikum einzublenden. Sehr lustig teilweise. Ok, die Band stammt aus Bochum, wurde bereits 1989 gegründet von Sänger Kai Hoffmann, Bruder Falk Hoffmann an der Gitarre und Michael Gusky ebenfalls an der Gitarre. Diese drei waren heute auch live hier. Weiteres Gründungsmitglied war Mathias Glathe (Bass), der nicht mit dabei war, ebenso fehlte ein Drummer. Die Hoffmann-Zwillinge sind mir ein bisschen unheimlich gewesen, sahen definitiv zu gut erhalten aus für Leute, deren Wohnzimmer in den 80ern der Zwischenfall gewesen sein soll, wie Michael Zöller berichtete. Das mag mit den vielen Muskeln zusammen hängen, die die Herren mit sich rumtrugen, ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich einfach nur neidisch, dass sie so gut erhalten aussahen ;-). Kai berichtete, dass sie vor 27 Jahren hier schon mal gespielt haben und ihnen kurz vorher der Drummer abhanden gekommen war, so dass sie mit Samples Vorlieb nehmen mussten. Gleiche Nummer dieses Mal, scheint am Venue zu liegen. War ok, hat nicht sehr gestört. Haben netterweise die Titel immer auf der Leinwand eingeblendet, so dass ich euch, obwohl ich maximal ein Lied erkannt habe, dennoch die komplette setlist liefern kann. Im übrigen fand ich es ganz nett, die Halle war aber deutlich leerer als noch bei Psyche oder später wieder bei The Invincible Spirit, komisch eigentlich. Ich kann mich allerdings auch nicht daran erinnern, dass Secret Discovery im Fall häufig aufgelegt worden wären...

Also. die setlist:

1 Another life
2 Down from hell
3 Way to salvation
4 Let me always
5 Just for living
6 Flower in the dust
7 cage of desire
8 Mystery land
9 Kill me
10 I left the real
11 When does it end
12 Hello goodbye

Schluss um 23:31 h. Uff. Ein bisschen taten mir die Füße weh, aber egal, morgen ist ja schließlich frei ;-). Ach ja, und wer Lust hat die Hoffmann-Zwillinge nochmal zu sehen: Montag, 09.05.2016, 21:00 h im Bermudadreieck im Mandragora beim Acoustic-Monday.

So, der letzte im Bunde war dann der aus Dortmund stammdende Thomas Lüdke alias The Invincible Spirit, gegründet 1986 (nach dem Ausstieg von Thomas bei den Invisible Limits). Weiteres Mitglied und mit auf der Bühne am Keyboard: Anja V.

Start um 23:50 h. Grundsätzlich nette, elektronische Musik, sehr tanzbar, was die Halle auch brav getan hat. Aber... irgendwie hat er am Ende ein Lied: Push in diversen textlichen Variationen. Mir hat's bis ca. zur Hälfte auch richtig gut gefallen (obwohl Push auf sich warten ließ kannte ich doch zusätzlich Devil Dance und Provoke you). Aber dann war es irgendwie genug. Ein Highlight war noch der Gegenbesuch von Darrin auf der Bühne und die gemeinsam gesungene Coverversion von Joy Divisions Atmosphere, sehr großartig. Damm wieder Varianten von Push. Und das wurde durchgezogen. 17 Lieder, eine Zugabe bis um 01:20 h. Uff.

Die Songs - soweit ich sie herausfinden konnte, wurden nur teilweise angesagt - die mit Fragezeichen versehenen sind einfach Textfetzen, die Titel hab ich nicht rausbekommen:

1 Contact
2 Patient (neu)
3 Devil dance
4 Soul Control
5 Erase
6 Atmosphere (mit Darrin C. Huss, Cover Joy Division)
7 Afraid forever (?)
8 Showdown
9 Asking all the time (?)
10 Time to remember, back to sender (?)
11 Provoke you
12 I feel the sunshine (?)
13 I've seen your eyes (?)
14 Dark eye
15 Deeper (?)
16 Push
17 Hate you
01:13
18 Anyway

Fazit: alles in allem ein sehr unterhaltsamer Abend mit netten Bands, allen voran Psyche, die ich sicherlich nochmal anschauen werde (im Oktober in der Trompete in Bochum zum Beispiel). Allerdings keine neuen Erfahrungen, eher ein netter Trip in die Vergangenheit. Weniger Leute getroffen als ich dachte, das nächste Mal muss ich hier wohl mehr Reklame machen. Gerne wieder! Dank an die Organisatoren, war eine sehr nette, längst überfällige Idee!

Fotos folgen, hab aber nicht viele und keine guten gemacht, hab lieber gezappelt ;-)

PS: die Herren, von denen ich den Tipp hatte, waren nicht da, sehr seltsam!

(c) bat 05/2016


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